14 Jun 2005 Ethan Hawke: "Aschermittwoch"

Ja, der Ethan Hawke. Spielt nicht nur schau, schreibt auch Romane. Und gar nicht mal schlechte.

Jimmy macht Schluß mit Christy, ohne eigentlich genau zu wissen, warum - wie er so vieles (eigentlich alles) tut oder getan hat, ohne genau zu wissen, warum. Selbst als Christy fluchtartig die Stadt in Richtung Texas (back to the roots, yeehaa!) verlässt (stilechterdings in einer Art Greyhound-Bus) und er ihr blitzartig (und ebenfalls stilecht mit einem 70er-Jahre-Muscle-Car, wenn auch keinem TransAm) nachsetzt, um ihr einen Heiratsantrag zu machen, weiß er nicht wirklich genau, warum. Es kommt (ja, auch das ist irgendwie stilecht) zum vorgezogenen Showdown am winterlich verschneiten Busbahnhof, Kniefall und Offenbarung einer Schwangerschaft inklusive. Und da beginnt das niedergeschriebene Road-Movie (ich sehe da Matt Dillon als Jimmy und eventuell Winona Ryder als Christy ..?) eigentlich erst; eine Reise in zwei Vergangenheiten, aus denen eine Zukunft werden soll (das hab ich jetzt schön geschrieben; nein, nicht schön: stilecht).

Mr. Hawke, das konnte man schon seinem Erstling entnehmen, kann schreiben. Und zwar mit Liebe für's Detail und für die kleinen Randgeschichten nebenbei.

01 Jun 2005 Torbjörn Flygt: "Made in Sweden"

Vorsicht, Elche.

"Made in Sweden" erzählt die Geschichte der Familie Kraft aus der schwedischen Arbeiterstadt Malmö. Es begleitet Bodil (für Insider: ausgerechnet!), Arbeiterin in einer Strumpffabrik und allereinerziehende Mutter von Monika, der Lernmaschine, und Johan, dem Ich-erzählenden kleinen Bruder, durch die 70er und 80er Jahre, durch Schule, Freundschaften und Familienbanden. Ein konstanter, flüssig erzählter, immer spannender und überraschender Wandel.

Dieses Buch ist traumwandlerisch leichtfüßig erzählt.

Es wäre perfekt, wenn nicht der Autor, oder ist es möglicherweise nur der Übersetzer, wer weiß das schon, kann man nie genau sagen, aber bei einem guten Übersetzer, und wir wollen mal annehmen, dass Paul Berf einer ist, gehe ich davon aus, vielleicht ist es auch einer sprachliche Eigenart des Schwedischen, da bin ich persönlich jetzt überfragt, wenn also nicht dieser Autor, oder vielleicht doch der Übersetzer, so ein ausgeprägtes Faible für ellenlange, nur durch Kommata und sonst keinerlei Satzzeichen strukturierte, damit manchmal nahezu unlesbare Banwurmsatzkonstruktionen hätte, welche sich mitunter sogar über mehrere Seiten erstrecken und damit nahezu unmenschliche Konzentration vom Leser verlangen.

(Puh.)

Bloß gut, dass er zwischendurch immer mal wieder normal kurze Sätze einbaut.

25 May 2005 David Sedaris: "Nackt"

Die sogenannte Kritik scheint Herrn Sedaris zu lieben. Geht mir nicht so.

Mag sein, dass "Nackt" nur eine Persiflage auf "normale" Autobiografien sein soll. Mag sein, dass manche Leute weniger abstrusen Büchern mit weniger kranken Ideen nichts mehr abgewinnen können. Vielleicht muss man auch einfach nur John Irving mehr mögen (mit dem würde ich Sedaris vergleichen wollen; von Irving ertrage ich auch nur das "Hotel New Hampshire", alles andere ist mir zu abgedreht).

Was man letzten Endes wirklich daraus lernen kann: Ein Buch kann noch so sehr vom Übersetzergott Harry Rohwohlt übersetzt sein - das heißt noch lange nicht, dass es gut ist.

25 May 2005 Selim Özdogan: "Nirgendwo & Hormone"

So. Nun bin ich endlich "durch" mit Herrn Özdogans Gesamtwerk, denke ich.

Dieser Roman bestätigt einfach nur meine alte Theorie, dass Bücher mit interessanten, leicht schrägen Titeln (als Vergleich fällt mir "Die älteste noch lebende Rebellenwitwe erzählt" ein) - meistens - sterbenslangweilig sind. In diesem Fall ist mir die Story einfach zu wirr, an den Haaren herbeigezogen und abwegig, um mich wirklich auf sie einzulassen.

Irgendwie auch nicht sehr Özdogan.

Durchgefallen.

17 May 2005 Tony Hawks: "Mit dem Kühlschrank durch Irland"

"Don't drink and drive" ist eine gerade zu jämmerliche Empfehlung; "don't drink and bet" ist nach Lektüre des (angeblich auf wahren Tatsachen basierenden) Buches von Tony Hawks um Längen sinnvoller.

Eine durchzechte Nacht führt dazu, dass Tony darum wettet, binnen 4 Wochen die irische Küste entlang zu trampen - in Begleitung eines Kühlschranks. Was völlig absurd erscheint (der sinnvollere Ausdruck wäre wohl "ist", denke ich), gelingt, weil Iren nun mal ein eigentümliches, skurriles Völkchen sind, das sich für solche Vorhaben durchaus begeistern kann.

Eine etwas andere Art von Reisetagebuch, welches genauso ist, wie das Volk des bereisten Landes: witzig, warmherzig und auf eine rustikale Art und Weise charmant. Und ein klein bißchen absurd.