17 Jun 2008 Lesebefehle: Die ersten Zehn

Seitdem ich dieses Blog betreibe, rezensiere ich hier auch die Bücher, die ich nebenher veschlungen habe. Ab und an, genauer gesagt: Zehnmal bisher, habe ich dabei bisher einen »Lesebefehl« ausgesprochen.

Wer diesem bislang nicht gefolgt ist – hier nochmal die zehn im Schnelldurchlauf:

Ich muss ja zugeben, ich bin ein wenig stolz darauf, dass von Frl. Smilla mal abgesehen eigentlich keine hochprominenten Autoren und Bücher in dieser Liste stehen.

So, und wenn dann jetzt noch jemand bitte einen Lesetipp für mich hätte … ich hab nämlich im Moment nichts auf dem Nachttisch liegen. Also?

16 Jun 2008 Kurt Appaz: »1975. Im Jahr der Weiber.«

Die Blütezeit der Hippies ist 1975 zwar längst vorbei, doch das hält Kurt und seine langhaarigen Kumpels nicht ab: Sie legen für einen altersschwachen Bully zusammen, schmeißen auch sonst das karge Geld zusammen und fahren nach dem vermasselten Abi erstmal zum Campen nach Frankreich. Wohin ist dabei eigentlich total egal, Hauptsache viel Spaß, immer was zum Kiffen und der ständige Kampf um den Erfolg beim anderen Geschlecht.

Ein kurzweiliger und ohne ersichtlichen Grund erstaunlich fesselnder Roman, der allerdings als Leichtgewicht auch schnell durchgelesen ist. Die ideale Sommerlektüre, von Jugendbuchautor Wolfram Hänel unter einem Pseudonym veröffentlich.

02 Jun 2008 Garvin Hicking: »Serendipity. Individuelle Weblogs für Einsteiger und Profis.«

Das vermisste Handbuch, welches die beste Blogengine der Welt nie so recht hatte, liegt nun vor: Ziemlich genau 750 Seiten füllt Garvin mit allem, was man rund um s9y wissen sollte, könnte und müsste.

Vollständigen Blogneulingen erklärt die Einführung zunächst die technischen Grundbegriffe, mit denen geübte Blogger bereits um sich werfen. Im folgenden Kapitel wird die Installation und grundlegende Einrichtung des neuen s9y-Blog erläutert und auch auf mögliche Stolperfallen und Fehlerquellen eingegangen. Ausführliche Kapitel zu Frontend und Backend, eine sehr ausführliche (und dennoch aus Platzgründen nicht vollständige) Plugin-Referenz sowie ein knapp gehaltener Abschnitt zu Betrieb und Wartung eines Blog runden den Teil für Einsteiger ab.

Es folgt der Teil, der eher den fortgeschrittenen s9y-Hasen anspricht: Ausführliche Erläuterungen zur Anpassung von Templates sowie zum s9y-Kern, der Plugin-API usw. Das letzte Kapitel »Die Community« hilft beim Einstieg in die aktive s9y-Welt und gibt einen Ausblick, was die Zukunft bringen soll.

Das Buch ist gut, umfassend und war äußerst notwendig. Es hat vermutlich ein wenig mit der heterogenen Zielgruppe, für die es geschrieben wurde, zu kämpfen – Einsteigern mag die Sprache mitunter zu technisch sein, versierte Benutzer müssen schon recht gezielt blättern, um zu den Teilen zu gelangen, die sie interessieren. Dennoch ist es als Handbuch und Referenz zu Serendipity wunderbar nützlich und sollte Pflichtlektüre für jeden sein, der mit s9y bloggt oder bloggen möchte.

30 Mai 2008 Adam Langer: »Die windige Stadt«

Ich weiß nicht, wie die das bei Rowohlt machen, aber von »The Washington Story« (was in diesem Fall weder mit der Stadt noch dem Bundesstaat … aber egal) auf »Die windige Stadt« (ja, ich weiß, Chicago, »The windy city«, geschenkt) … naja, Schwamm drüber, wo war ich?

Ach ja: Das Buch.

Das Buch ist der zweite Band (von offenbar zwei) der mit »Crossing California« eingeleiteten Chicago-Saga. Es setzt die Geschichten aus jenem in den 80er Jahren fort, ist aber dennoch – und das sogar flüssiger und fesselnder als sein Vorgänger – unabhängig zu lesen, was den Lesern, die eben jenes bereits überwunden haben, irgendwie ein Insidergefühl vermittelt.

»Die windige Stadt« ist dabei ebenso voller kleiner, sich immer wieder subtil kreuzender Handlungsfäden, etwas weniger skurril, etwas weniger ironisch, etwas weniger jiddisch. Möglichweise macht es das besser. Apropos besser: Vom Titel abgesehen ist es auch etwas besser übersetzt.

08 Mai 2008 Charlotte Roche:»Feuchtgebiete«

Die »Feuchtgebiete« von Frollein Roche, Lesern älteren Semesters eher als fachlich versierte Sabbeltasche im anspruchsvolleren Teil des Musikfernsehens bekannt, sind in aller Munde. Der Grund ist denkbar simpel: Charlotte hebt sich aus dem Reigen der bücherschreibenden Promis durch eine, sagen wir mal, direkte Sprache und Thematik ab, die eine mir unbekannte Dame auf dem Cover »Angenehm unzimperlich« und manch Anderer gegebenenfalls ekelhaft findet.

Grundsätzlich geht es in »Feuchtgebiete« um die relativ alltäglich-belanglose Geschichte der 18jährigen Helen, die einen Krankenhausaufenthalt (bedingt durch eine missglückte Intimrasur) dazu nutzt, sich mit den diversen Abteilungen und Funktionen ihres Körpers zu befassen, über die »man eigentlich nicht spricht«. Nebenbei schleppt sie noch den Krankenpfleger ab und versucht einigermaßen erfolglos, ihre geschiedenen Eltern am Krankenbett zu versöhnen. So weit zur Rahmenhandlung.

Wer Charlotte Roche schon mal beim moderieren zugesehen hat, wundert sich eigentlich kaum über die Direktheit der Geschichte, findet sie schon mal gar nicht »Radikal, drastisch und ebenso zart« wie Roger Willemsen (ebenfalls auf dem Cover vertreten), sondern eher normal. Charlotte halt. Bisweilen an der Grenze des Aushaltbaren, aber daneben – und das entgeht im Sumpf der Direktheit leider – mit herrlich trockenem Humor versetzt. Schade drum. Das Bohei um »Feuchtgebiete« ist meines Erachtens nachvollziehbar, aber unverständlich.