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06 May 2008 Da möchte man sich direkt melden

Gerade im ultimo gelesen:

Gitarrist/in gesucht […] wollen Cover u. eigene Songs spielen, von Punk bis alte Klassiker. Hauptsache Spaß. Keine Cowboystiefel. […]

(Aber ich bin ja maximal Behelfsgitarrist und habe zudem eine Band.)

14 Apr 2008 myspace-Tipp: Kain

Richtig guten Gitarrenrock mit dreckig dahingerotzten deutschen Texten machen Kain aus Berlin. Auf ihrer myspace-Seite kann man fünf Songs in wunderschön schlichten Unplugged-Versionen lauschen, aufgenommen als H-Blockx-Support in Mannheim.

(Was mich sogar dazu bewegt hat, mir noch einen weiteren Account ans Bein zu binden, um die Songschönheiten auch mit mir herumtragen zu können.)

03 Apr 2008 Kai Havaii: »Hart wie Marmelade«

Kai Havaii war Sänger bei Extrabreit, die ich bis heute für einen der besseren Auswürfe der Neuen Deutschen Welle halte. Sein »Rock 'n' Roll-Roman aus der Provinz« unterscheidet sich in Machart, Absicht und Substanz im Grunde nicht wesentlich von Rocko Schamonis »Dorfpunks«, und doch – irgendetwas daran fasziniert. Es muss dasselbe sein, was an Extrabreits Stücken fasziniert: Unter der flippigen Schale des Anarcho-Spaß-Punks steckt ein sensibler und schlauer Kopf. Einer, der viele Dummheiten gemacht, aber überlebt hat.

05 Mar 2008 The Ghosts Of Trent Reznor

Ghosts I

Sollte es jemand noch nicht mitbekommen haben: Das neue Album der Nine Inch Nails gibt es zumindest teilweise für lau. Ghosts besteht aus vier, nun, sagen wir mal: Volumes von jeweils neun rein instrumentalen Stücken, die bemerkenswerterweise nicht nur von der Band höchstselbst via BitTorrent bereitgestellt wurden (was wohl letztlich auf einen hoffnungslos überlasteten Download-Server zurückzuführen ist), sondern auch noch frei verwendet werden dürfen:

We encourage you to share the music of Ghosts I with your friends, post it on your website, play it on your podcast, use it for video projects, etc. It’s licensed for all non-commercial use under Creative Commons.

(aus dem Begleittext des torrents)

(Die CC-Lizenz bezieht sich allein auf die neun Stücke von Ghosts I.)

So. Und nun atmen wir mal tief durch. Ist das wirklich ein Vertriebsmodell für die Zukunft? Künstler veröffentlichen – auf welche Art und Weise auch immer genau – ihre Musik unabhängig von Labels selbst über das Netz? Fakt ist anscheinend, dass CD-Verkäufe mal wieder erlahmen, angeblich steigen jedoch die Verkäufe von Konzerttickets ins Unermeßliche, was ich angesichts der teilweise perversen Preis kaum glauben kann. Und selbst wenn: Hat es nicht immer geheißen, Touren sei teuer und da bliebe kaum etwas übrig?

Dieses Modell mag bei Künstlern von einem gewissen Ruf funktionieren. Es mag im Moment funktionieren, da es neu ist und seitens der Netzgemeinde beklatscht wird. Ich behaupte, für kleine, noch unbekannte Bands würde es – Arctic Monkeys hin oder her – ohne den mediengestützten Werbe- und Vertriebsapparat eines Labels nicht funktionieren. Ich behaupte zudem, auf Dauer wird sich auch dieses Konzept »Basispack für lau, Deluxe Edition zum Kauf«, welches im Falle der NIN durchaus funktionieren mag, totlaufen.

Ich bin übrigens kein Fan der NIN, aber Ghosts I, speziell der erste und letzte Track, gefallen mir – und nicht nur, weil es für lau zu haben war.

21 Feb 2008 Frank Goosen: »So viel Zeit«

Fünf Typen Mitte Vierzig – ein Bauherr ohne Bauherrin, aber mit einem verbauten Einfamilienhaus; ein Vater von Zwillingen, der die Liebe seines Lebens nur noch auf dem Friedhof sehen kann; ein erfolgreicher Geschäftsmann, der sich in eine Affäre mit einer Azubine stürzt, weil ihm die Angst vor Darmkrebs den Schlaf raubt; ein gescheiterter Schriftsteller, der mit einer Studentin zusammenlebt und Pornos betextet; und ein gescheiterter Hausbesetzer, der im Geiste nie älter als 17 werden wollte, weil er so immer noch am Fleck auf seiner Vergangenheit kauen kann – tun 25 Jahre nach ihrem Abitur das, was sie schon immer hätten tun sollen: Sie gründen eine Rockband.

Mehr braucht es nicht, um mich dazu zu bringen, ein Buch von 350 Seiten nur durch gelegentliches arbeitenmüssen unterbrochen an einem Stück wegzuprügeln. Und schon habe ich wieder nix zu lesen.

»So viel Zeit« ist großartig, ehrlich und nie langweilig, stets ein wenig überraschend und dabei angenehm wenig nostalgisch. Wäre es von Nick Hornby, es wäre ein weltweiter Bestseller, und es wäre Frank Goosen zu wünschen, dass es das auch so wird.