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02 May 2007 Snooker-WM: Das halbe Halbfinale

Zwei der vier Halbfinalisten in Sheffield stehen nunmehr fest. Neben Shaun Murphy, der heute morgen in einem denkwürdigen Match Matthew Stevens in die Schranken wies, ist auch Stephen Maguire nach einem 13-7 über Anthony Hamilton bereits im Halbfinale. Scheinbar war entweder Maguire in Topform oder Hamilton hatte einen rabenschwarzen Tag – die gestrige Session endete mit 9-7, also hat Maguire (ich habe von der Begegnung nichts gesehen) alle vier Frames vor dem Midsession Interval für sich entscheiden können.

Maguires Halbfinalgegner wird heute abend in der letzten Session zwischen John Higgins und Ronnie O'Sullivan (Stand: 11-5 für Higgins) ermittelt, Murphy hingegen trifft auf den Sieger der noch in der 2. Session laufenden Begegnung zwischen Mark Selby und Allister Carter (Stand aktuell: 7-6 für Selby).

02 May 2007 Snooker-WM: Sensationelle Morning Session

Die beiden Begegnungen der Morning Session hatten es am heutigen Spieltag in sich. Shaun Murphy, der bereits mit 5-11 gegen Matthew Stevens zurück lag, bewies enorme Comeback-Qualitäten und zog mit einem bravourösen 13-12 schliesslich doch noch ins Halbfinale ein. Stevens trennte über weite Strecken des Matches lediglich ein lumpiger Frame vom Sieg, aber dennoch wollte ihm eben dieser eine Framegewinn partout nicht gelingen.

Die Niederlage im bisher spannendsten Match der WM ist doppelt bitter für Stevens, der in Sheffield fast schon traditionell und auch in diesem Jahr sein bestes Snooker zeigte: Er fällt durch diese Niederlage aus den Top 16 der Rangliste. Diese 16 Spieler sind bei Ranglistenturnieren der Main Tour für das Hauptfeld gesetzt, Stevens wird also in der kommenden Saison wieder Qualifiktionsrunden bestreiten müssen.

Die Spannung in dieser 4 Stunden andauernden Partie führte dazu, dass Eurosport nicht mehr dazu kam, innerhalb der Sendezeit die Aufzeichnung vom Nebentisch zu zeigen, an dem Ronnie O'Sullivan einen rabenschwarzen Vormittag gegen John Higgins erleben musste. Als Stevens und Murphy noch spielten, wurde im Crucible bereits die Trennwand zwischen beiden Tischen hochgezogen – Higgins hatte 7 der 8 Frames dieser zweiten Session für sich entschieden und führt nunmehr 11-5 gegen O'Sullivan, der nun heute abend in der Evening Session vor derselben Aufgabe wie Murphy steht: Er muss 8 Frames gewinnen, während sein Gegner nur 2 zum Sieg benötigt. Oder anders formuliert: Ronnie darf gegen Higgins heute abend maximal einen (!) Frame abgeben.

02 May 2007 Snooker-WM: Ein Mann, viele Namen

Heute morgen scheint Ronnie O'Sullivan einen schwarzen Tag erwischt zu haben – alle vier Frames vor dem Midsession Interval (einer Pause nach 4 von 8 Frames einer Session) gingen an John Higgins. Das Schöne, Bizarre und Überraschende an O'Sullivan ist, dass dieser Spielstand nichts zu bedeuten hat. Wenn er, wie mein Snookerkumpel Martin immer so schön sagt, »die Schraube in seinem Kopf anzieht«, kann O'Sullivan jedes Match jederzeit beherrschen.

Das ist für mich der Grund, weshalb der wahre Spitzname, den man ihm verpassen sollte, ein ganz anderer als seine bisherigen sein sollte: In meinen Augen ist Ronnie der »Michael Jordan des Snooker«.

Ähnlich wie Basketballidol Jordan ist O'Sullivan zum einen ein enormes Talent, das zumindest am Anfang seiner Karriere vor allem durch spektakuläres Spiel auf sich aufmerksam machte, zum anderen ein absoluter »student of the game«. Vor allem aber haben beide eines gemeinsam: Man kann nicht Fan ihres Sports sein und ihr Spiel nicht mögen. Und beide können bzw. konnten an einem guten Tag jederzeit alles tun, was nötig ist bzw. war, um zu gewinnen.

Der Announcer im Crucible Theatre in Sheffield wählt zur Anmoderation meist den ersten Spitzenamen, den O'Sullivan zunächst aufgrund seines rasanten Aufstiegs in der Rangliste erhielt: »The Rocket« (Die Rakete). Mittlerweile ist dieser Name ein Synonym für das explosive Offensivspiel, welches Ronnie lange pflegte. Es ist bekannt, dass er diesen Spitznamen nicht sonderlich mag, weil er eben mittlerweile nicht mehr so spielt bzw. sein Spiel umstellen möchte. Wenig anders ist sein zweiter Nickname »The Essex Exocet« – die Exocet ist eine französische Rakete. Sein Mentor Ray Reardon hat hingegen »The Magician« (Der Zauberer) als neuen Nickname ins Spiel gebracht.

02 May 2007 Snooker-WM: Erster Eindruck der Viertelfinalspiele

Das Viertelfinale verdeutlicht bislang klar, dass nun höchste Konzentration und äußerste Vorsicht von den beteiligten Akteuren gefragt sind – nahezu alle ersten Sessions der vier Partien gestern endeten mit knappen Ergebnissen. Bereits die zweite Session gespielt haben Stephen Maguire und Anthony Hamilton (9-7) sowie Matthew Stevens und Shaun Murphy (11-5). Murphy benötigt also bereits ein relativ starkes Comeback (Stevens braucht noch 2 Frames zum Sieg), hat jedoch soeben mit einem sehr starken ersten Frame auf 11-6 verkürzt. Maguire hingegen hat gestern mit einer 143 das bislang höchste Break der WM gespielt.

Die Partie zwischen John Higgins und Ronnie O'Sullivan hielt für meine Begriffe, was sie versprach: Hochklassiges Snooker zweier Profis in bester Form, auch wenn bei O'Sullivan mittlerweile recht deutlich zu sehen ist, dass er weg möchte vom »The Rocket«-Image. Sein Spiel ist immer noch grandios leichtfüssig, und gelegentlich blitzt sein Genie und sein für den Zuschauer unterhaltsames Spiel durch, aber er spielt deutlich wenig offensiv, dafür versierter und vielseitiger. Nur als er im zweiten Frame merklich in den »Tunnel« kam, also hochkonzentriert ins Spiel versunken war, kam sein altes Spiel durch, bei dem er meist schon in Stossposition steht, während der Schiedsrichter noch die gefallene Farbe aufsetzt.

01 May 2007 Snooker-WM: Die Viertelfinalspiele

Auch das Achtelfinale der WM in Sheffield endete mit Paukenschlägen – mit Peter Ebdon (7-13 gegen Mark Selby) und Stephen Hendry (6-13 gegen Allister Carter) sind zwei weitere Ex-Weltmeister bereits in der 2. Runde ausgeschieden, die Begegnungen des Viertelfinales halten ein paar echte Überraschungen bereit:

  • Anthony Hamilton – Stephen Maguire: Zumindest Hamiltons Teilnahme am Viertelfinale ist eine echte Überraschung, zumal in diesem Viertel des Turnierbaums der amtierende Weltmeister Graeme Dott stand. Maguire hatte ich das Viertelfinale durchaus zugetraut, nun ist er in meinen Augen sogar favorisiert.
  • John Higgins – Ronnie O'Sullivan: Für mich das vorweggenommene Finale. Beide sind in großartiger Form, beide spielen höchst ökonomisch und überzeugend. Definitiv die spannendste Partie, hier traue ich mich auch nicht, einen Favoriten zu benennen, obschon man sagen muss, dass O'Sullivan definitiv die schwierigeren Gegner hatte – die Frage ist, ob das ein Vor- oder Nachteil sein wird …
  • Matthew Stevens – Shaun Murphy: Die Neuauflage des Finals von 2005 ist meines Erachtens völlig offen. Stevens hat sich bislang nicht anstrengen müssen, Murphy hingegen gegen Parrott Formschwankungen gezeigt. Auf der anderen Seite liegt die deutlich bessere Saison hinter Murphy. Stevens hingegen spielt im Crucible Theatre immer sein bestes Snooker.
  • Mark Selby – Allister Carter: Die Überraschungspaarung. Selby spielte sich gegen Ebdon in einen Rausch, Carter traf auf einen komplett desolaten Hendry. Hier ist es ganz schwer, einen Favoriten auszumachen – kann Selby seinen Rausch konservieren bzw. in konstant gute Form ummünzen? Wie stark war Carter wirklich, wie stark hat er von Hendrys schwarzem Samstag profitiert?

Halbfinaltipps? Oha. Maguire gegen O'Sullivan und Murphy gegen Carter, aber eigentlich kann in allen vier Partien alles passieren …