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12 Sep 2007 Gruppenselbstmord abgehört?

Aust wäre nicht Aust, hätte er nicht für den zweiten Teils seiner TV-Dokumentation »Die RAF« ein brisantes Ende gefunden.

Wenn ich es richtig verstanden habe, ist im Rahmen der Recherchen zu besagter Dokumentation erstmals klar festgestellt und von offizieller Stelle zumindest durch die Blume auch bestätigt bzw. durch Akten belegt worden, dass nicht nur die Einrichtung einer Kommunikation zwischen den Zellen im Hochsicherheitstrakt von Stammheim nicht unterbunden, sondern diese auch angezapft, sprich: mitgehört, protokolliert wurde. Vermutet wurde dieses bereits vorher.

Der Knackpunkt aber ist: Wenn das generell der Fall war, spricht wenig bis nichts gegen die Annahme, dass auch in der Nacht der Befreiung der »Landshut« durch die GSG 9, also in der Nacht, als die in Stammheim einsitzende »erste Generation« ihrem Leben kollektiv ein Ende setzte, staatliche Ohren mitgehört haben. Beweisen lässt es sich natürlich nicht mehr.

10 Sep 2007 Gesehen? »Die RAF«

TV-Dokumentationen zum »Deutschen Herbst« gibt es im Moment wie den sprichwörtlichen Sand am Meer. Die ARD-/Spiegel TV-Produktion »Die RAF« hebt sich zunächst einmal dadurch ab, dass hinter ihr der deutsche RAF-Experte Stefan Aust steht. Aust ist nicht nur Chefredakteur des Spiegels, sondern auch Autor des Standardwerkes zum Thema, »Der Baader-Meinhof Komplex«.

Ebenso, wie dessen erweiterte Auflage 1997 auf neuen Erkenntnissen durch Einsicht in die Stasi-Akten basierte, bringt auch »Die RAF« neue Aspekte ans Licht: Bei den Recherchen zu dieser Dokumentation entdeckte Tonbandprotokolle aus den RAF-Prozessen in Stammheim. Stimmen aus dem Grab. Darüber hinaus darf, kann und traut sich Aust das, was andere Dokumentarfilmer nicht taten: Er bringt die »handelnden Personen« vor die Kamera, und dabei eben nicht nur den Vorzeigegeständigen der RAF, Peter-Jürgen Boock.

Heute um 20:15 Uhr folgt der zweite Teil der Dokumentation. Für diejenigen, die gestern nach dem Tatort ins Bett gegangen sind, wiederholen Phoenix und Eins extra beide Teile in den kommenden Tagen reichlich – es lohnt sich.

27 Aug 2007 Es hat sich ausgescoutet

Was für ein Paukenschlag: Dirk Olberzt schließt blogscout.de. Warum, wieso, weshalb – das steht alles in Dirks Blogeintrag zum Thema. Neuanmeldungen sind ab sofort nicht mehr möglich, es wird auch nicht mehr gezählt und am 30. September dann endgültig abgeklemmt.

Ich kann Dirks Gründe zumindest teilweise durchaus nachvollziehen, finde es aber dennoch schade, denn blogscout.de war so ziemlich der erste freie Statistikdienst, der mit Sinn, Verstand und guten Ideen betrieben wurde. Auf der anderen Seite … seien wir ehrlich, es wird vermutlich binnen kürzester Zeit einen adäquaten Ersatz für diejenigen geben, die meinen, einen solchen »Schwanzvergleich« zu brauchen.

Ich für meinen Teil denke aktuell, dass ich mich in Zukunft in diesem Bereich wohl auf die Logfiles meines Webhosters verlassen und diese selbst auswerten werde.

23 Aug 2007 Clemens Meyer: »Als wir träumten«

Daniel, Paul, Rico, Mark, Stefan und der kleine Walter wachsen auf in Leipzig – vor, während, aber vor allem nach der Wende, und zwar nicht in den versprochenen »blühenden Landschaften«, sondern im Dreck, in der Asche einer am Boden liegenden Gesellschaft, die scheinbar noch dazu mit den Füßen getreten wird. Die von der Revolution entlassenen Jungpioniere treten zurück, sie kratzen, beißen und treten, um sich ihren Teil vom Leben zu sichern. Sie klauen Autos, prügeln, brechen ein. Sie feiern, saufen und werfen ein. Sie treffen junge Mädels und alte Frauen, alte Stasis und neue Nazis. Trotz aller Schwüre, wie Brüder zusammenzuhalten, verlieren sie sich dabei doch immer mehr – an den Knast, an die Drogen, an den Tod.

Clemens Meyer zeichnet das Bild einer Generation junger Männer voller Wut auf das Leben, das System und das andere System. Er zeichnet die rauhe Schale und den weichen Kern, die harten Schläger und die weichen Denker, und all das ganz ohne ein Fünkchen Ostalgie. Direkt und authentisch, weich und sensibel. Meyer – den Namen müssen wir uns mal merken, irgendwie.

10 Aug 2007 Der Baader-Meinhof Cineplex

Seit Jahren spricht der deutsche Film immer wieder davon, man müsse sich die Geschichten, die die eigene Geschichte hergibt, erschließen. Nun jährt sich in diesem Jahr der sogenannte »Deutsche Herbst« zum dreißigsten Mal, was doch ein gegebener Anlaß ist, sich diesem durchaus interessanten Thema filmisch zu widmen – abgesehen davon, dass es mit Todesspiel und Deutschland im Herbst eigentlich schon hinreichend ausgelutscht wurde, gibt es pünktlich im September in der ARD die mehrteilige Dokumentation »Die RAF«. Und weil Dokumentationen gerne dröge sind, verfilmt Uli Edel Stefan Austs RAF-Referenz »Der Baader-Meinhof Komplex« als Kinofilm.

So großartig und vor allem fast perfekt in puncto Ähnlichkeit besetzt ich Todesspiel auch fand, so bedauerlich fand ich es, dass es im Prinzip »nur« die Schleyer-Entführung und die damit direkt verbundenen Ereignisse behandelt, insofern ist das Ansinnen von Edel und Produzent Bernd Eichinger löblich. Die Geschichte der RAF gibt weit mehr her. Noch dazu liest sich die angepeilte Cast wie ein »Who is who« des deutschen Films – Moritz Bleibtreu als Andreas Baader, Martina Gedeck als Ulrike Meinhof und Johanna Wokalek als Gudrun Ensslin, dazu etliche weitere große Namen in bislang noch unbekannten Rollen. Bis November diesen Jahres wird gedreht, im Herbst 2008 kommt das Ganze ins Kino und vermutlich nur wenig später im TV.