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29 Jan 2009 Ein ziemliches Kaliber

Der lokale Radiosender delta Radio betreibt eine Plattform für Nachwuchsbands namens Indiecator, aus dem es einmal wöchentlich einen Act zur »Indiecator-Band der Woche« erklärt und mit Airplay im Radio belohnt. Üblicherweise haut mich dieser Act nicht sonderlich vom Hocker.

In dieser Woche jedoch wird diese Ehre Kaliber aus Berlin zuteil, und da kann man schon mal Werbung machen – das wummst amtlich, stilistisch grobe Peilung Linkin ParkPapa Roach mit deutschen Texten, würde ich sagen.

Hörbeispiele (MP3) gibt es sowohl im Indiecator als auch auf der Bandwebseite.

21 Jan 2009 Plug and play

Falls noch andere Elektrodeppen und Physikschwächlinge wie ich da draußen darüber nachdenken, welche Zusatzbox sie ihrem Bassverstärker zur Seite stellen könnten: Die Fragen nach Ohm, RMS, Zoll und dem anderen Quatsch beantwortet höchst praxisnah und leicht verständlich Setup Tips for Amps and Speakers von SWR-Gründer Steve Rabe höchstselbst.

(Nochmals danke an Niels!)

19 Nov 2008 Der Tod des Albums

Wahrscheinlich kein revolutionärer Gedanke, aber mir fiel gestern auf, dass das Album als musikalische Einheit und Gesamtkunstwerk eigentlich mausetot ist.

In Zeiten von Filesharing und iTunes, von mobilen Mediaplayern und stationären mp3-Jukeboxen ist es uns quasi möglich, immer und überall genau den Song zu hören, nach dem uns gerade ist. Was grundsätzlich gut so ist. Aber: Im Zeitalter von Ripping und Skipping, wer hört da noch ein komplettes Album vom ersten bis zum letzten Ton? Es ist viel mehr 2008, auf »intelligente« Playlisten und Random Play zu setzen. Meiner neuer Mediaplayer hat dafür gar eine eigene Unterfunktion, welche sich tatsächlich »DJ« nennt.

Und selbst diesem DJ kann ich in seinen Alukoffer voller Tonträger reinquatschen, indem ich meine tragbare Abspielstation nur mit dem betanke, was ich wirklich mag. Ich muss nicht mehr zum DJ-Pult marschieren und Wünsche erbetteln. Wenn ich den langweiligen Filler, der als zehnter Track ein Album abschließt, überflüssig finde, muss ich nicht mehr den Tonarm eines Plattenspielers anheben – ich drücke einfach »skip«. Die KDE-Jukebox amaroK würde das als Hinweis deuten, dass mir der Song nicht gefällt und ihn zukünftig seltener in Playlisten packen.

Grundsätzlich ist auch das erstmal gut – wir hören nur noch die Musik, die uns wirklich berührt. Was aber ist mit diesen zunächst unauffälligen Stücken, die man zehnmal hören muss, ehe sie sich schließlich doch unauslöschbar, unskipbar ins Hirn fressen? Was wird aus den Gesamtkunstwerken, die sich über die volle Dauer eines Albums spannen?

25 Sep 2008 Kennt auch keiner: Hammerbox

Wenn ich es richtig erinnere, hat Hammerbox mal ein längst verschollener Kumpel in einer Grabbelkiste in einem CD-Laden gefunden. Ein Blindkauf für kleines Geld entpuppte sich als das großartige Album Numb, welches ich – pre-Filesharing – jahrelang als abgenudeltes Tape hortete, ehe ich es digital auftreiben konnte.

Numb ist großartiger, punkiger Grunge, angetrieben von einer der schönsten Frauenstimmen überhaupt: Carrie Akre. Eine Frau, die genau die Schaufel Rotz und Dreck in der Stimme hat, die man für Rockmusik braucht. Sie kratzt, sie beißt, sie tritt um sich. Und sie macht mittlerweile Soloplatten. Wo ist meine amazon-Wunschliste?

22 Sep 2008 Horses

Beim grandiosen Album Horses von Patti Smith bin ich mir ja immer nicht sicher, ob es so viele Menschen kennen, wie es kennen sollte. Was für eine großartige Platte!

Ein perfekt ausgeklügelter Spannungsbogen: Sie eröffnet mit einer der besten Zeilen, mit der ein Album je begonnen hat (»Jesus died for somebody's sins, but not mine«) in den jammigen, zurückgelehnten Rotz von Gloria. Kurze Abkühlung im entspannten Reggae Redondo Beach, es folgt Birdland, ein Neun-Minuten-Monster, das sich aus scheinbar belanglosem Klaviergeklimper in einen Rausch steigert. Keine Schonung, es folgt der heimliche Anfix-Song des Albums: Free Money, ein Ritt auf einem wilden Pferd, der Drummern den Schweiß auf die Stirn treibt. Kimberly ist Blondie pur, nur früher. Break It Up, theatralisches Drama in einen Song gegossen, ehe wir zu dem Song des Albums kommen: Land (Horses – Land Of A Thousand Dances – La Mer (De)). The essence of Patti. Treibender Einstieg in noch so ein Neun-Minuten-Monster. Packend. Elegie schließlich beweint das Ende des Album, möchte man meinen.

Acht Songs (die CD-Neuauflage hat zusätzlich ein My Generation-Cover an Bord), lausige 43 Minuten insgesamt; länger war ein Album 1975 nicht. Muss(te) es auch nicht sein. Wer diese Platte nicht hat, dem fehlt etwas.