Artikel mit Tag rant

10 Okt 2010 OS-Extremismus

Etwas, das mich schon unglaublich lange stört, ist Betriebssystem-Extremismus bzw. das Bedürfnis, sich für sein OS zu entschuldigen – insbesondere, aber nicht nur von Neulingen in Linux-Foren und auf Mailinglisten. Da ist dann die Rede von „Windoofs“, das man ja noch benutzen müsse, weil man auf Anwendung XY angewiesen sei, für die leider, leider kein passender Ersatz verfügbar sei.

Liebe Leute, es gibt – grob gesagt – drei verbreitete Betriebssysteme auf dem Markt: Windows, Unix/Linux-artige und Mac OSX (was letztlich auch Unix-basiert ist, aber lassen wir das). Alle haben Vor- und Nachteile, Tücken und Macken und Einsatzgebiete, für die sie besser und schlechter geeignet sind. Zumindest auf Anwenderebene ist keines von ihnen „besser oder schlechter“ per se. (Aus Sicht der Systemarchitektur oder Implementation mag man darüber eher streiten können, aber diese Sicht interessiert mich als Anwender herzlich wenig.)

Benutzt das, womit Ihr arbeiten könnt, für das, was Ihr damit machen wollt, und hört vor allem auf, Euch dafür zu entschuldigen.

Ich für meinen Teil benutze (Ubuntu) Linux und Windows (7), und ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass sich eines Tages Mac OS hinzu gesellen wird. Warum auch nicht? Vielfalt ist toll.

13 Dez 2009 Liebe Radiosender!

Eure mit dem Reimwörterbuch deutsch bedichteten, bestenfalls aushaltbar gesungenen, billig produzierten, auf Weihnachten getrimmten Coverversionen von ehrwürdigen Rock-Klassikern, die Ihr für „immer noch besser als »Last Christmas« …“ halten mögt, will wirklich niemand hören.

Spielt doch einfach Musik. Das wäre nett.

19 Nov 2009 Mein Kunde schickt mich, ich soll Pfand abgeben

Ich hab echt schon Einiges erlebt im Taxi, keine Frage. Wundern ist ohnehin das Erste, was man sich in der Droschke abgewöhnt. Die nächste Stufe ist dann die Annahme, es können einen nichts mehr überraschen. Aber irgendwie schaffen sie es dann doch immer wieder …

„Bringtouren“ sind in einem Gewerbe, das direkt und indirekt von der Rezession betroffen ist, heute absolut üblich, aber nicht immer bei den Fahrern beliebt. Was einmal mit „Hol mich mal zu Hause ab, und kannst Du mir vielleicht schon mal Zigaretten mitbringen? Ihr steht doch am Bahnhof.“ anfing, hat sich so weit ausgebreitet, das an manchen Abenden mindestens ein Drittel der Fahrten die sind, die im offiziellen Jargon des Gewerbes „Kurierfahrten“ heißen – wobei ich für meinen Teil mich ja weigere, eine Kiste Billigstbier als „Kurierfahrt“ anzusehen. Egal.

Gerade hier auf dem Dorf, wo angeblich jeder jeden kennt, ist es auch nicht selten, dass Leute anfragen, ob sie eine Fahrt anschreiben lassen können. Wir sind zwar keine Bank, aber wenn derjenige halbwegs zeitig zahlt, ohne dass man hinterher rennen muss, wird das normalerweise auch durchgewunken. Alles kein Akt.

Aber dass jemand sich eine Kiste Billigstbier bringen lässt (und zwar nicht „mal eben um die Ecke“, sondern ein Dorf weiter!), den Fahrtpreis anschreiben lässt und dann die Kiste mit vier leeren Kisten „bezahlt“ („Gibste halt Pfand ab, der Rest is für Dich.“) – das habe ich auch noch nicht erlebt …

(Fairerweise muss man sagen: Der „Rest“ war nicht wenig Trinkgeld für mich. Dafür hatte ich auch den Ärger damit. Und ja, er hat beim Kollegen in der Tagschicht, der die Fahrt angenommen hat, gefragt, ob das okay ist; man müsste also normalerweise dem betreffenden Kollegen die Hammelbeine lang ziehen, dass er sowas überhaupt annimmt. Aber trotzdem … auf Ideen kommen die Leute.)

17 Nov 2009 Murphy meets Shopping

Ich bin bekanntlich etwas, nun ja, „schwierig“, was Shopping angeht. Einkaufen, also das, was man so mehr oder weniger jeden Tag braucht, hab ich drauf. Kein Ding. Shopping, also beispielsweise wie gestern Klamotten kaufen, hasse ich wie die Pest. Stundenlang rumsuchen, womöglich anprobieren (immer; egal, was es ist – wenn ich es tragen soll, muss es, speziell in diesen Zeiten ständig mutierender Kleidergrößen, anprobiert werden), weiterlaufen, woanders suchen … bäh.

Was ich aber nicht wirklich auf dem Schirm hatte, waren die potenziellen Schwierigkeiten, wenn es darum geht, so etwas Profanes wie ein Portemonnaie zu kaufen. Mein altes hing gleich an diversen seidenen Fäden. Ich bin da nicht sehr wählerisch – schnödes, vorzugsweise schwarzes Leder, fertig. Ist nicht weiter schwierig, sollte man meinen – zumal in einem relativ großen Einkaufszentrum in der Welthauptstadt des Marzipans. Pustekuchen. Nix zu wollen, weit und breit keine Geldbörsen in Sicht, sieht man mal von indiskutablen Ünwürdigkeiten wie etwa Diddl-Geldbeuteln ab.

In leicht verstörter Ungläubigkeit durchforstete ich schließlich das namensgebende Herzstück dieses speziellen Konsumtempels – eine weitläufig angelegte Ausgabe eines Großmarktes. Aber auch da: Fehlanzeige. Eine von Handtaschen und ähnlichem Gelump umzingelte Verkäuferin zeigte schließlich auf zwei Grabbelkisten in der Größe eines Schuhkartons und verwies ansonsten auf die in den Markt integrierte Abteilung einer ehemals für den Verkauf von Kaffee berüchtigten Ladenkette.

Hier greift aber natürlich die spezielle Murphy-Regel des Sonderposten-Handels: Wenn man etwas braucht, haben sie es gerade nicht. Sie haben es nur, wenn man es nicht braucht. Teelichtgebimsel, Damenunterwäsche, Taschenöfen, sogar Kaffee wäre ausnahmsweise im Angebot gewesen. Geldbörsen? Not a fighting chance.

(Ich bin dann später in einem Kaufhaus hier im Kaff fündig geworden. Heruntergesetzt. Die wollen sich vermutlich der Marktlage anpassen und auch keine Geldbeutel mehr vorrätig haben.)

26 Sep 2009 Hauptsache gesund!

Ich erwähnte ja bereits, dass ich für die Verlängerung der „gelben Pappe“ neuerdings nicht mehr zum lokalen Gesundheitsamt, sondern zum Amtsärztlichen Zentrum Lübeck muss. Die Firma ist in der Berufsgenossenschaft, die Berufsgenossenschaft zahlt, everybody wins.

Nun ja, bis auf mich, der ich dafür zweimal zu – in my book zumindest – absoluten Unzeiten nach Lübeck juckeln durfte. Das ergibt knapp vier Stunden Rumeiern für tutti kompletti gerade einmal 50 Minuten konkrete Untersuchung – zieht man den nervtötenden Smalltalk des oberanstrengenden Amtsarztes am Freitag ab, bleiben maximal 40 Minuten übrig.

Was wird bei so einer Untersuchung mit einem gemacht? Beim ersten Termin (Mitarbeiterin statt Arzt):

  • Urinprobe (in einem Klo ohne Licht eine relativ gewagte Aktion, darf ich sagen)
  • Sehtest inklusive Test auf Farbenblindheit
  • Gesichtsfeldmessung
  • Hörtest
  • wiegen (weil ich keine Waage besitze, ansonsten hätte man mir blind geglaubt), Puls und Blutdruck messen

Beim zweiten Termin (Arzt) wird dann abgehorcht und abgeklopft (inklusive Reflexe), nach dem Verschleiß an Zigaretten gefragt und der Alkoholkonsum geflissentlich übergangen. Offensichtlich sehe ich nicht aus wie ein Quartalssäufer. Ganz richtig, sonst nix weiter – außer einer Menge belanglosem Gelaber.

Erkenntnis: Ich sehe im Rahmen meiner bebrillten Möglichkeiten unverändert gut bzw. schlecht, bin nicht farbenblind und habe ein normales Gesichtsfeld, bin trotz jugendlichen Discobesuchen, jahrelangem Kopfhörermissbrauch und wöchentlicher Bandprobe nicht schwerhörig, habe zu meiner großen Verwunderung abgenommen, einen völlig normalen Blutdruck und anscheinend selbst in nervender Umgebung den Ruhepuls eines sedierten Kaninchens. Mit einem Wort: Gesund. Keine Sau interessiert sich für den ellenlangen Fragebogen, den ich ausfüllen musste, abgesehen davon, dass sie gerade so eben noch merken, dass sie meine Hausnummer verkehrt gelesen haben.

Und dann, gaaanz zum Schluss, erzählt mir dieser Hektiker doch tatsächlich, er wundere sich irgendwie, wieso ich in meinem Alter diesen Test überhaupt machen müsse – seines Wissens sei der erst ab fünfzig Jahren notwendig … ich weiß nicht, ob das stimmt (bislang musste ich bei jeder Verlängerung einen machen), aber wenn … ARGH!!1einself