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16 Jun 2008 Kurt Appaz: »1975. Im Jahr der Weiber.«

Die Blütezeit der Hippies ist 1975 zwar längst vorbei, doch das hält Kurt und seine langhaarigen Kumpels nicht ab: Sie legen für einen altersschwachen Bully zusammen, schmeißen auch sonst das karge Geld zusammen und fahren nach dem vermasselten Abi erstmal zum Campen nach Frankreich. Wohin ist dabei eigentlich total egal, Hauptsache viel Spaß, immer was zum Kiffen und der ständige Kampf um den Erfolg beim anderen Geschlecht.

Ein kurzweiliger und ohne ersichtlichen Grund erstaunlich fesselnder Roman, der allerdings als Leichtgewicht auch schnell durchgelesen ist. Die ideale Sommerlektüre, von Jugendbuchautor Wolfram Hänel unter einem Pseudonym veröffentlich.

12 Jun 2008 Unglaublich: Die Kunst des Stephen Wiltshire

Die bessere Hälfte sieht nicht gerne Fussball, insofern ist der gemeinsame EM-Kompromiss, zwar die deutschen Begegnungen, aber nicht jedes Spiel zu gucken. Gut so, denn ansonsten hätte ich gestern den mittleren Teil von Expedition ins Gehirn auf 3sat verpasst. Die dreiteilige Dokumentation befasst sich unter anderem mit Savants – Menschen, die aufgrund einer kognitiven Behinderung, oft Autismus oder Asperger-Syndrom, über herausragende Fähigkeiten und Kreativität in einer sogenannten Inselbegabung verfügen. (Ja, so wie Dustin Hoffman in Rain Man; das wäre ein Beispiel für einen mathematischen Savant.)

Einer dieser Menschen ist Stephen Wiltshire – »die menschliche Kamera«. Er ist aufgrund seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten in der Lage, ein Bild nach einmaligem(!) Betrachten perspektivisch korrekt und bis in kleinste Feinheiten detailgetreu nachzuzeichnen, beispielhaft illustriert an einer atemberaubenden Panorama-Zeichnung Roms, welche er nach einem Helikopter-Rundflug aus dem Gedächtnis in drei Tagen nachzeichnete.

Definitiv einen Besuch wert ist auch die Bildergallerie auf seiner Webseite. Und immer daran denken: Das ist alles aus dem Gedächtnis nachgezeichnet …

04 Jun 2008 Dead Souls

Hätte mir vor etwa 18 Jahren, als ich mich noch mit pubertärer Ernsthaftigkeit für Joy Division begeisterte, jemand erzählt, die Geschichte der Band würde einmal in einem Kinofilm erzählt, ich hätte ihm wohl einen Vogel gezeigt. Mittlerweile ist Control von Anton Corbijn auf DVD erhältlich.

Man merkt dem Film leider an, dass er der erste abendfüllende Spielfilm eines Fotografen und Videoregisseurs ist – Corbijn erzählt die Geschichte der Band rasant und kurzatmig, unterbrochen von (von den Darstellern der Band teilweise selbst gespielten) Konzert- und Musiksequenzen, welche die Musik von Joy Division als Ruhepol in einen unruhigen Film integrieren. Erst zum tragischen Ende hin nimmt der Film sich Zeit, die Geschichte in ausführlichen Szenen zu erzählen.

Bemerkenswert allerdings ist Ian-Curtis-Darsteller Sam Riley, der als Schauspielnovize nicht nur eine überzeugende Darstellung des faszinierenden Sängers abliefert, sondern auch die etablierten Aktricen Samantha Morton und Alexandra Maria Lara an die Wand spielt.

26 May 2008 Schnell ausgezählt

Sie haben traditionell bei Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein die Nase vorn: Hallig Gröde war auch gestern wieder der erste Wahlbezirk, dessen amtliches Endergebnis vorlag.

53,8 Prozent und damit die absolute Mehrheit auf Gröde gingen an die CDU, 30,8 Prozent entfielen auf eine Wählergemeinschaft und 15,4 Prozent auf die Grünen. SPD, FDP und SSW blieben komplett ohne Stimme. Die ansonsten landesweit katastrophale Wahlbeteiligung lag auf Gröde übrigens bei 100 Prozent.

(Auf Hallig Gröde gibt es ganze 13 Wahlberechtigte.)

10 Apr 2008 Fakten über eine kleine Stadt

Gelegentlich passiert es, dass ich Menschen in der Droschke habe, die etwas über die kleine Stadt, in der ich lebe und arbeite, wissen wollen. Oft sind das – so wie heute abend – junge Menschen, die in der ortsansässigen Landespolizeischule aufgenommen werden wollen. Anscheinend wird dort in der Aufnahmeprüfung u.a. nach der Einwohnerzahl unseres verschlafenen Städtchens gefragt (»Siebzehn- bis Achtzehntausend, je nach Jahreszeit und Tagesform.«).

Den berühmtesten Sohn der Stadt kennen zugezogene junge Menschen üblicherweise auch nicht, bis sie zum ersten Mal im Sommer der anlässlich der gleichnamigen Festspiele einfallenden Heerschaaren gewahr werden. Nun ja, dafür kennen die meisten immerhin Dr. Dressler, wenn auch nicht unter seinem bürgerlichen Namen (tut mir ja leid, Herr Haas).

Überhaupt haben wir es ja mit der Schauspielerei: Neulich habe ich gelesen, der in Eutin gedrehte Tatort: Reifezeugnis sei der bis heute erfolgreichste deutsche Fernsehfilm aller Zeiten. Und selbst die bereits erwähnte Landespolizeischule hat schon in einem Film mitgespielt: Im Anfang von Karniggels nämlich.