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08 May 2008 Charlotte Roche:»Feuchtgebiete«

Die »Feuchtgebiete« von Frollein Roche, Lesern älteren Semesters eher als fachlich versierte Sabbeltasche im anspruchsvolleren Teil des Musikfernsehens bekannt, sind in aller Munde. Der Grund ist denkbar simpel: Charlotte hebt sich aus dem Reigen der bücherschreibenden Promis durch eine, sagen wir mal, direkte Sprache und Thematik ab, die eine mir unbekannte Dame auf dem Cover »Angenehm unzimperlich« und manch Anderer gegebenenfalls ekelhaft findet.

Grundsätzlich geht es in »Feuchtgebiete« um die relativ alltäglich-belanglose Geschichte der 18jährigen Helen, die einen Krankenhausaufenthalt (bedingt durch eine missglückte Intimrasur) dazu nutzt, sich mit den diversen Abteilungen und Funktionen ihres Körpers zu befassen, über die »man eigentlich nicht spricht«. Nebenbei schleppt sie noch den Krankenpfleger ab und versucht einigermaßen erfolglos, ihre geschiedenen Eltern am Krankenbett zu versöhnen. So weit zur Rahmenhandlung.

Wer Charlotte Roche schon mal beim moderieren zugesehen hat, wundert sich eigentlich kaum über die Direktheit der Geschichte, findet sie schon mal gar nicht »Radikal, drastisch und ebenso zart« wie Roger Willemsen (ebenfalls auf dem Cover vertreten), sondern eher normal. Charlotte halt. Bisweilen an der Grenze des Aushaltbaren, aber daneben – und das entgeht im Sumpf der Direktheit leider – mit herrlich trockenem Humor versetzt. Schade drum. Das Bohei um »Feuchtgebiete« ist meines Erachtens nachvollziehbar, aber unverständlich.

28 Apr 2008 Adam Langer: »Crossing California«

Chicago an der Grenze zwischen den Siebzigern und den Achtzigern. Adam Langer erzählt eine bunte Vielzahl von subtil miteinander verwobenen Geschichten um die Familien Rovner (halb geschiedenes, kaum mehr jiddisches Ärztepaar mit spätpubertärem Sohn und kleptomanischer Tochter), Wasserstrom (Witwer mit exaltierter älterer und ernsthafter junger Tochter) und Wills (allereinerziehende, vom Leben frustrierte farbige Mutter nebst pfiffigem Sohnemann) sowie deren Nebenschauplätzen und -darstellern und zeichnet dabei ein Porträt der Zeit.

»Crossing California« glänzt mit immer wieder überraschenden Wendungen, um die Handlungsstränge miteinander zu verknüpfen, und zeichnet dabei ein skurril-ironisches Porträt des Amerika der Reagan-Ära. Stellenweise ist das Buch vielleicht ein wenig sehr jiddisch, aber darin liegt sein Charme ebenso wie seine phasenweise Langatmigkeit. Leider Gottes ist es noch dazu merklich lausig übersetzt.

22 Apr 2008 Bettina K. Lechner: »Gimp ab Version 2.4«

Das knapp 360 Seiten starke, reich bebilderte Werk richtet sich an Benutzer, die Gimp »für digitale Fotografie, Webdesign und kreative Bildbearbeitung« einsetzen wollen. Unterteilt ist es in einen gut 190 Seiten umfassenden theoretischen Teil, welcher grundsätzlich einem »Rundgang« durch Gimp und seine Möglichkeiten entspricht, und einen knapp 130 Seiten langen Praxisteil.

Den Grundlagenteil ergänzen Exkurse zu Themen wie digitale Bilder und Farbmanagement, welche Grundlagenwissen unabhängig vom Programm vermitteln. Grundsätzlich deckt dieser einführende Teil alles ab, was Gimp kann – an der einen oder anderen Stelle hätte ich mir hier mehr Details gewünscht, aber das mag jedem Leser mit unterschiedlichen Stellen so gehen.

Der Praxisteil vermittelt praxisnahe Tipps für etliche Anwendungsfälle, zunächst allgemein (allerdings mit deutlichem Hang zur Fotobearbeitung), dann speziell für Fotografen und schließlich für Webdesigner.

Letzterem Teil galt natürlich meine besondere Aufmerksamkeit. Er ist für ein Printmedium erfreulich aktuell gehalten, allerdings finde ich die Gewichtung in diesem Teil des Buches unglücklich. Der wesentliche Teil dieses Abschnittes beschäftigt sich damit, eine Webseite komplett in Gimp zu gestalten und dann in ihre Bestandteile zu zerlegen – für mich persönlich ist dieser Abschnitt komplett unbrauchbar, weil ich so nicht arbeite.

Der Anhang schließlich illustriert ein grundsätzliches Manko bei Büchern über Programme, die auf allen drei großen Plattformen – Linux, Mac, Windows – verfügbar sind: Man verschwendet leider wertvollen Platz mit Installationsanleitungen für alle drei. Schwamm drüber, grundsätzlich liefert Bettina Lechner Grafikdeppen wie mir eine wertvolle Dokumentation mit leicht nachvollziehbaren Kurzanleitungen für gängige Problemchen des Alltags und ausführlichem Grundlagenwissen.

08 Apr 2008 Der Dank des Tages geht an: Robert

Dank Robert kann ich mich nun anhand von Bettina K. Lechners »Gimp ab Version 2.4« endlich in Sachen Grafikbearbeitung unter Linux weiterbilden. Rezension folgt.

03 Apr 2008 Kai Havaii: »Hart wie Marmelade«

Kai Havaii war Sänger bei Extrabreit, die ich bis heute für einen der besseren Auswürfe der Neuen Deutschen Welle halte. Sein »Rock 'n' Roll-Roman aus der Provinz« unterscheidet sich in Machart, Absicht und Substanz im Grunde nicht wesentlich von Rocko Schamonis »Dorfpunks«, und doch – irgendetwas daran fasziniert. Es muss dasselbe sein, was an Extrabreits Stücken fasziniert: Unter der flippigen Schale des Anarcho-Spaß-Punks steckt ein sensibler und schlauer Kopf. Einer, der viele Dummheiten gemacht, aber überlebt hat.