YellowLeds Weblog v2

Artikel über Webdesign, Webstandards und Serendipity von Matthias Mees

Asoziale Nervwerke

Sollte es Leser/innen dieses Blogs geben, die über neue Artikel nur per Twitter oder Facebook informiert werden, habe ich eine unschöne Nachricht: Das wird es bald nicht mehr (zuverlässig) geben. (Hint: RSS ist nicht tot, auch wenn Heise das behauptet.) Facebook hat bereits etwas an seiner API (vereinfacht: das, worüber sich andere Dienste und Apps mit Facebook „unterhalten“) geschraubt, was dazu führt, dass man u.A. Blogeinträge nicht mehr ohne Weiteres automatisiert auf Facebook (über IFTTT) ankündigen kann; bei Twitter stehen ähnliche Änderungen unmittelbar bevor.

Ich überlege, der Datenkrake IFTTT komplett den Rücken zu kehren, weil sie so langsam nutzlos für mich wird – Blogartikel per Twitter ankündigen wird wohl vorerst noch gehen; ansonsten aber wird nur noch ein Applet, das ich nutze, funktionieren (es archiviert meine Instagram-Bilder ins Amazon Drive). Für alte Säcke wie mich werden soziale Netzwerke zusehends zu asozialen Nervwerken, und dabei nutze ich sogar nur drei – Facebook, Instagram und Twitter.

Instagram ist da echt noch das Harmloseste. Gut, die Timeline ist nicht chronologisch, aber das stört mich dort relativ wenig. Mit Werbung kann ich da gut leben, weil ich ahne, was eine kostenpflichtige Plattform für Bilder und Videos monatlich kosten müsste, wenn jemand so etwas anbieten würde. Aber sonst? Soziales Fotoalbum mit optionalem Crosspost nach Facebook und Twitter, mehr will ich davon auch gar nicht. Wenn's mich mal nervt, ignoriere ich es halt mal ein paar Tage. Ich könnte sogar ohne das automagische Archivieren leben, so wichtig nehme ich meine Fotos nicht.

Facebook wird wohl zunächst am Meisten darunter leider, dass ich mittels IFTTT keine Blogartikel oder Tweets mehr einfach dorthin schicken kann. Denn wenn ich ehrlich bin, nutze ich Facebook ansonsten fast ausschließlich lesend und quasi nur übers Web. Die Apps nerven allein schon durch die umständlich versteckte chronologische Timeline, irrwitzig viele Inhalte dort hat man – wenn man das Internet auch außerhalb Facebooks nutzt – an anderer Stelle schon gesehen. Ich kenne ein paar Leute, die „nur auf Facebook“ aktiv sind, deshalb nutze ich es (gelegentlich). Ansonsten wäre ich da vermutlich längst weg, weil auch der Tonfall und die Art, zu diskutieren, dort für mich stellenweise unerträglich sind.

Twitter ist seit fast 10 Jahren meine primäre Kommunikationsform online. Es wird mit den anstehenden API-Änderungen demnächst vermutlich schwer, bei meinem Lieblingsclient Tweetbot zu bleiben, aber so schlimm, wie alle Welt behauptet, fand ich Twitters eigene Apps nach einer kurzen Testnutzung jetzt auch wieder nicht. Ja, man hat mir bereits erklärt, dass das mit der Zeit in puncto Werbung und „Rauschen“ schlimmer werden wird – aber Twitter hat bei mir noch sehr viel Kredit, dafür mag ich die Plattform und die Leute, die ich darüber kenne, zu gerne. Es war natürlich schon immer die Plattform der meckernden Zyniker, denen ich mich teilweise auch zurechne, und das nimmt manchmal ein wenig überhand, aber ich glaube, dahinter steckt weniger die Plattform per se und mehr gesellschaftliche Phänomene, die sich dort (wie auch auf Facebook) abbilden.

Jedenfalls, äh, was wollte ich sagen? Ach so: Das Blog bleibt, auch wenn es jetzt ein paar Monate arbeitsbedingt und dank anderen Dingen um den Ohren still war. Es gibt aber keine Artikelankündigungen auf Facebook und eventuell keine auf Twitter mehr, weil mir alles andere statt IFTTT zu umständlich ist, und für manuelles Ankündigen dort bin ich vermutlich zu faul.