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05 Apr 2009 Michel Birbæk: »Beziehungswaise«

Man ist geneigt, den Roman für einen „leichten Sommerroman“ zu halten. Die Taschenbuchausgabe hat ein quietschoranges Cover, auf dem ungeschnürte Turnschuhe zu sehen sind. Es geht um eine Liebesgeschichte, es hat den typisch dänisch-skurrilen Birbæk-Humor … aber es stellt auch – wie immer bei Birbæk – philosophische Fragen über das Leben, den Tod und die Liebe.

Comedian Lasse und seine langjährige Freundin Tess haben sich auseinander gelebt. Er hadert mit der eigenen Karriere, während sie selbige macht. Keine der Hochzeiten, die sie besuchen, ist die eigene, und im Bett ist seit zwei Jahren Funkstille. Aber auch wenn die Leidenschaft verloren gegangen ist – Freunde sind die beiden mehr denn je, und das erschwert den eigentlich überfälligen Schritt selbst dann noch, als Tess nach China gehen soll und Lasses Vater in Dänemark im Sterben liegt.

Eine Trennungsromanze rund um Comedy und Karneval, Pflegedienst und Sterbehilfe. Eine Mischung, auf die wohl nur Dänen kommen können. Unterhaltsam und interessant, aber auch kein Jahrhundertroman.

19 Jan 2009 Ralf Husmann: »Nicht mein Tag«

Seltenst hat ein Autor einen Buchtitel treffender gewählt.

Till Reiners, durchschnittlicher Bankmitarbeiter mit bravem Lebensstil, wird bei einem Banküberfall als Geisel genommen. Zu seinem Prolo-Geiselnehmer Nappo entwickelt Till schnell ein Paradebeispiel von Stockholm-Syndrom, während die beiden in klassischem Roadmovie-Stil in Tills Subaru vor der Polizei flüchten.

Dieser Roman ist leider wie sein Protagonist: Brav, bieder, vorhersehbar. Und leider so gut wie nie »hoffnungslos lustig«, wie der Einband euphorisch verspricht. Durchgefallen.

22 Dec 2008 Dagmar Schönleber: »Nackt im Bus«

Total gemein eigentlich, aber man muss es mal so sagen dürfen: So langsam ist es jetzt nicht mehr sehr originell, Schoten aus dem eigenen Leben aufzuschreiben und zwischen zwei Buchdeckeln drucken zu lassen. Ilies (hierzublog unrezensiert), Jochimsen, Goosen, Frau Buddenkotte und nun auch noch Frau Schönleber (Deckung, Flash!). Hörte ich da ein »Du musst es ja nicht lesen.« aus dem Off? Doch, muss ich. Und das nicht nur, weil meine Lieblingsfotografin das Umschlagfoto geschossen hat.

Dagmar Schönleber kann etwas, was nicht viele können: Schreiben, wie man spricht, und das saukomisch. Ich höre den kölschen Opi genauso vor mir wie den stotternden Sänger der Schlammfressenden Ghettogötter, den Punk, der unbedingt Rettungssanitäter werden will und den Taxifahrrär aus Teherran. Sie springen förmlich aus den leider viel zu wenigen Seiten.

Die wahre Schönheit der »melancholerischen Großstadtgeschichten« aber liegt da, wo sie immer liegt. Nein, nicht im Verborgenen – im Detail. Das Detail ist klein, weshalb man es leicht überliest. Aber wenn man aufpasst, liest man hier von schwarz gefärbten Schlafanzügen, unqualifiziertem Kinderpogo und enorm betrunkenen Punkrockern. Und fühlt sich irgendwie zu Hause.

20 Dec 2008 Der Dank des Tages geht an: Konrad

Konrad schickt mit netten Grüßen und Wünschen, die ich postwendend zurückschicke, nicht nur Nick Hornbys schönsten Roman »About A Boy« (ich weiß zwar immer noch nicht, wer meine ursprüngliche Ausgabe geklemmt hat, ist mir aber jetzt auch egal) sondern auch noch die unfassbar gute MTV Unplugged-CD/DVD von Dashboard Confessional.

Die schicke ich nicht postwendend zurück, bedanke mich aber herzlich! :-)

20 Oct 2008 T.C. Boyle: »World's End«

In der Nacht seines 22. Geburtstages knallt Walter Van Brunt – voll wie eine Strandhaubitze – mit dem Motorrad gegen eine Gedenktafel und verliert als Folge einen Fuß. Die Gedenktafel verbindet ihn mit einem ungelösten Rätsel seiner Herkunft: Seinem verschwundenen Vater.

Die Nachforschungen zum Verbleib seines alten Herrn entkernen nach und nach eine komplexe Verstrickung mit der Vergangenheit und führen schließlich in eine über Jahrhunderte gespannte Verschwörung der holländischen Siedlungen an der amerikanischen Ostküste.

T.C. Boyle verbindet eine Familiensaga mit der Geschichte der Besiedlung Amerikas. An Detailtreue und subtilen Hintergründen kaum zu überbieten, mitunter aber leider etwas verwirrend.