29 Nov 2004 Marian Keyes: "Rachel im Wunderland"

Ist jedes Buch, in dem ein weibliches Wesen die zentrale Figur ist, automagisch ein "Frauenbuch"? Falls ja, wäre dann "Die Nebel von Avalon" ein "Frauenbuch"? Egal. Ich hatte ja ohnehin bereits verkündet, dass Marian Keyes meiner Meinung nach keine "Frauenbücher" schreibt.

Rachels Wunderland ist eine - vermeintlich - noble, paradiesische Reha-Klinik für Suchtkrankheiten, in die sich Rachel mehr oder weniger bereitwillig von Freunden und Familie einweisen lässt, als sie nach einer derben New Yorker Partynacht im Krankenhaus landet. Im irischen Entzugsparadies für Prominente stellt sie fest, dass man die Suchttherapie dort durchaus ernst nimmt (und Prominente sind auch gerade keine dort).

Ich habe zwar keine persönlichen Erfahrungen mit Suchttherapie und -kliniken, aber doch über verschiedene Umwege recht realistische Eindrücke davon. Dieses Buch ist (unter anderem) fantastisch, weil es überaus fundiert, aber auch sehr unterhaltsam davon erzählt.

22 Nov 2004 Marian Keyes: "Sushi für Anfänger"

Wieso steht eigentlich auf vermeintlichen Frauenbüchern immer dick "Frauenbuch" drauf? Egal.

Marian Keyes schreibt ohnehin keine Frauenbücher, vielmehr ist sie so etwas wie der weibliche Roddy "Commitments" Doyle - sie erzählt Geschichten aus Irland, immer mit Humor, aber auch immer ein bisschen traurig. Irisch halt.

In diesem Fall die Geschichte einer Redaktion, die in Irland ein Hochglanzmagazin (ah, daher vermutlich das dicke "Frauenbuch" ...) aus dem Boden stampfen muss (es stampfen aber auch nicht-homosexuelle Männer mit, insofern ...), versponnen und verwoben mit den privaten Geflechten, die an den Nebenkriegsschauplätzen die Beteiligten beschäftigen. Aber halt so gar nicht schnulzig-schmalzig. Irisch halt.

19 Nov 2004 Werner Köhler: "Cookys"

Cooky kocht aus Leidenschaft, möglicherweise, weil es mit der Leidenschaft in seinem jungen Leben in den Siebzigern nicht ganz so hingehauen hat, wie er sich das vorstellte. Jetzt - als Endzwanziger - betreibt er ein Restaurant, in dem man als Leser gerne arbeiten und noch lieber essen würde, und hält Rückschau auf sein (Liebes-)Leben in der Zeit der freien Liebe, Drogen und Musik, ausgelöst durch den Selbstmord seines alten Freundes Tom.

Hört sich nach einem Quarterlife-Crisis-Roman eines Späthippies an - ist aber lustig, überhaupt nicht sentimental und einfach nur schön. Allerdings so angenehm geschrieben, dass man es verdammt schnell durch hat.

Ungewöhnlich: hier gibt es nicht nur alle Rezepte aus "Cookys", sondern auch eine Discographie des Buches.