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23 Mar 2009 Zurück in die Zukunft mit Selig

Im Hinterkopf hatte ich die neue von Selig, Und endlich unendlich, schon, als Philipp sie mir heute nachmittag ans Herz twitterte. Was für eine gelungene Empfehlung!

Selig waren 12 Jahre weg, ihr letztes Studioalbum Blender hielt bereits, was der Titel versprach. Das, was sie davor gemacht haben – zwei der besseren deutschsprachigen Alben der neunziger Jahre –, ist die musikalische Basis für das neue Album. Es klingt immer noch ein wenig nach Hippie-Mucke, hat immer noch eine dominante Leadgitarre irgendwo zwischen Jimi Hendrix und John Frusciante und es wird auch immer noch geschweineorgelt.

Dazu aber schwingt irgendwo leise der Hauch von abgestoßenen Hörnern mit. Selig müssen sich nicht „neu erfinden“, um nicht altbacken zu klingen – das Scheitern des dritten Albums mag ein Grund dafür sein, dass man sich auf dem neuen Album an den alten Hinweis, nicht mit der Formel zu spielen, gehalten hat. Herausgekommen ist ein schönes, rundes, typisches Selig-Album, welches im Übrigen grandiose Autofahrmusik ist.

Natürlich weht da immer ein Hauch von „Brauchen die Geld?“ mit. Vermutlich stimmt das sogar. Mögen sie es bekommen – wer saubere Arbeit abliefert, hat es verdient. Und dieses Album ist blitzblank.

22 Mar 2009 Zweitwagen

Als ich noch jung und hübsch war, damals kurz nach'm Kartoffelkrieg, fuhren junge Mütter normalweise einen sogenannten „Zweitwagen“ – etwas Handliches aus der Preisklasse „überdachte Zündkerze“, meinethalben einen Uno oder so. Das hat sich grundlegend geändert.

Auch eben beim Sonntagseinkauf war mal wieder festzustellen, dass der angemessene fahrbare Untersatz für eine Mutter heutzutage eindeutig in der Kategorie Minivan, besser noch: Geländewagen, einzuordnen ist. (Passt auch viel besser zum gesetzlich vorgeschriebenen Jack Russell.)

Bitte nicht falsch verstehen: Es ist absolut nachvollziehbar, dass man für die Beförderung und Versorgung eines Dreijährigen zwangsläufig die Sitzplatzanzahl eines Linienbusses und die Ladefläche eines Pickups braucht. Im Grunde kann es nur noch eine Frage von Monaten sein, bis vor Grundschulen die ersten Stellplätze für Sattelschlepper angelegt werden.

Nur: Fahren sollte man sowas schon auch können …

15 Mar 2009 24'ed

Ich erwähnte ja bereits meine viel zu spät entdeckte 24-Sucht. Ähnlich wie Konna bin auch ich über ein sehr verlockendes Sonderangebot der ersten Staffel gestolpert – eine echte Einstiegsdroge. Dabei ist 24 eigentlich überhaupt nicht meine Sorte Serie: Zu actionlastig.

Natürlich hat auch hier wieder der Originalton auf DVD den Einstieg erleichtert. Gleichzeitig aber ist 24 einfach wirklich gut gemachte Unterhaltung, die im wesentlichen auf drei Faktoren basiert: Action, Verschleierung und Spannung.

Action: Explizit und variabel
Die Action in 24 ist drastisch, schon an der Grenze dessen, was im Fernsehen machbar ist. Das ist nicht nur Alleinstellungsmerkmal, es fesselt auch.
Gleichzeitig aber sind die Actionsequenzen äußerst vielseitig, was natürlich erst durch den Variantenreichtum, den das 24-Szenario bietet, möglich wird.
Verschleierung: Mitdenken!
Neben den typischen Heldern und Bösewichtern hat jede 24-Staffel immer auch Charaktere, die beides sind oder sein könnten. Im Prinzip ist außer Protagonist Jack Bauer jeder potentiell verdächtig.
Das spornt ebenso zum Mitdenken an wie Frage, was den Autoren eingefallen sein könnte, um die Handlung komplizierter zu gestalten als offensichtlich, was auch in jeder Staffel geschieht.
Spannung: Niemals nachlassen
Allein der Echtzeit-Faktor erzeugt über die damit verbundene Intensität einzelner Szenen eine subtile Spannung. Gleichzeitig aber gibt es eigentlich keine Szenen, in denen nichts passiert.
Die größte Spannung aber bringen (für mich zumindest) immer wieder die unerwarteten Wendungen im Plot. Spätestens ab der siebten oder achten Stunde eines 24-Tages fragt man sich permanent, wie man diese Handlung noch auf 24 Folgen ausdehnen kann – was natürlich immer irgendwie gelingt.

Fazit: So geht moderne, hochwertige TV-Unterhaltung. Einzig von den ab dem zweiten Box-Set beliegenden Extras-DVDs würde ich mir mehr versprechen. Mal sehen, was da in Staffel fünf kommt. Wer wie ich 24 lange ignoriert hat, sollte das auf jeden Fall nochmal überdenken.

12 Mar 2009 Und wieder 10 Euro gespart

Ich gehe ja, obschon ich mich durchaus als Cineast bzw. meinetwegen „Film-Junkie“ bezeichnen würde, nicht mehr ins Kino. Es ist mir zu teuer, nahezu jeder Film kommt zeitnah auf DVD raus, zu Hause kann ich rauchen und muss keine Spacken in der Reihe hinter mir ertragen. Zudem haben Kinos zu den Uhrzeiten, zu welchen ich üblicherweise Filme gucke, längst geschlossen.

Nach der gestrigen Spätschicht z.B. führte ich mir den von mir lang erwarteten Baader Meinhof Komplex zu Gemüte – und war froh, das nicht im Kino getan zu haben. Was schon vorher klar war, bestätigte sich natürlich: Das grandiose Buch von Stefan Aust ist als Spielfilm unverfilmbar.

Natürlich ist der Film, speziell für Menschen mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne, nach wie vor unterhaltsam. Aber er versucht, 10 Jahre RAF in zweieinhalb Stunden Film zu verpacken. Das meines Erachtens großartige Todesspiel braucht bereits ca. 3 Stunden Gesamtlaufzeit, um nur die Schleyer-Entführung halbwegs detailliert abzudecken. Was Aust im Buch mit Leichtigkeit gelang, ist im Kinoformat schlicht nicht umzusetzen.

Der verfilmte Baader Meinhof Komplex galoppiert in hektisch geschnittener Mischung aus Spielfilmelementen und Zeitdokumenten durch 10 Jahre und verbrennt unterwegs einen Haufen prominenter Gesichter, von denen kaum eines dazu kommt, seine Rolle wirklich darzustellen. Ehrlich gesagt bezweifele ich bei einigen Schauspielern, dass sie ihren Text überhaupt lernen mussten.

Natürlich gilt, was schon Anke damalstm nach dem Kinobesuch anmerkte: Eigentlich müsste dieser Film 8 oder mehr Stunden dauern. Das wäre ein Format, welches schon als Miniserie im deutschen Fernsehen bedenklich lang wäre. Ohnehin erzählt dieser Kinofilm eine Geschichte, welche durch Dokumentationen und Fernsehen längst zur Genüge erzählt war. Schade drum.

10 Mar 2009 Der Dank des Tages geht an: Robert

Robert hat sich quasi in Co-Abhängigkeit begeben und meiner – viel zu spät entdeckten – 24-Sucht weiteres Futter in Form des Box-Sets von Staffel 4 zukommen lassen.

Beweisbild

Besonders lustig aber: Robert hatte dieses, genauer: ein Präsent per E-Mail bereits angekündigt, woraufhin ich mir Entsprechendes zusammenreimte, in leichtes pawlow'sches Sabbern ausbrach und schätzte, dass das Paket wahrscheinlich am heutigen Dienstag ankommen würde.

Man stelle sich bitte mein WTF-Gesicht vor, als ca. 30 Sekunden nach dem entsprechenden Tweet (siehe links) tatsächlich der Paketonkel klingelte …