28 Apr 2008 Adam Langer: »Crossing California«

Chicago an der Grenze zwischen den Siebzigern und den Achtzigern. Adam Langer erzählt eine bunte Vielzahl von subtil miteinander verwobenen Geschichten um die Familien Rovner (halb geschiedenes, kaum mehr jiddisches Ärztepaar mit spätpubertärem Sohn und kleptomanischer Tochter), Wasserstrom (Witwer mit exaltierter älterer und ernsthafter junger Tochter) und Wills (allereinerziehende, vom Leben frustrierte farbige Mutter nebst pfiffigem Sohnemann) sowie deren Nebenschauplätzen und -darstellern und zeichnet dabei ein Porträt der Zeit.

»Crossing California« glänzt mit immer wieder überraschenden Wendungen, um die Handlungsstränge miteinander zu verknüpfen, und zeichnet dabei ein skurril-ironisches Porträt des Amerika der Reagan-Ära. Stellenweise ist das Buch vielleicht ein wenig sehr jiddisch, aber darin liegt sein Charme ebenso wie seine phasenweise Langatmigkeit. Leider Gottes ist es noch dazu merklich lausig übersetzt.

22 Apr 2008 Bettina K. Lechner: »Gimp ab Version 2.4«

Das knapp 360 Seiten starke, reich bebilderte Werk richtet sich an Benutzer, die Gimp »für digitale Fotografie, Webdesign und kreative Bildbearbeitung« einsetzen wollen. Unterteilt ist es in einen gut 190 Seiten umfassenden theoretischen Teil, welcher grundsätzlich einem »Rundgang« durch Gimp und seine Möglichkeiten entspricht, und einen knapp 130 Seiten langen Praxisteil.

Den Grundlagenteil ergänzen Exkurse zu Themen wie digitale Bilder und Farbmanagement, welche Grundlagenwissen unabhängig vom Programm vermitteln. Grundsätzlich deckt dieser einführende Teil alles ab, was Gimp kann – an der einen oder anderen Stelle hätte ich mir hier mehr Details gewünscht, aber das mag jedem Leser mit unterschiedlichen Stellen so gehen.

Der Praxisteil vermittelt praxisnahe Tipps für etliche Anwendungsfälle, zunächst allgemein (allerdings mit deutlichem Hang zur Fotobearbeitung), dann speziell für Fotografen und schließlich für Webdesigner.

Letzterem Teil galt natürlich meine besondere Aufmerksamkeit. Er ist für ein Printmedium erfreulich aktuell gehalten, allerdings finde ich die Gewichtung in diesem Teil des Buches unglücklich. Der wesentliche Teil dieses Abschnittes beschäftigt sich damit, eine Webseite komplett in Gimp zu gestalten und dann in ihre Bestandteile zu zerlegen – für mich persönlich ist dieser Abschnitt komplett unbrauchbar, weil ich so nicht arbeite.

Der Anhang schließlich illustriert ein grundsätzliches Manko bei Büchern über Programme, die auf allen drei großen Plattformen – Linux, Mac, Windows – verfügbar sind: Man verschwendet leider wertvollen Platz mit Installationsanleitungen für alle drei. Schwamm drüber, grundsätzlich liefert Bettina Lechner Grafikdeppen wie mir eine wertvolle Dokumentation mit leicht nachvollziehbaren Kurzanleitungen für gängige Problemchen des Alltags und ausführlichem Grundlagenwissen.

03 Apr 2008 Kai Havaii: »Hart wie Marmelade«

Kai Havaii war Sänger bei Extrabreit, die ich bis heute für einen der besseren Auswürfe der Neuen Deutschen Welle halte. Sein »Rock 'n' Roll-Roman aus der Provinz« unterscheidet sich in Machart, Absicht und Substanz im Grunde nicht wesentlich von Rocko Schamonis »Dorfpunks«, und doch – irgendetwas daran fasziniert. Es muss dasselbe sein, was an Extrabreits Stücken fasziniert: Unter der flippigen Schale des Anarcho-Spaß-Punks steckt ein sensibler und schlauer Kopf. Einer, der viele Dummheiten gemacht, aber überlebt hat.

25 Mär 2008 Juli Zeh: »Adler und Engel«

Karrierejurist Max ist am Ende. Die einzige Person, die echtes Gefühl und wahre Liebe in sein Leben gebracht hat, ist tot. Jessie, die kindlich-verrückte Tochter eines Wiener Drogenbarons, die sein Leben einst fast zerstört hätte, hat sich erschossen, während sie mit ihm telefonierte. Max ertränkt seinen Schmerz in Selbstmitleid und Kokain, er beschließt, sterben zu wollen.

Als eine Art letzten Versuch ruft Max Clara an, Psychologiestudentin und Moderatorin einer Call-In-Sendung im Radio. Die harsche Clara zwingt Max zu einer Reise in seine Wiener Vergangenheit, um aus seiner Geschichte ihre akademische Weihe zu machen. Zurück in Wien erschließt sich Max langsam ein verstricktes Netz aus Zusammenhängen, die wahre Geschichte um ihn und Jessie

»Adler und Engel« ist ein furioser Roman, durchdacht bis in die letzten Einzelheiten und doch nie konstruiert. Rasant, krass und direkt, dabei doch stets von sensibler Schönheit. Lesebefehl.

06 Mär 2008 Antike CSS-Lektüre

Cover

Ich bin übrigens stolzer Besitzer eines der für lau plus Versand abgegebenen 100 Exemplare von Eric Meyers Standardwerk »Eric Meyer on CSS«.

Natürlich kann man CSS-Büchern oft beim Veralten zusehen, aber diesen Klassiker wollte ich einfach für die Sammlung haben – vor allem, wenn man ihn mal für kleines Geld abstauben kann.

Interessant ist das schon – die Ausgabe ist von 2003, und obwohl Meyers Fähigkeit, CSS simpel und verständlich zu erklären, immer noch beeindruckend ist, hat sich doch vieles seitdem verändert und weiterenwickelt. Heutzutage doch eher ein Buch zum schmökern und nostalgisch werden :-)