08 Dec 2006 Harry Rowohlt: »Der Kampf geht weiter! Nicht weggeschmissene Briefe.«

Etwas, das ich normalerweise niemals tun würde, ist – neben vielen anderen Belanglosigkeiten –, ein Buch zu rezensieren, welches ich noch nicht ausgelesen habe.

In diesem Fall kann ich eine Ausnahme machen, weil es sich um eine Sammlung von Korrespondenzen handelt, die Harry Rowohlt mit verschiedenen Menschen mehr oder minder geführt hat, was wiederum bedeutet, dass man schon nach ungefähr 3 Seiten weiß, dass man ungefähr alle 10 Seiten vor lauter Lachen und Schmunzeln eine Pause wird machen müssen, weil Harry nunmal Harry ist und schreiben kann, dass es einem Tränen ins Auge und Begeisterung ins Herze treibt.

An nicht wenigen dieser Briefwechsel waren englischsprachige Menschen beteiligt. Diejenigen, die dieser Sprache hinreichend mächtig sind, wird es gefallen, dass sie im Originalton abgedruckt sind; diejenigen, die es nicht sind, kann ich beruhigen – sie sind auch übersetzt (und das nicht mal schlecht) daneben abgedruckt.

Wenn also jemand noch ganz schnell ein Weihnachtspräsent für einen Menschen braucht, der die hohe Kunst des Worteschmiedens verehrt, dann kann ich nur sagen: »Jetzt aber schnell, am 24. ist Wüstenrottag!« (Und was ich immer schon mal sagen wollte: Es wird Zeit, dass Harry bloggt.)

23 Nov 2006 Schweizer Käsesieb

Manchmal hat man ja echt ein Siebgedächtnis. Seitdem ich heute nachmittag mein Bücherregal wegen akuter Überfüllung ausgemistet habe, frage ich mich, ob ich »Trinkgeld vom Schicksal« eigentlich verbummelt, verliehen oder nie selbst besessen habe …

20 Oct 2006 Daniel Oliver Bachmann: "Raus aus der Provinz!"

Ratze lebt in einem Kuhdorf im Schwarzwald, knechtet in der örtlichen Eimerfabrik im Akkord, spielt in einer lausigen Coverband Gitarre und kümmert sich um seine kranke Tante Hedwig. Einigermaßen aussichtslos, bei dieser Ausgangslage die großen Locations am Rock 'n' Roll-Highway jemals anzufahren, würden sich nicht schlagartig ein paar sehr merkwürdige Ereignisse zusammentun und Ratze in die große, weite Welt spülen, in der natürlich auch nicht immer alles nach Plan läuft.

Denn das, Freunde, ist es, was Rockmusik ausmacht. Es ist die Energie, von der die da oben zu viel haben und wir da unten zu wenig, und am Ende des Abends ist es vielleicht andersherum, denn dafür haben wir geblecht, ganz allein dafür.

Das waren die rasantesten 264 Seiten, die ich seit langem gelesen habe. Wäre ein Buch ein Konzert, würde man am Ende von "Raus aus der Provinz!" lauthals "Zugabe!" brüllen.

16 Oct 2006 Buchtipp: "Jetzt lerne ich CSS"

Ein Buchtipp, den ich schon lange mal loslassen wollte, ist "Jetzt lerne ich CSS" von Florence Maurice und Patricia Rex (erschienen bei Markt + Technik). Das perfekte Buch für diejenigen, die neben den einschlägig bekannten Webseiten zum Thema gern einen toten Baum hätten.

Das Buch erklärt - stets anhand praktischer Beispiele - alles, was man zum Thema CSS (HTML-Wissen wird allerdings vorausgesetzt) wissen muss, inklusive einiger Beispiel-Layouts, verschiedener kleinere Layout-Tipps und einer ausführlichen Einführung ins leidige Thema Browser-Hacks. Anhand eines Beispielprojektes wird erklärt, wie man größere Projekte angeht, zudem gibt es eine Anleitung zur Umstellung von Tabellenlayout auf reines XHTML/CSS sowie eine CSS-Referenz.

10 Oct 2006 Nick Hornby: "A Long Way Down"

In einer Londoner Silvesternacht treffen sich Maureen, eine alleinstehende Hausfrau Anfang 50 mit einem erwachsenen, behinderten Sohn, Martin, ein wegen einer publik gewordenen Affäre mit einer Minderjährigen geschasster und von seiner Familie verlassener Fernsehmoderator, Jess, eine wütend vor sich hin pubertierende Politikertochter, und JJ, ein amerikanischer Musiker mit frisch aufgelöster Band und Beziehung, auf einem Hochhausdach. Alle vier haben die Absicht, sich von diesem Dach zu stürzen, keiner tut es schließlich. Statt dessen beschließen diese vier Personen, die augenscheinlich nichts gemein haben, sich gegenseitig am Leben zu halten.

Nick Hornby ist ein bißchen wie Pearl Jam, finde ich: Immer noch gut, aber nicht mehr so gut wie am Anfang. "A Long Way Down" liest man flüssig runter, lacht hier und da und wundert sich über die Ungeschicktheit, die überraschenden Momente immer da anzubringen, wo gerade ein neuer Teil des Romans beginnt.