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19 Nov 2008 Der Tod des Albums

Wahrscheinlich kein revolutionärer Gedanke, aber mir fiel gestern auf, dass das Album als musikalische Einheit und Gesamtkunstwerk eigentlich mausetot ist.

In Zeiten von Filesharing und iTunes, von mobilen Mediaplayern und stationären mp3-Jukeboxen ist es uns quasi möglich, immer und überall genau den Song zu hören, nach dem uns gerade ist. Was grundsätzlich gut so ist. Aber: Im Zeitalter von Ripping und Skipping, wer hört da noch ein komplettes Album vom ersten bis zum letzten Ton? Es ist viel mehr 2008, auf »intelligente« Playlisten und Random Play zu setzen. Meiner neuer Mediaplayer hat dafür gar eine eigene Unterfunktion, welche sich tatsächlich »DJ« nennt.

Und selbst diesem DJ kann ich in seinen Alukoffer voller Tonträger reinquatschen, indem ich meine tragbare Abspielstation nur mit dem betanke, was ich wirklich mag. Ich muss nicht mehr zum DJ-Pult marschieren und Wünsche erbetteln. Wenn ich den langweiligen Filler, der als zehnter Track ein Album abschließt, überflüssig finde, muss ich nicht mehr den Tonarm eines Plattenspielers anheben – ich drücke einfach »skip«. Die KDE-Jukebox amaroK würde das als Hinweis deuten, dass mir der Song nicht gefällt und ihn zukünftig seltener in Playlisten packen.

Grundsätzlich ist auch das erstmal gut – wir hören nur noch die Musik, die uns wirklich berührt. Was aber ist mit diesen zunächst unauffälligen Stücken, die man zehnmal hören muss, ehe sie sich schließlich doch unauslöschbar, unskipbar ins Hirn fressen? Was wird aus den Gesamtkunstwerken, die sich über die volle Dauer eines Albums spannen?

14 Nov 2008 Twitter-Befürchtung erfüllt sich

Als ich anfing zu twittern, schwante mir bereits, was sich voll bewahrheitet hat: Ich blogge weniger, seit ich twittere.

In den Twitterfeed wandert viel Kleinkram, der sonst ins Blog ging: Wasserstands- und Befindlichkeitsmeldungen, zum Teil auch Dinge, die vorher nicht gebloggt worden wären, weil sie schlicht zu kurz und/oder nebensächlich für einen Blogeintrag waren. Man kann also nicht sagen, dass Twitter das Blog ersetzt, es ist eher eine (in meinen Augen sinnvolle) Ergänzung.

30 Oct 2008 Über den Reiz, die Lernkurve zu meistern

Seit gut zwei Jahren nun nehmen mein Spielpartner und ich etwa einmal wöchentlich circa zwei Stunden lang Lektionen in Demut – wir ziehen mit schwerem Gerät in die nahe gelegene Zockbude und blamieren uns am Snooker-Tisch.

Die Lernkurve ist nach wie vor höchst steil, zumindest was den zählbaren Erfolg angeht. In Sachen Spiel sind durchaus Fortschritte zu erkennen, keine Frage: Es gelingen mittlerweile Anstöße, die nicht den kompletten Tisch in ein Durcheinander aus bunten Kugeln verwandeln. Mitunter ist nicht nur knackiges Safety-Spiel möglich, es bleiben dabei sogar die »kleinen« Farben auf den Spots. Selbst das Spiel mit Wirkung und Hilfsqueues ist halbwegs unter Kontrolle.

Was aber die Breaks angeht, gibt es nach wie vor keinen Grund, größenwahnsinnig zu werden: Auch nach zwei Jahren stetiger Entwicklung ist noch keinem Beteiligten ein Break von 20 oder mehr Punkten gelungen. Fünfzehn, in welcher Form auch immer erzielt, ist nach wie vor ein ziemlich guter Wert an diesem Tisch.

Woran liegt das? Breakbuilding erfordert neben Lochsicherheit auch Positionsspiel. Positionsspiel erfordert neben Spielverständnis auch vorausschauendes Spiel, und für vorausschauendes Spiel muss man nicht nur die Wirkungen beherrschen, sondern auch die Ballphysik verstehen. Keine dieser Disziplinen ist für sich genommen zu schwer, es ist vielmehr die Summe aus allen, die die steile Lernkurve bei diesem Sport ausmacht – und damit auch den Reiz, auch wenn es mitunter frustrierend sein kann.

06 Oct 2008 I love it

Die Entscheidung ist also gefallen, DVDs werden ab sofort bei lovefilm.de geliehen. Unschön ist an denen eigentlich nur eines – das analoge Flatrate-Paket ist bei denen etwas teurer als bei Amango. Ansonsten ist fast alles gleich und vieles besser, z.B. die Auswahl oder die Tatsache, dass man den in der Wunschliste befindlichen DVDs Prioritäten zuweisen kann. Mehr kann vielleicht die Langzeiterfahrung belegen, aber für den Moment kann ich diesen Online-Verleih nur wärmstens weiter empfehlen – und nein, die geben mir nix dafür ;-)

22 Sep 2008 Horses

Beim grandiosen Album Horses von Patti Smith bin ich mir ja immer nicht sicher, ob es so viele Menschen kennen, wie es kennen sollte. Was für eine großartige Platte!

Ein perfekt ausgeklügelter Spannungsbogen: Sie eröffnet mit einer der besten Zeilen, mit der ein Album je begonnen hat (»Jesus died for somebody's sins, but not mine«) in den jammigen, zurückgelehnten Rotz von Gloria. Kurze Abkühlung im entspannten Reggae Redondo Beach, es folgt Birdland, ein Neun-Minuten-Monster, das sich aus scheinbar belanglosem Klaviergeklimper in einen Rausch steigert. Keine Schonung, es folgt der heimliche Anfix-Song des Albums: Free Money, ein Ritt auf einem wilden Pferd, der Drummern den Schweiß auf die Stirn treibt. Kimberly ist Blondie pur, nur früher. Break It Up, theatralisches Drama in einen Song gegossen, ehe wir zu dem Song des Albums kommen: Land (Horses – Land Of A Thousand Dances – La Mer (De)). The essence of Patti. Treibender Einstieg in noch so ein Neun-Minuten-Monster. Packend. Elegie schließlich beweint das Ende des Album, möchte man meinen.

Acht Songs (die CD-Neuauflage hat zusätzlich ein My Generation-Cover an Bord), lausige 43 Minuten insgesamt; länger war ein Album 1975 nicht. Muss(te) es auch nicht sein. Wer diese Platte nicht hat, dem fehlt etwas.