23 Mar 2005 Bjørn Erik Sass: "Herrenbesuch"

Ein schöner Zufallsfund im (lokalen) Buchladen meines Vertrauens.

Ich-Erzähler Kurt ist ein neurotischer Soziologiestudent mit Hang zu Yoga und Bachblütentherapie. Mit 26 beschließt er zusammen mit seinem Freund Jens, aus dem "Hotel Mama" in einer ostseenahen Kleinstadt in einer wilde WG in der großen Stadt (Kiel - dazu sag ich jetzt mal nix) zu ziehen, damit beide Herren endlich ihrem Dasein als männliche Jungfrauen ein Ende setzen können. Begleitet von Frauke, seiner Homöopathin, und dem Ladykiller Ingo als Ratgeber aus der Praxis, gestaltet sich der Weg ins Frauenparadies aber doch schwerer, als gedacht.

Dieses Buch ist natürlich ein gefundenes Fressen für jemanden wie mich, der alles ansatzweise Esoterische und alternativ Heilkundliche grundsätzlich erstmal für Schnickschnack hält. Aber es ist auch herrlich leicht erzählt, von neurotischen Randnotizen zersetzt und hat damit angenehm sympathische Protagonisten und in einigen Zitaten enormes Prust-Potential. Und obwohl Bjørn Erik Sass der Erfinder des Abschweifens sein muss, liest es sich sehr flüssig.

21 Feb 2005 Peter Hoeg: "Fräulein Smillas Gespür für Schnee"

Den Plot schenke ich mir, das Buch ist ja schon von Anno Tobak. Ich hab's nun mal erst jetzt gelesen - da hab ich allerdings echt was verpaßt.

Ich ziehe meinen Hut, den ich gar nicht habe, vor Peter Hoeg. Es muss zum einen eine Schweinearbeit gewesen sein, dieses Wissen über die grönländische Kultur, ihr Verhältnis zu Eis und Schnee und ihre Probleme zu recherchieren. Dann zum anderen noch einen derart komplexen Plot in einer doch eher komplizierten Sprache so niederzulegen, dass er wirklich immer spannend bleibt und immer spannender wird, das ist schon klasse.

Lesebefehl, hopp.

17 Feb 2005 David Schickler: "Die Kunst des Küssens in Manhattan"

David Schickler hat Politologie studiert und schreibt jetzt Romane, die mich an einen meiner Lieblingsfilme erinnern. Soll das ein Wink des Schicksals mit dem Zaunpfahl sein? Andererseits erinnert mich das Buch mindestens ebenso sehr an einen Film, den ich immer noch nicht ganz verstanden habe. Egal, verfilmbar wäre dieser Roman allemal.

Schickler erzählt 11 Geschichten, in denen es mal romantisch, mal bizarr, mal idyllisch, mal diabolisch um die Liebe in Manhattan geht. Was zunächst wie eine lose Zusammenstellung von Einzelgeschichten erscheint, entpuppt sich schnell als durchdachter Zusammenhang, der nicht nur dadurch entsteht, dass alle Protagonisten im selben Gebäude wohnen.

"Die Kunst des Küssens in Manhattan" ist nicht perfekt - einige Geschichten sind liebenswert, andere auf eine fast abstruse Art faszinierend, einige direkt langweilig. Interessanterweise liegen letztere in der Mitte und am Ende ärgert man sich, dass man sie nur überflogen hat. Denn am Ende wird es richtig spannend.

13 Feb 2005 Thomas Klausmann: "Suppenkueche Inc."

Uah. Dieses Buch kann ich unmöglich zu Ende lesen. Wah. Schwülstige Sprache ohne Not, ellenlanges Gefasel über ganz gewöhnliche Dinge, die jeder kennt. Hilfe.

Thomas und Heinzi sind wild entschlossen, den Amerikanern die Vorzüge eines "German Wirtshaus" (heißt: ein bayrisches) nebst den dazugehörigen Gerichten und "echtem" Bier) nahezubringen. Mit gepumpter Kohle unter'm Arm geht es auf nach San Francisco.

13 Feb 2005 Jörg Thadeusz: "Alles schön"

Wie hier bereits angedeutet, hat Jörg Thadeusz seinem grandiosen Debütroman bereits einen Nachfolger folgen lassen.

Lukas Winninger ist Lufthansa-Pilot mit Flugangst, Sarah Lohmann eine SPD-Bundestagsabgeordnete, die langsam die Illusionen über ihren Beruf verliert. Als die beiden sich treffen, beginnt eine chaotische Liebelei.

So kurz kann man "Alles schön" zusammenfassen. An "Rette mich ein bißchen" kommt es an keiner Stelle auch nur annähernd heran, schade. Gelegentlich blitzt derselber Humor durch, Thadeusz' eigener Stil durchaus auch, aber trotzdem ... irgendwie ist das hier relativ seicht im Vergleich. Womit es jedoch immer noch besser als manch anderes Machwerk ist.