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14 Aug 2008 The new spam: BL-Tippspiele

Anscheinend jeder tippt anscheinend jedes Jahr die Ergebnisse der Fußball-Bundesliga in irgendwelchen via Netz organisierten Tippspielen und lädt mich via Email dazu ein. Manche Leute bereits seit Jahren.

Spart's Euch. Ich mache keine Tippspiele, weil ich spätestens am 4. Spieltag vergesse, meinen Tipp abzugeben (oder einfach nicht dazu komme) und dann endgültig raus bin aus der Wertung.

Außerdem ist da immer mindestens ein Seppel dabei, der entweder mit einem perversen System (»Ich tipp immer alles 1:1. Woher die Punkte kommen, weiß ich auch nicht.«) oder ohne jeglichen Sachverstand (»Ich hab ja eigentlich keine Ahnung von Fußball, ich geb da einfach meine Lottozahlen ein.«) einen der ersten drei Plätze belegt. Tippspiele sind irgendwie für die Füße.

30 Jun 2008 Gestern, kurz nach Abpfiff

Gegen zehn vor elf: Einsetzender Straßenverkehr nach etwa 90 Minuten absoluter Stille. Kein Hupen, zum ersten Mal seit 3 Wochen weht vom örtlichen Marktplatz kein Gejohle herüber.

Dem gemeinen Public Viewer mit Fahne am Autofenster fällt scheinbar schwer, anzuerkennen, was offensichtlich war: Die Zeiten, in denen »über den Kampf zum Spiel finden« ein probates Mittel war, an dem man sich in dunklen Momenten festhalten konnte, sind endgültig vorbei. Rein über die »deutschen Tugenden« gewinnt man nix mehr, das können auch Delling und Netzer nicht mehr schönreden.

Es bleibt natürlich abzuwarten, wie diese spanische Mannschaft es verdauen wird, dass ihr Verband ihren Erfolgstrainer, der sie über nahezu zwei ungeschlagene Jahre betreut hat, vergrault hat – aber ansonsten ist sie auf Sicht das Maß der Dinge. Sicher, auch Holland, Russland und mit Einschränkungen die deutsche Elf haben bei der EM 2008 tollen Offensivfußball gezeigt, aber kein Team konnte letztlich über das gesamte Turnier Spanien das Wasser reichen. Technisch wie taktisch perfekt geschult, eingespielt, ballsicher und schnell.

Und ich könnte wetten, in Barcelona (Xavi) und Liverpool (Torres) geht gerade das Faxpapier zur Neige …

25 Jun 2008 Vor dem Spiel

Du hast definitiv zu oft die Berichterstattung vor den Spielen der EURO 2008 gesehen, wenn Du am hellichten Tag so in der Gegend herumsitzt (anderswo nennt man das wohl »arbeiten«) und denkst, die Spatzen würden Seven Nation Army pfeifen.

13 Jun 2008 Neun Zerstörer

Ein eminent wichtiger Spielertyp im modernen Fußball ist der sogenannte »Zerstörer« – ein kampf- und defensivstarker Mittelfeldspieler, dessen eigentlich primäre und leider meist einzige Aufgabe es ist, das gegnerische Aufbauspiel im Mittelfeld bisweilen auch mit robustem Einsatz des eigenen Körpers im Keime zu unterbinden. Quasi eine Kreuzung aus Pitbull und Libero in Zeiten der Raumdeckung.

Etwas versiertere Exemplare dieser Spezies wie etwa Torsten Frings können dabei nicht nur beißen, sondern gelegentlich auch mal einen gepflegten Pass spielen, ohne sich gleich eine Zerrung einzuhandeln. Prototypische Exemplare hingegen wissen nicht einmal, was eine Zerrung ist, geschweige denn ein gepflegter Pass. Von dieser Sorte haben kroatische Nationalmannschaften üblicherweise neun, ergänzt um einen Torwart und einen eher schmal und klein gewachsenen Spielmacher. Beide haben vermutlich italienische Vorfahren, man weiss es nicht.

12 Jun 2008 Unglaublich: Die Kunst des Stephen Wiltshire

Die bessere Hälfte sieht nicht gerne Fussball, insofern ist der gemeinsame EM-Kompromiss, zwar die deutschen Begegnungen, aber nicht jedes Spiel zu gucken. Gut so, denn ansonsten hätte ich gestern den mittleren Teil von Expedition ins Gehirn auf 3sat verpasst. Die dreiteilige Dokumentation befasst sich unter anderem mit Savants – Menschen, die aufgrund einer kognitiven Behinderung, oft Autismus oder Asperger-Syndrom, über herausragende Fähigkeiten und Kreativität in einer sogenannten Inselbegabung verfügen. (Ja, so wie Dustin Hoffman in Rain Man; das wäre ein Beispiel für einen mathematischen Savant.)

Einer dieser Menschen ist Stephen Wiltshire – »die menschliche Kamera«. Er ist aufgrund seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten in der Lage, ein Bild nach einmaligem(!) Betrachten perspektivisch korrekt und bis in kleinste Feinheiten detailgetreu nachzuzeichnen, beispielhaft illustriert an einer atemberaubenden Panorama-Zeichnung Roms, welche er nach einem Helikopter-Rundflug aus dem Gedächtnis in drei Tagen nachzeichnete.

Definitiv einen Besuch wert ist auch die Bildergallerie auf seiner Webseite. Und immer daran denken: Das ist alles aus dem Gedächtnis nachgezeichnet …