Artikel mit Tag taxi

18 Apr 2010 Blindflug ohne Sicherheitsnetz

Ich habe mein Kellnerportemonnaie ausgeleert, die fest einprogrammierten Weckereinträge im Handy für Samstag morgen gelöscht und zum letzten Mal mit dem Steuerbüro meiner Chefin telefoniert.

Will sagen: Etwas überraschend (und schneller als erhofft) habe ich am Samstag meine definitiv letzte Schicht im Taxi gemacht. Begünstigt und beschleunigt durch eine Umstrukturierung des Dienstplans in der Firma, auch – aber nicht nur – motiviert durch großartige private Veränderungen und letzten Endes auch, weil es einfach Zeit wurde.

Was nun passiert? Das verrate ich gelegentlich (für die Leser, die es noch nicht wissen) nochmal in einem seperaten Eintrag.

Für den Moment bin ich sehr, sehr froh, die gerade in letzter Zeit doch sehr nervenaufreibende und stressige Fahrerei vom Hals zu haben, freue mich darauf, wieder ein Wochenende zu haben und darauf, auch mal „einfach so“ wegfahren zu können, ohne es 6 Wochen vorher anmelden zu müssen.

(Und ja, mir ist manchmal auch ein ganz kleines bisschen mulmig dabei. Aber das macht nichts – who dares wins, right?)

01 Feb 2010 Und wer macht jetzt meine Urlaubsvertretung?

Ist mir, offen gesagt, wumpe. Ich habe letztes und auch schon dieses Jahr so oft für urlaubende Kollegen einspringen müssen – jetzt müssen die mal zusehen, wie sie klar kommen. Ich schalte jetzt 13 Tage lang keinen Taxameter ein. Auch rein wettermäßig ein echt gutes Timing.

27 Dez 2009 Zwölf mal zwölf - und nun?

Wie man im Archiv sehen kann, war das Jahr 2009 in diesem Blog eine Art Experiment. 12 Monate mit jeweils genau 12 Einträgen, was mir im Vorjahr mitunter schon schwer gefallen war. Auch „Zwölf mal zwölf“ war mitunter schwierig. Teils fehlten einfach die Themen, teils die Zeit. In Zukunft wird mich sowas nicht mehr interessieren – ab 2010 wird hier in jedem Fall nur noch nach Laune gebloggt.

Die Schwierigkeit liegt in erster Linie darin, dass dieses Blog von Anfang an ein kruder, kunterbunter Themenmix war und noch ist – allerdings haben sich die Themen teilweise ausgelagert. Kurzes landet nun auf twitter, Snooker im Snookerblog. Andere Themen wie Fußball oder Linux stagnieren deutlich und sind (für mich) teilweise weniger interessant, teilweise von anderen Blogs bereits und besser abgedeckt. Es bleiben Privatkram, Taxi-Anekdoten und Fachliches, vor allem zu s9y, und da geht es schon weiter: Fachbeiträge sollen zumindest zum Teil rüber zu den Webkrauts, zudem weiß ich, dass weite Teile der Leserschaft sich nicht wirklich für s9y erwärmen können und von den mitunter ellenlangen Einträgen ein bißchen genervt sind.

Ich brüte noch darüber, wie ich das in Zukunft löse. Ein Ansatz wäre z.B., dieses Blog nur noch für Fachliches und s9y zu nutzen und den anderen Kram in ein posterous-Blog o.ä. auszulagern. Andererseits fand und finde ich solche „Fertigblogs“ immer irgendwie doof.

Wie seht Ihr das denn eigentlich? Alles so lassen, wie es ist? Klarere Trennung der Inhalte? Uns doch egal – mach, wie Du denkst?

21 Nov 2009 Karen Duve: »Taxi«

Dieses Buch wollte ich eigentlich schreiben.

Karen Duve erzählt, wie es ist in der Mietkraftdroschke. Sie verpackt es in die Geschichte einer jungen Fahrerin in den 80er und 90er Jahren in Hamburg, aber auf das Wesentliche reduziert kann ich die Frage von Daniela via twitter mit einem klaren „Ja“ beantworten – so, wie Karen Duve es beschreibt, ist es. Wirklich.

Ich kann ansonsten kein Urteil im „gut/schlecht“-Sinne über dieses Buch abgeben, dafür bin ich wohl „zu nah dran“. Komisch (wie der Klappentext) kann ich es nicht finden. Es ist lakonisch, melancholisch und erschreckend wahr.

(Oh, und nochmal ein dickes „Dankeschön!“ an Garvin.)

19 Nov 2009 Mein Kunde schickt mich, ich soll Pfand abgeben

Ich hab echt schon Einiges erlebt im Taxi, keine Frage. Wundern ist ohnehin das Erste, was man sich in der Droschke abgewöhnt. Die nächste Stufe ist dann die Annahme, es können einen nichts mehr überraschen. Aber irgendwie schaffen sie es dann doch immer wieder …

„Bringtouren“ sind in einem Gewerbe, das direkt und indirekt von der Rezession betroffen ist, heute absolut üblich, aber nicht immer bei den Fahrern beliebt. Was einmal mit „Hol mich mal zu Hause ab, und kannst Du mir vielleicht schon mal Zigaretten mitbringen? Ihr steht doch am Bahnhof.“ anfing, hat sich so weit ausgebreitet, das an manchen Abenden mindestens ein Drittel der Fahrten die sind, die im offiziellen Jargon des Gewerbes „Kurierfahrten“ heißen – wobei ich für meinen Teil mich ja weigere, eine Kiste Billigstbier als „Kurierfahrt“ anzusehen. Egal.

Gerade hier auf dem Dorf, wo angeblich jeder jeden kennt, ist es auch nicht selten, dass Leute anfragen, ob sie eine Fahrt anschreiben lassen können. Wir sind zwar keine Bank, aber wenn derjenige halbwegs zeitig zahlt, ohne dass man hinterher rennen muss, wird das normalerweise auch durchgewunken. Alles kein Akt.

Aber dass jemand sich eine Kiste Billigstbier bringen lässt (und zwar nicht „mal eben um die Ecke“, sondern ein Dorf weiter!), den Fahrtpreis anschreiben lässt und dann die Kiste mit vier leeren Kisten „bezahlt“ („Gibste halt Pfand ab, der Rest is für Dich.“) – das habe ich auch noch nicht erlebt …

(Fairerweise muss man sagen: Der „Rest“ war nicht wenig Trinkgeld für mich. Dafür hatte ich auch den Ärger damit. Und ja, er hat beim Kollegen in der Tagschicht, der die Fahrt angenommen hat, gefragt, ob das okay ist; man müsste also normalerweise dem betreffenden Kollegen die Hammelbeine lang ziehen, dass er sowas überhaupt annimmt. Aber trotzdem … auf Ideen kommen die Leute.)