19 Sep 2006 Jonathan Franzen: "Schweres Beben"

Kurz nachdem Louis Holland nach Boston zurückkehrt, wird die Gegend von einer Erdbebenserie überrascht. Seine Großmutter kommt bei einem Beben ums Leben, seine Mutter erbt in zweistelliger Millionenhöhe und Louis lernt die Seismologin Renée Seitchek kennen, deren Forschungen nach der rätselhaften Ursache der Beben bald eine Verbindung zu einem Chemiekonzern, an dem Louis' Familie nun beteiligt ist, ergeben.

"Schweres Beben" ist fraglos spannend, aber irgendwie "too much". Ökokatastrophe, Seismologie, radikale Abtreibungsgegner, Mauscheleien eines Chemiekonzerns, dysfunktionale Familien, skurille bis abstrakte Figuren und dann noch eine mehr als merkwürdige Lovestory - Jonathan Franzen wirft nicht nur jede Menge Nebelkerzen, um die Karten langsam aufzudecken, er überfrachtet seine Geschichte mit Fachwissen und unkonventionellen Erzählstrukturen.

31 Jul 2006 Gerhard Seyfried: "Der schwarze Stern der Tupamaros"

München, kurz vor dem Deutschen Herbst: Fred steckt voll in der APO, als er sich in eine Genossin verliebt. Zusammen mit Jenny und zwei weiteren Freunden sprüht er Parolen an Wände, zündet Zeitungsstände an und engagiert sich in der Roten Hilfe. Doch im Chaos der Studentenbewegung driftet die kleine Gruppe immer näher an die Schwelle zum Terrorismus, bis Jenny schließlich in Berlin verhaftet wird und auch Fred untertauchen muss.

Gerhard Seyfried hat offensichtlich eigene Erlebnisse aus den Siebzigern verarbeitet. Für meinen Geschmack übertünchen dennoch zu viele historische Fakten die Fiktion, aber das mag daran liegen, dass ich reichlich über die betreffende Zeit gelesen habe und daher vieles überblättert habe. Alles in allem ein schöner Versuch, zu zeigen, wie sich politische Arbeit und privates Glück in die Quere kommen konnten, welcher allerdings nicht ohne Längen bleibt.

26 Jul 2006 Sven Regener: "Neue Vahr Süd"

So, jetzt weiß ich auch wieder, was ich schon an "Herr Lehmann" so anstrengend fand. Es waren diese leicht wirren, sich mehr oder weniger in sich wiederholenden Sätze, die man mitunter zweimal lesen musste, wobei zweimal lesen ja nichts Schlechtes an sich ist, wenn man mal so darüber nachdenkt, eigentlich ist das sogar total gut, Sachen zweimal zu lesen, weil man sie dann zweimal gelesen hat, wodurch man noch besser darüber nachdenken kann. In dem Stil etwa.

So kriegt man natürlich einigermaßen problemlos etwas über 600 Seiten gefüllt mit der Vorgeschichte von Frank Lehmann, der irgendwie verpeilt hat, den Wehrdienst zu verweigern (So einen kannte ich auch mal. Tragisch.), weshalb er nun - im Bremen der 80er - antreten und strammstehen muss. Und wo man schon mal dabei ist, kann man ja auch das elterliche Nest verlassen und stattdessen in eine linke Siffer-WG einziehen, in der viel diskutiert wird, vor allem politisch. Genau das Richtige für den norddeutschen Pragmatiker Lehmann, und das obwohl er doch eigentlich "mehr so der Hippietyp ist". Als er sich dann aber - wie sein Mitbewohner Martin - ausgerechnet in Sibille, die diskussionswütigste der linken Alibistudenten, verliebt, kracht das Kartenhaus aus WG und Bund ganz schnell zusammen.

Witzig - aber anstrengend und mit Längen. 150 Seiten weniger hätten dem Buch gut getan.

04 Jul 2006 Es läuft über

Ich glaube, ich könnte mal ein neues Bücherregal vertragen.

(Nein, ich fahre nicht zum offiziellen Möbellieferanten der WM. Neinneinnein. Auf keinen Fall. Nope. No way. Keine Chance.)

22 Apr 2006 Sue Townsend: "Adrian Mole und die Achse des Bösen"

Die geheimen Tagebücher des Adrian Mole von Sue Townsend sind so etwas wie ein Klassiker der zeitgenössischen britischen Kinder- und Jugendliteratur - aber ebenso wie ihr liebenswürdig chaotischer, herrlich verpeilter und vollständig lebensunfähiger Protagonist sind sie in die Jahre gekommen. ("Erwachsen geworden" wäre in diesem Kontext komplett fehl am Platz.)

Als ich Adrian Mole zum ersten Mal (im Englischunterricht) begegnete, war er 13 3/4 - jetzt, genau 21 Jahre später, hat er immer noch keine Ahnung vom wahren Leben, aber stets eine weltfremde Ausrede parat.

Adrian Mole ist unterhaltsam, weil sein Leben absurd ist und seine Beziehungen kompliziert sind. Leichte Lektüre für nebenbei mit einem Hauch Nostalgie.