25 Feb 2008 Juli Zeh: »Alles auf dem Rasen«

Klappentexte sind ja manchmal Steilvorlagen. Die »bemerkenswerte Autorin« unterschreibe ich noch. Schade nur, dass »Alles auf dem Rasen« nun einmal – das verrät das Deckblatt – »Kein Roman« ist. Statt dessen findet sich in diesem Buch eine Sammlung von teils un-, teils in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlichten »intelligenten, provokanten und amüsanten Essays«.

Intelligent ist die Dame, keine Frage. Provokant, nun ja, ist vielleicht ein Frage des eigenen Standpunktes. Amüsant sind für mich persönlich leider nur ein Bruchteil dieser Essays, die sich mit Politik, Gesellschaft, Recht, Schreiben und Reisen befassen. Schade drum.

21 Feb 2008 Frank Goosen: »So viel Zeit«

Fünf Typen Mitte Vierzig – ein Bauherr ohne Bauherrin, aber mit einem verbauten Einfamilienhaus; ein Vater von Zwillingen, der die Liebe seines Lebens nur noch auf dem Friedhof sehen kann; ein erfolgreicher Geschäftsmann, der sich in eine Affäre mit einer Azubine stürzt, weil ihm die Angst vor Darmkrebs den Schlaf raubt; ein gescheiterter Schriftsteller, der mit einer Studentin zusammenlebt und Pornos betextet; und ein gescheiterter Hausbesetzer, der im Geiste nie älter als 17 werden wollte, weil er so immer noch am Fleck auf seiner Vergangenheit kauen kann – tun 25 Jahre nach ihrem Abitur das, was sie schon immer hätten tun sollen: Sie gründen eine Rockband.

Mehr braucht es nicht, um mich dazu zu bringen, ein Buch von 350 Seiten nur durch gelegentliches arbeitenmüssen unterbrochen an einem Stück wegzuprügeln. Und schon habe ich wieder nix zu lesen.

»So viel Zeit« ist großartig, ehrlich und nie langweilig, stets ein wenig überraschend und dabei angenehm wenig nostalgisch. Wäre es von Nick Hornby, es wäre ein weltweiter Bestseller, und es wäre Frank Goosen zu wünschen, dass es das auch so wird.

12 Feb 2008 Katinka Buddenkotte: »Ich hatte sie alle«

Man muss eine Rezension dieses Buches vermutlich einfach so anfangen. Also: Katinka Buddenkotte hatte sie alle – beschissene Jobs mit skurrilen Kollegen, kranke Beziehungen mit merkwürdigen Typen, unglaubliche Begegnungen mit durchgeknallten Ärzten, Therapie und Bassisten (letzteres, und darauf lege ich Wert, zumindest der Chronologie des Buches folgend in genau dieser Reihenfolge).

Katinka Buddenkotte schreibt darüber, witzig und wortgewandt, und hat nur ein Problem dabei: Ihre satirischen Erzählungen verlieren signifikant an Witz, wenn sie nicht von Jürgen von der Lippe vorgelesen werden. Aber das geht den meisten so.

(Die Erzählung »Ich hatte sie alle« ist übrigens übelste Verleumdung an den Menschen, die ein völlig unterschätztes Instrument zu bedienen wissen, jawohl!)

17 Jan 2008 Roger Boylan: »Killoyle«

»Schöne Scheiße«, sagte Pater Doyle in seiner unverblümten Art, für die er in ganz Killoyle Nord berühmt war. »Wir werden uns ein Tröpfchen gönnen.«

aus: Roger Boylan: »Killoyle«

An und für sich muss man ein Buch, von dessen Klappen einen dieser Textfetzen angrinst, einfach lieben, vor allem, wenn es in Irland spielt und von Harry Rowohlt übersetzt wurde. Nun ja, aber.

Roger Boylan, irischer Exil-Texaner, kann schreiben, keine Frage. Und die südostirische Kleinstadt Killoyle mit ihren schrulligen Einwohnern gibt auch durchaus genug Lesestoff für diesen und, wie ich annehme, die weiteren 2 Romane der Trilogie her. Aber es ist eine anstrengende Lektüre (316 Seiten in sechs Wochen; Woher ich das so genau weiß? Weil ich es zum Nikolaus bekommen habe.), weil Boylan eine ominöse Stimme aus dem Off nahezu alles kommentieren lässt, und eben das geschieht in ellenlangen Fußnoten. Man springt also permanent von Text zu Fußnote und umgekehrt, und das trägt nicht eben zum Lesefluss bei.

Ein Buch für die, die sich in so etwas verbeissen mögen. Wohl bekomm's.

22 Nov 2007 Hollow Skai: »Das alles und noch viel mehr. Rio Reiser.«

Es gibt Keine Macht für Niemand. Die Geschichte der Ton Steine Scherben. von Kai Sichtermann, Jens Johler und Christian Stahl. Es gibt König von Deutschland. Von Ton Steine Scherben bis in die Hitparaden. von Rio selbst mit Hannes Eyber. Überschneidungen mit beiden Büchern gibt es auch in dieser Reiser-Biografie, warum also sollte man sie lesen?

Weil Hollow Skai, nachdem er durch die bereits aus anderen Biografien bekannten Lebensabschnitte gepeitscht ist, plötzlich doch lernt, ruhiger zu schreiben – wenn es um den Teil geht, an dem die anderen Biografien aufhören. Was geschah nach dem Ende der Scherben, was nach dem König von Deutschland, wie wird bis heute mit dem Erbe des vermutlich großartigsten deutschsprachigen Rocksängers umgegangen? Dieser Teil ist kurz, aber er hat es in sich.