10 Jan 2005 Marian Keyes: "Unter der Decke"

Was für ein Cover. Ms. Keyes diesmal als Schleuderpreis-Fundsache in der Remittenden-Grabbelkiste. Lumpige 2 Euro. Naja, sind aber auch nur "B-Seiten" - unter der Decke findet man Zeitungs- und Zeitschriftenartikel aus Keyes'scher Feder sowie vermeintlich Unveröffentlichtes, dem Keyes-Jünger jedoch recht schnell ansehen, welches Buch es inspirierte.

Auch dieses Buch ist sehr Irisch - schrullig und doch irgendwie liebenswert. Leichte Lektüre für unterwegs, weil man eben auch gut zwischen 2 Geschichten Pause machen kann, dafür aber auch mit dem leicht schalen Beigeschmack des Trivialen.

Naja. Sind ja nur "B-Seiten".

03 Jan 2005 Frank Conroy: "Body & Soul"

Conroy klingt irgendwie irisch, seine Protagonisten sind selbiger Abstammung, und damit bin ich eigentlich bereits verloren. Darüber hinaus handelt "Body & Soul" von der fast schon selbstzerstörerischen Liebe, Hingabe, Leidenschaft zur Musik, muss also toll sein. Ist es auch.

Claude ist nicht nur irischer, sondern auch noch dubioser, weil geheimnisumwitterter Abstammung. Und darüber hinaus - obwohl Sohn einer Taxifahrerin (welche allerdings einst eine aufstrebende Sängerin war) - ein Wunderkind, welches vom Musikalienhändler seines geringsten Misstrauens auch noch als solches erkannt und von dessen diversen betuchten und/oder qualifizierten Bekannten gefördert wird.

Also, wenn das nicht mein Buch ist, dann weiss ich's auch nicht ;-)

07 Dec 2004 Jess Jochimsen: "Flaschendrehen"

"Flaschendrehen" hat den zugegeben irgendwie hübschen Untertitel "oder: Der Tag, an dem ich Nena zersägte" und ist quasi die Fortsetzung des ebenfalls und mit "Bekenntnisse eines 68er-Kindes" unterbetitelten "Das Dosenmilch-Trauma". Das Ganze stammt aus der Feder des Kabarettisten Jess Jochimsen und ähnelt irgendwie Herrn Illies und seinen Generationen Golf - Generationsbücher (ist das schon ein Genre?), in denen man sich alle paar Seiten bei Gedanken wie "Ach, stimmt ..." und "Oh ja, so war das ..." ertappen soll (und meist auch tut).

"Generation Golf" fand ich so lala, den Nachfolger öde.

Mit den Ergüssen des Herrn Jochimsen ginge es mir wohl ähnlich, wären da nicht kleine Nettigkeiten wie diese:

»Willst du meine Frau werden?« ist ein schöner Satz. Mein Freund Erwin hat ihn bestimmt tausendmal gesagt. Am Schluss sogar zu Tieren und Möbeln. Auf seiner Einladung stand: »Sie will meine Frau werden. Warum, weiß keiner. Aber wir lieben uns.« In der Kirche lief dann The Beautiful South: Don't marry her, fuck me. Geht doch.

Abendfüllend sind beide Bücher nicht, aber irgendwie ein wenig netter, da zynischer als die Generationen Golf.

01 Dec 2004 Lars Saabye Christensen: "Yesterday"

Kim, Gunnar, Seb und Ola wachsen auf im Oslo der späten 60er Jahre. Begleitet von den Beatles als Soundtrack ihres Lebens umschiffen die vier die Klippen des Erwachsenwerdens: Erziehende Eltern, tragische Jugendlieben und die sich verändernde, aufbrechende Welt der 60er.

"Yesterday" ist bei weitem nicht der einzige Roman dieser Art, es dürfte wahrscheinlich nicht mal der einzige sein, dessen Kapitel nach Beatles-Songs benannt sind ;-) Grundsätzlich ein interessantes Buch, dass einem so manchen langen Abend verkürzen kann - aber ich hab mit Büchern skandinavischer Autoren immer so meine Problemchen (von Astrid Lindgren mal abgesehen, oder war das damalstm auch schon so?).

Irgendwie ist dieses Buch skurril. Immer wieder stolpere zumindest ich über Dinge, die ich "irgendwie seltsam, befremdlich" finde. Skandinavier eben. Ich fühl mich ja auch bei IKEA immer ein bisschen seltsam ;-)

29 Nov 2004 Gernot Gricksch: "Die denkwürdige Geschichte der Kirschkernspuckerbande"

Die Irrungen und Wirrungen der sechs, die im Kindesalter zur Kirschkernspuckerbande wurden, ziehen sich über 40 Jahre Leben in Deutschland. Piet, der leicht chaotische Ich-Erzähler, sein bester Freund Sven, Petra, das Mädchen, das ein Junge werden sollte, Susann, die kleine Prinzessin, der Herzensbrecher Dilbert und der hochbegabte und leicht schrullige Bernhard bleiben Freunde, auch wenn ihre Wege sich mal mehr und mal weniger kreuzen. Am Grab des ausgestiegenen Weltenbummlers Bernhard schliesslich erzählt Piet all die kleinen Geschichten, die sich um die Kirschkernspucker ranken.

Eine zauberhaft erzählte Geschichte voller teilbarer Kindheitserinnerungen und -träume. Sozusagen "Generation Golf" mit Herz - und noch dazu interessant - erzählt. Dafür könnte man glatt den "Fänger im Roggen" in die Ecke pfeffern.