Artikel mit Tag world cup

09 Mai 2007 Selby: Es war zu befürchten

Kaum stand Mark Selby im Finale der Snooker-WM, schon schlugen hier die ersten Suchmaschinen-Hits auf: »mark selby fanclub«, »mark selby girlfriend« (auch in der deutschen Variante), usw. usf. (Nein, »mark selby naked« war nicht dabei.)

Mark Selby bekommt diese Aufmerksamkeit nach seinem famosen Auftritt im Finale der Snooker-WM zu Recht, und ich denke, er verdankt seine aktuelle Beliebtheit unter Anderem seinen Faxen am Rande, die mindestens so unterhaltsam waren wie sein Spiel. Ich erinnere mich daran, wie Selby in die Knie ging, um einen Stoss zu analysieren, und dann so tat, als würde er in die Tischkante beißen, als er feststellte, dass er an den Ball nicht rankommen würde. Ich erinnere, dass er (allerdings in einer Spielpause, als John mal eben für kleine Higgins' war) während(!) des Finales noch Autogramme schrieb. Ich erinnere mich daran, wie er mit Kameras und Publikum scherzte, als ginge es in dem nebenbei zu spielenden Match um nichts.

Diese lässig-freche Lockerheit eines 23jährigen hat Selby zu Recht in die Herzen des Snooker-Publikums gebracht, aber nun wird der Druck auf ihn in der kommenden Saison enorm werden. Er ist nun die Nummer 11 der Weltrangliste, und damit hat er auf der kommenden Main Tour etwas zu verlieren – hoffen wir, dass er sich seine unterhaltsame Lockerheit bewahren kann.

08 Mai 2007 Snooker-WM: Von Gewinnern und Verlierern

Der Schotte John Higgins ist der Weltmeister im Snooker 2007. In einem Marathonmatch von effektiv über zwölf Stunden, welches heute nacht um 2 Uhr MEZ beendet war, besiegte »The Wizard Of Wishaw« den Qualifikanten Mark Selby mit 18-13. Higgins hat damit eine eher durchwachsene Saison sensationell beendet – er ist nicht nur amtierender Weltmeister, sondern wird in der kommenden Saison auch als neue Nummer 1 der Weltrangliste geführt. Und nach diesem Turnier, in dem Higgins grösstenteils sensationell überzeugende Leistungen bot, hat er beides absolut verdient.

Sein Gegner Mark Selby hat zwar sein erstes WM-Finale verloren, aber ansonsten eigentlich nur gewonnen: Die Herzen des Publikums dank seines mitreissenden, emotionsgeladenen und spektakulären Spiels, eine Stange Geld ohnehin und zudem einen Platz in den Top 16 der neuen Weltrangliste, was für ihn bedeutet, dass er in der kommenden Saison auf den Ranglistenturnieren der Main Tour gesetzt sein wird, also keine Qualifikationsmatches austragen muss. Bedenkt man, dass »The Jester From Leicester« erst seit dieser Saison »Vollzeit«-Snookerprofi ist, ist das ein erstaunlicher Sprung. Selby darf sich nun zu Recht mit Neil Robertson und Ding Junhui zu den besten Jungprofis auf der Main Tour zählen.

Wer aber zählt zu den Verlierern dieser WM? Meines Erachtens Stephen Hendry und Matthew Stevens.

Hendry hat in Sheffield auf nahezu grausame Weise dokumentiert, was sich schon lange abzeichnet: Dass es ihm nicht vergönnt sein wird, wie Steve Davis »in Würde zu altern«. Während Davis mit 50 Jahren immer noch in den Top 16 steht, ist beim 38 Jahre alten Hendry bereits deutlich zu sehen, dass er nicht mehr an das Können früherer Tage anknüpfen kann. Bereits gegen David Gilbert sah Hendry phasenweise schlecht aus, die Niederlage gegen Allister Carter kam einer Demontage gleich.

Stevens hingegen ist die tragische Figur dieser WM. Eigentlich hat er nach einem harten Jahr seine in Sheffield traditionell gute Form wieder gefunden, allerdings fand er seinen Meister in einem dramatischen Viertelfinale in Shaun Murphy, der dem »Welsh Dragon« in letzter Minute noch den Sieg abnahm, was dazu führt, dass Stevens aus den Top 16 fällt und sich somit in der kommenden Saison für die Ranglistenturniere erst wird qualifizieren müssen.

06 Mai 2007 Snooker-WM: Finale, Tag 1

Während ich diese Zeilen schreibe, stehen John Higgins und Mark Selby im letzten Frame der zweiten Session des Finales, Stand: 11-4 für Higgins, der offensichtlich seine kleine Formschwankung gegen Stephen Maguire überwunden hat. Selby kämpft wie ein Löwe, gibt keinen Frame verloren und begeistert mit seinem emotionalen Spiel die Zuschauer im Crucible Theatre, hat jedoch wenig Chancen gegen die designierte Nummer 1 der neuen Weltrangliste, zumal er eine rabenschwarze Evening Session gespielt hat. Selby braucht morgen schon ein starkes Comeback, um Higgins noch ernsthaft in Bedrängnis zu bringen.

Sollte das Finale morgen bereits in der Nachmittags-Session oder am Anfang der Evening Session entschieden werden, wird es übrigens möglicherweise ersatzweise am Abend eine Art Showveranstaltung, möglicherweise eine Trickshot-Demonstration, geben.

06 Mai 2007 Snooker-WM: Vor dem Finale

Heute geht es also los: 2 Spieler, maximal 35 Frames in maximal 4 Sessions – das Finale der Snooker-WM in Sheffield. Und wir sehen zwei Kontrahenten, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Auf der einen Seite John Higgins, ein langjähriger Topspieler, der nach einer äußerst bescheidenen Saison zur WM seine Form gefunden hat und mit äußerst effizientem, ökonomischen Spiel auf Basis eines herausragend sichereren Positionsspiels verdient ins Finale einzog. Sieht man von einer schwachen dritten Session gegen Stephen Maguire ab, hat Higgins ein sagenhaftes Turnier gespielt, inklusive einer 7-1 gegen Ronnie O'Sullivan gewonnenen Session. Higgins wird trotz der unauffälligen Saison in der kommenden Spielzeit die neue Nummer 1 der Weltrangliste sein.

Sein Gegner Mark Selby bietet ein »Spektakel für die ganze Familie« – der erfrischende, kackfreche und äußerst wagemutige Stil des extrovertierten Aufsteigers, der als Qualifikant in dieses Finale stürmte und eigentlich vom Poolbillard kommt, hat begeistert. Selby kehrt bisweilen sein Innerstes nach Außen und fesselt damit die Zuschauer an den Tisch. In einem ansonsten doch eher auf Konzentration und Nüchternheit geeichten Sport ist Selby ein Farbtupfer.

Ob er eine Chance hat, den eingesessenen Higgins zu schlagen, lässt sich schwer voraussetzen. Ich gehe davon aus, dass Selby kein Opferlamm sein wird, ich gehe vielmehr davon aus, dass es am Montag abend eine brutal spannende vierte Session geben wird. Ich hoffe, dass Higgins wieder sein hochökonomisches Positionsspiel aufzieht, genauso aber hoffe ich, dass Selby mit seinem leicht orthodoxen, frechen Spiel dagegen hält – denn dann bekommen wir ein unterhaltsames, fesselndes Finale. Möge der Bessere gewinnen.

03 Mai 2007 Snooker-WM: Halbfinale komplett

Ronnie war der Favorit. Er ist ein großer Spieler, der schon alles gewonnen hat. Doch ich war versessen auf diesen Sieg.

Mit diesen Worten kommentierte John Higgins seinen Sieg über Ronnie O'Sullivan. Mit 13-9 behielt Higgins nach einer überragenden Morning Session, die er mit 7-1 für sich entschied, schließlich doch die Oberhand in diesem vorweggenommenen Finale, nachdem O'Sullivan zunächst die ersten vier Frames der Evening Session für sich entschieden und damit zu einer Aufholjagd angesetzt hatte. Eine verschossene lange Rote kostete ihn schließlich die letzte Chance. Higgins steht allerdings völlig zu Recht im Halbfinale, wo er nun auf seinen schottischen Landsmann, Freund und Trainingspartner Stephen Maguire trifft. Es dürfte spannend werden, aber ich sehe leichte Vorteile für Higgins, der einfach in überragender Form ist.

Das zweite Halbfinale bestreiten Shaun Murphy und Mark Selby, der gestern in einem Marathon von zwei aufeinanderfolgenden Sessions (beide standen über 9 Stunden am Tisch) Ali Carter mit 13-12 besiegte. Es bleibt abzuwarten, wie sehr Selby dieser Marathon mitgenommen hat, aber generell würde ich behaupten, mit seiner Unterstützung im Publikum (ihn begleitet ein wahrer Fanclub von Kumpels, die ihn frenetisch anfeuern) könnte ihm die Überraschung gegen den bei dieser WM nicht immer überzeugend agierenden Murphy durchaus gelingen. Zudem spielt Selby – auf Deutsch gesagt – kackfrech. So wagte er gestern im entscheidenden Frame einen riskanten Bogenball. Murphy hingegen könnte durch das erstaunliche Comeback gegen Stevens Auftrieb bekommen haben, zudem muss er zwingend ins Finale kommen, wenn er seine letzte Chance auf Ranglistenplatz 1 wahren will.