Entries tagged as snooker

18 Jan 2008 Der rätselhafte Stephen Lee

»Rätselhaft« ist für meine Begriffe das beste Wort, um Stephen Lee mit nur einem solchen zu beschreiben. Auf dem Papier müsste Lee längst weit mehr als vier Siege bei Ranglistenturnieren haben, ebenso müsste sein höchstes Break bei einem Ranglistenturnier ein Maximum (und keine 144) sein und vor allem müsste er deutlich besser da stehen als Platz 13 in der offiziellen Rangliste (Provisional: derzeit Platz 25).

Lee ist, so unsympathisch er ansonsten für meinen Geschmack auch rüberkommt, eine Augenweide für Snooker-Fans. Technisch brillant, mit einer der saubersten – wenn nicht der saubersten – Stoßtechnik auf der Main Tour. Stephen Lee kann Dinge mit dem Spielball anstellen, die andere nicht können, was auf eben diese technisch sehr saubere »cue action« zurückzuführen ist. (Man munkelt, dass er zudem durch sein, ähm, ausuferndes Körpergewicht einen verlagerten Schwerpunkt und damit einen besonders ruhigen Stand am Tisch habe. Sollte das stimmen, weiß ich, warum Mark Williams im Provisional Ranking so weit abgerutscht ist …)

Was ihm offensichtlich aber zumindest phasenweise abgeht ist die mentale Verfassung, die mindestens ebenso wichtig für erfolgreiches Snooker-Spiel ist. Mittwoch gegen Graeme Dott und heute nachmittag gegen Peter Ebdon hatte er diese Verfassung scheinbar, aber anders ist es für meine Begriffe nicht zu erklären, dass der hochtalentierte Lee in 15 Jahren auf der Main Tour noch nicht Weltmeister geworden ist …

(Mindestens ebenso faszinierend ist die frappierende Ähnlichkeit in Spiel und Erscheinungsbild zwischen Lee und Shaun Murphy, letzterer allerdings ist bereits Weltmeister.)

16 Jan 2008 Drittelbeleuchtung

Normalerweise, wenn mein Snookerpartner und ich am Tisch im Dunkeln tappen, liegt das an unserem nach wie vor eher bescheidenen Können. Nicht so gestern.

Die riesige Spielfläche eines Snookertischs im Turnierformat (3,66 x 1,75 Meter) wird üblicherweise von einer großen Lampe ausgeleuchtet, in der in unserem Fall drei Lampen stecken, welche dafür sorgen, dass der Tisch gleichmäßig und schattenfrei ausgeleuchtet wird. Wie wichtig das letztlich ist, wird einem erst so richtig bewußt, wenn von diesen drei Lampen zwei kaputt sind – man sitzt mehr oder wenig im Dunkeln, und von schattenfrei kann auch keine Rede mehr sein. Beides irritiert merklich.

Da lampenmäßig Ebbe in der Spielhalle herrschte, haben wir kurzentschlossen die letzte funktionierende Lampe in die mittlere Fassung gedreht und dennoch gespielt – netterweise komplett kostenlos über die vollen zwei Stunden, die wir jeden Montag oder Dienstag spielen. Grubenlampen wären trotzdem hilfreich gewesen …

15 Jan 2008 Junioren-Masters

Ronnie O'Sullivan raus gegen Stephen Maguire, Stephen Hendry raus gegen Mark Selby, Steve Davis raus gegen Marco Fu, Jimmy White oder Mark Williams gar nicht erst eingeladen. Verliert Ken Doherty heute gegen Mark Allen, ist Peter Ebdon, der gestern Ryan Day bezwingen konnte, (bislang; John Higgins hat noch nicht ins Turnier eingegriffen) der einzige aus der »alten Garde«, der die erste Runde beim diesjährigen Masters überstehen konnte.

Dieser Trend setzt sich fort, wenn man mal das Provisional Ranking betrachtet – dort stehen derzeit nur 3 ältere Spieler, die in der laufenden Saison bereits mehr als 7.000 Punkte sammeln konnten: O'Sullivan, Ebdon und Joe Perry. Spieler wie Stephen Lee, Davis, Anthony Hamilton, Williams oder John Parrott sind im Provisional bereits weit aus den Top 16 gefallen, die lebende Legende White gar auf Platz 78 (!).

Nachtrag: Doherty ist weiter, nur natürlich nicht gegen Mark Allen, sondern gegen Mark Williams, insofern also nicht gegen einen »Junioren«. 'schuldigung.

14 Jan 2008 Masters-Aus für O'Sullivan

Das Einladungsturnier The Masters, bei dem traditonell die Top 16 der Snooker-Weltrangliste aufeinander treffen, ist eigentlich schon gelaufen. Lokalmatador Ronnie O'Sullivan schied gestern in einer Neuauflage des Finales der UK Championship knapp mit 5-6 gegen Stephen Maguire aus. Bemerkenswert, da O'Sullivan im entscheidenden Frame bereits wie der sichere Sieger aussah, dann jedoch eine relativ leichte Blaue verschoss und Maguire so noch die Chance auf den Sieg vorlegte.

Classic Ronnie – alles kann passieren, sowohl positiv wie negativ. Das Publikum im Wembley wird es traurig stimmen, ist es doch dafür bekannt, stets Lokalmatadore aus dem Londoner Raum als Sieger sehen zu wollen. O'Sullivan hat diese Rolle als Publikumsliebling nun endgültig von Jimmy White übernommen, der mittlerweile in Rangliste und Leistung so weit abgefallen ist, dass er nicht einmal mehr über eine Wildcard zum Masters gelangt.

09 Jan 2008 Trickshot

Es gibt Momente am Snooker-Tisch, da fragt man sich: »Wo ist eigentlich die versteckte Kamera, wenn man sie mal braucht?« Gestern abend ist mir – zugegebenermaßen ohne großartige Absicht – ein sagenhafter Trickshot gelungen, der gleichzeitig eine Regelfrage aufwarf.

Die Situation: Eine Rote vor der linken Fußtasche soll gelocht werden (die Fußbande ist die, in deren Nähe Schwarz aufgesetzt wird), weiß liegt nahezu an der Kopfbande (das ist natürlich die, in deren Nähe angestoßen wird und wo die kleinen Farben aufgesetzt werden), ergo ist eine gewisse Kraft notwendig. Durch diese Kraft (zuviel, wie so oft) geht Rot aber nicht in die Tasche, sondern »klettert« an dieser auf die Band empor, rollt von dort (vermutlich durch den mitgegebenen Drall) die Fußbande entlang und fällt schließlich in die rechte Fußtasche. Weiß bleibt dabei auf dem Tisch.

Ein irrer Stoß, aber regelkonform?

Ja – richtig ist zwar: Eine Kugel, welche die Spielfläche verläßt, gilt als Foulspiel, aber nur, wenn diese Kugel außerhalb der Spielfläche zum Stillstand kommt. Verläßt ein Ball die Spielfläche, kommt jedoch innerhalb dieser zum Stillstand, ist es ein gültiger Stoß.

Und mein Spielpartner schuldet mir morgen abend das eine oder andere Bierchen.