09 Feb 2005 Roddy Doyle: "Ein Fest für Jimmy"

Erster (und einziger) Bonuspunkt: Roddy Doyle. "Commitments", "Fish & Chips", "The Snapper" (kenne ich alle nur als Filme), "Die Frau, die gegen Türen rannte". Der Mann kann schreiben.

Erster Minuspunkt: "Not just for christmas" ist nicht unübersetzbar, zumindest aber in keinerlei Zusammenhang mit "Ein Fest für Jimmy". Zweiter Minuspunkt: Igitt, ist das dünn (knapp 80 großzügig gesetzte Seiten). Dritter Minuspunkt: Hunde auf dem Cover sollten Hundebüchern vorbehalten sein. Vierter Minuspunkt: Es ist schlecht.

Noch Fragen?

06 Feb 2005 Jörg Thadeusz: "Rette mich ein bißchen"

Schon wieder ein Grimme-Preisträger. Jörg Thadeusz kennt man, so man N3 nicht nur empfängt, sondern auch guckt, als Moderator des satirischen Politmagazins "extra 3". Wenn man die dritten Programme schon etwas länger nicht nur empfängt, sondern auch guckt, kennt man ihn auch als wortwitzigen Moderator der Promi-Filme bei "Zimmer frei". (Und so ein ganz klein bißchen könnte man auch meinen, er sei ein kleiner Bruder von Götz Alsmann)

Gunnar ist Rettungssanitäter mit Abitur, und das nicht etwa ehrenamtlich, sondern hauptberuflich. Als er sich bei einem Einsatz in Melanie, die Tochter des Opfers, verguckt, gerät sein Liebesleben vollends aus den Fugen: Während er darüber sinniert, wie man sich einer Frau in dieser Situation nähert, trifft er seine Ex-Freundin Uta wieder und seine Mitbewohnerin und beste Freundin Sandra gesteht ihm ihre Liebe. Gunnars Chaos ist perfekt, als er Melanie höchst tolpatschig und mit Hilfe einer Lüge näher kommt ...

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle schreiben: "Von dieser Sorte Bücher hätte ich gern mehr, Herr Thadeusz!", denn "Rette mich ein bißchen" ist klasse: eine brutale Mischung aus derbem Sani-Slang (inklusive diverse durchaus authentischer Insider) und dem Gefühlsleben eines empfindsamen jungen Mannes im Tarnkappenmodus. Witzig, herzlich, "aus dem Leben gegriffen". Das Schöne dabei ist: Jörg Thadeusz hat mich bereits erhört.

04 Feb 2005 Marcel Reif: "Aus spitzem Winkel. Fußballreporter aus Leidenschaft."

Grimme-Preisträger Marcel "Noch nie hätte ein Tor einem Spiel so gut getan wie heute" Reif erzählt. Von seiner Kindheit als Sohn polnischer Juden in Warschau, Haifa und schließlich Kaiserslautern (nicht so interessant), von einer zunächst schleppenden, später rasanten Karriere als Journalist (je nach Zeitraum mäßig bis einigermaßen interessant), von seiner eher harten Zeit als Sportchef, der seine Familie wegen einer jüngeren Kollegin verlässt (einigermaßen interessant), natürlich von dem Spiel, das möglicherweise sein größtes war und davon, was er jungen Kollegen mit auf den Weg geben möchte (hochinteressant, vor allem für die Kollegen; mögen sie es beherzigen).

Wer Reif als Kommentator mag (ich persönlich mag ihn sehr), den wird dieses Buch interessieren, auch wenn es sich vor allem deshalb leicht liest, weil man langweilige Passagen leicht überfliegen kann. Wirklich fesselnd wird es immer dann, wenn der immer noch leidenschaftliche Fan Reif von Fußball spricht, als sei er ein kleiner Junge auf dem Bolzplatz - und vielleicht ist eben das sein Geheimnis. Das, und eine große Leidenschaft für Sprache, nicht als spitz(züngig)e Waffe, sondern als Instrument der Verständigung. Seine Ausführungen zu Platitüden im Reporterdeutsch sind messerscharf auf den Punkt, seine Ansicht zu Distanz und Respekt gegenüber Profis und Trainern trifft den Punkt. Der Mann sollte Sportreporter ausbilden.

03 Feb 2005 Morag Prunty: "Brautschau"

"Schon wieder ein Buch von einer Irin ..." - nein. Morag Prunty ist Engländerin im irischen Exil. Aber ansonsten ist das Buch sehr irisch (kein Wunder, die Dame war Herausgeberin des "Irish Tatler" (Huch! Ist das etwa wieder so ein "Frauenbuch"?).

Ein amerikanischer Multimillionär (sinnigerweise heißt der Mann "Mr. Big" ...) besinnt sich angesichts der verstorbenen Frau Mutter seiner irischen Wurzeln. Nun will er heiraten, und der Wurzeln wegen soll es ein "echtes irisches Mädel" sein. Der Einfachheit halber werden ein (natürlich irischer) Assistent, eine (natürlich irische) PR-Frau und diverse andere (nicht immer irische) Hebel in Bewegung gesetzt, um das Unternehmen Eheschließung "American Style" (kleckern, nicht klotzen) abzuschließen - von einfachem "Deckelchen suchen" hält der Mann nicht viel, eine Anzeigenkampagne muss es sein. Und die längst modernisierten irischen Damen aller Altersklassen besinnen sich angesichts der Dollar-Millionen prompt auf traditionelle Werte.

"Brautschau" hat Charme und (mitunter versteckten) Witz. Es ist vielleicht ein wenig zu "stylish", ein bißchen zu sehr "Sex And The City in einen irischen Roman gegossen". Und zum Ende hin zieht es sich. Aber das Einzige, was wirklich nervt, ist die Angewohnheit von Ms. Prunty, besonders wichtige Dinge Immer Und Wirklich Immer In Wörtern Mit Großbuchstaben Am Anfang Zu Schreiben.

30 Jan 2005 Selim Özdogan: "Trinkgeld vom Schicksal"

50 Kurzgeschichten - nein, eher: Momentaufnahmen, Lebensfetzen - hat Selim Özdogan in diesem Buch versammelt. Kleine Fetzen des (autobiografischen - oder doch nicht? Er verbirgt es meisterlich.) Alltags, in denen man sich sofort zu Hause fühlt, die man selbst erlebt haben könnte, liebevoll bis in die kleinsten Details beschrieben. Mitunter etwas abstrakt für den Einzelnen, mitunter auch mehr und weniger spannend und/oder interessant - aber immer lesenswert.