Artikel mit Tag music

18 Aug 2010 Zweitwohnungen

Seit ich 16 bin, hatte ich immer eine Zweitwohnung. Sie waren alle spartanisch eingerichtet und in unvorteilhafter Lage gelegen, zum Teil mit schrulligen Eigenheiten und immer mit lauten Mitbewohnern ausgestattet. Aber das war okay so – ich spiele in einer Band, meine Zweitwohnung ist ein Probenraum. (Hier sagt man „Probenraum“, anderswo „Proberaum“ und am einfachsten wäre es vermutlich, alle würden „Übungsraum“ sagen.)

Auf Wunsch einer einzelnen Dame plaudere ich dann hier darüber mal ein bisschen aus dem Nähzeug.

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04 Jan 2010 Fritz Rau: »50 Jahre Backstage«

Fritz Rau hat als Konzertveranstalter bei den ganz Großen des Blues, Jazz, Folk, Rock und überhaupt allem backstage gestanden, nationale wie internationale Acts auf deutsche Bühnen und in deutsche Stadien gebracht, das gesamte Konzertveranstaltungswesen hierzulande quasi (mit-)erfunden und geschäftlich wie kulturell durchaus innovativ gesprägt.

Zu schade, dass er sich in seinen (für meinen Geschmack etwas selbstgefälligen) Memoiren kategorisch weigert, das zu erzählen, was den Leser wirklich interessieren würde.

13 Dez 2009 Liebe Radiosender!

Eure mit dem Reimwörterbuch deutsch bedichteten, bestenfalls aushaltbar gesungenen, billig produzierten, auf Weihnachten getrimmten Coverversionen von ehrwürdigen Rock-Klassikern, die Ihr für „immer noch besser als »Last Christmas« …“ halten mögt, will wirklich niemand hören.

Spielt doch einfach Musik. Das wäre nett.

14 Nov 2009 Itchy Poopzkid: Dead Serious

Ja, ich weiß: Wie kann man sich nur so nennen? Finde ich ja auch. Doch obschon ich mal locker 15 Jahre (wenn nicht mehr) zu alt bin, um ernsthaft Musik einer Band zu hören, die sich so einen Namen gibt, läuft „Dead Serious“ hier seit einigen Tagen in der Heavy Rotation.

Das Schöne daran ist, dass die drei jungen Herren zwar offensichtlich einen lausigen Geschmack in puncto Bandnamen haben, ansonsten aber spaßigen, gute Laune auf die Backen zaubernden Punkrock machen. Bubblegummig, hüpfig, melodisch, haareschüttelig, spaßig. Autofahrmusik. Satzgesang. Ich meine, was will man mehr? 3/4-Takt und Akkordeon? Haben sie. („Ein Gentleman ist jemand, der Akkordeon spielen kann, es aber nicht tut.“)

Anspieltipps für die Ungläubigen: „Like It“, „Stuck In A Daze“, „Drogenfrau“ (denkt nicht drüber nach, der geht ab), „Last Goodbye“ oder „The Lottery“. (Alleine das: 5 Anspieltipps. Auf einem Album. Hat man auch nicht mehr so oft.) Einfach mal den Bandnamen verdrängen und sitzpogen. Augen zu und denken: „Bißchen wie Green Day in gut.“

17 Okt 2009 Blind Melon

Gelegentlich empfehle ich hier in loser Folge Alben, von denen ich finde, dass andere Leute sie kennen sollten. Das selbstbetitelte Debütalbum von Blind Melon gehört dazu, und zwar vor allem für Gitarristen. Speziell solche, die mit einem zweiten Gitarristen zusammen in einer Band spielen.

Zwei Gitarren, das bedeutet normalerweise: Rhythmusgitarre und Leadgitarre. Im übelsten, ödesten Fall bedeutet es: Einer schrubbt Akkorde, der andere gniedelt dazu ein Solo. Ego-Wichserei in Musikform.

Die Herren an den Saiten bei Blind Melon hingegen beherrschen und demonstrieren meisterlich, wie man problemlos zwei (und sogar mehr als zwei) Saiteninstrumente (gelegentlich hört man da auch Mandolinen und sowas) ohne diese „klassische“ Rollenverteilung paart. Deswegen braucht dieses Album auch ein paar Runden, ehe es sich dem geneigten Ohr öffnet – die Herren verstehen es hervorragend, kleine Melodien zu verstecken, die man erst beim zweiten oder dritten Hören entdeckt, die sich dann aber wunderbar im Ohr festfressen.