06 Nov 2007 Rocko Schamoni: »Dorfpunks«

Scheinbar hatten Rocko Schamoni und ich ähnliche Jugenden in unterschiedlichen Dörfern. Meine Haare waren nie bunt und ich musste nie eine Töpferlehre absolvieren, ansonsten klingt vieles vertraut. Schade nur, dass »Dorfpunks« nicht halb so lustig ist, wie man zunächst vermutet. Dafür zeigt es wunderbar, wie man mit etwas Whitespace aus einer Kurzgeschichte einen Roman machen kann. Bonuspunkte gibt es für das mehrfache Erwähnen Eutins, aber das war's dann auch.

09 Okt 2007 Buchtipp: »Praxisbuch Web 2.0«

Ein kompaktes Nachschlagewerk zu allem rund um das sogenannte Web 2.0 gefällig? (So man denn 700 Seiten als »kompakt« verstehen möchte.) Inklusive kompletter (An)Reizüberflutung sowie totalem Informationsoverkill? (Es wird eindrucksvoll demonstriert, dass Marginalien eben nicht marginal sind.) Einschließlich Usability, Accessibility, Typographie, Farbtheorie, Microformats und allem, womit man sich immer schon mal beschäftigen wollte, aber nie die Zeit gefunden hat? (Woher soll man eigentlich die Zeit nehmen, 700 proppevolle Seiten zu inhalieren?)

Dann mal los: Vitaly Friedmans »Praxisbuch Web 2.0« – nicht eben günstig, aber super.

26 Sep 2007 Annie Proulx: »Schiffsmeldungen«

Nachdem er seinen Job, seine Frau und seine Eltern verloren hat, hält den Loser Quoyle nichts mehr in den Staaten – er folgt seiner alten Tante in die Heimat seiner Vorfahren: Neufundland. Kalt, ungemütlich und von bisweilen kauzigen Menschen bewohnt. Doch Quoyle und seine kleinen Töchter finden sich schnell zurecht auf der rauhen Felseninsel und werden heimisch.

Eigentlich, und das ist das Faszinierende, passiert in »Schiffsmeldungen« 400 Seiten lang nichts, zumindest nicht viel Ungewöhnliches. Das, was passiert, scheint in Neufundland normal und an der Tagesordnung zu sein, und eben das ist die große Kunst der Annie Proulx – das detailverliebte, bilderreiche Beschreiben. Auch eine Art, den Leser gefangen zu nehmen.

24 Sep 2007 Jürgen Tarrach und Klaus Ortner: »richtig fressen. Rezepte zum Sattwerden.«

Flohmarktfundsache. Musterknaben-Kommissar Jürgen Tarrach und sein (Fress-)Freund und Co-Autor Klaus Ortner präsentieren Hauptspeisen, Nachtspeisen und Fingerfood für Menschen, die verstehen, dass man nicht nur im 4-Sterne-Restaurant sondern auch an der Dönerbude oder nachts um 1 an der heimischen Kühlschranktür noch genießen kann und will. Wer schon immer mal etwas kochen wollte, in das je(!) 1 Kilo(!) Nudeln und Zwiebeln gehört, ist hier richtig. Gewürzt werden die Rezepte mit kleinen Geschichten und anderweitigen Frechheiten.

23 Aug 2007 Clemens Meyer: »Als wir träumten«

Daniel, Paul, Rico, Mark, Stefan und der kleine Walter wachsen auf in Leipzig – vor, während, aber vor allem nach der Wende, und zwar nicht in den versprochenen »blühenden Landschaften«, sondern im Dreck, in der Asche einer am Boden liegenden Gesellschaft, die scheinbar noch dazu mit den Füßen getreten wird. Die von der Revolution entlassenen Jungpioniere treten zurück, sie kratzen, beißen und treten, um sich ihren Teil vom Leben zu sichern. Sie klauen Autos, prügeln, brechen ein. Sie feiern, saufen und werfen ein. Sie treffen junge Mädels und alte Frauen, alte Stasis und neue Nazis. Trotz aller Schwüre, wie Brüder zusammenzuhalten, verlieren sie sich dabei doch immer mehr – an den Knast, an die Drogen, an den Tod.

Clemens Meyer zeichnet das Bild einer Generation junger Männer voller Wut auf das Leben, das System und das andere System. Er zeichnet die rauhe Schale und den weichen Kern, die harten Schläger und die weichen Denker, und all das ganz ohne ein Fünkchen Ostalgie. Direkt und authentisch, weich und sensibel. Meyer – den Namen müssen wir uns mal merken, irgendwie.