06 Jul 2005 Mike Gayle: "Sturzflug ins Leben oder Mein 30. Geburtstag"

Jahrelang hat Matt Beckford - britischer Informatiker in den USA - ein klar strukturiertes (lies: langweiliges) Leben geführt. Kurz vor seinem 30. Geburtstag jedoch trennt er sich (freundschftlich und zivilisiert, versteht sich) von seiner amerikanischen Freundin Elaine und plant die Versetzung nach Australien.

Jedoch wollen zuvor drei Monate Wartezeit überbrückt werden. Matt zieht es zurück in seine englische Heimat (Birmingham, home of Ozzy "The prince of fuckin' darkness" Osbourne). Er zieht bei seinen Eltern ein, trifft alte Freunde und seine Schulliebe Ginny wieder. Und plötzlich ist die Welt - kurz vor dem 30. Geburtstag - wieder so spannend wie als Teenager.

Mike Gayles britischer Humor ist heimückisch und subtil, er fällt den Leser unerwartet hinterrücks an, lässt dann jedoch nicht mehr los. Ein Roman voller Tempowechsel und Turnarounds, den man besser nicht zu weit weglegen sollte.

Lesebefehl.

04 Jul 2005 Bunzel & Gaw: "Alice@Wonderland"

Alice, klassisch neurotischer Großstadtsingle (irgendwie läßt "Sex & The City" hier sehr grüßen), kauft per eBay das Singlekochbuch, das sie sich nicht traut, in einer "echten" Buchhandlung zu kaufen (bloß nicht zugeben, dass man "keinen abgekriegt" hat) von Alex. Es entsteht ein munterer Mail-Wechsel (der eigentlich nur einen schwindend kleinen Teil des Romans ausmacht; der Hauptteil gilt Alices neurotischen Freunden, Kollegen und Eltern), der Alices Welt ziemlich aus den Fugen reißt.

"Alice@Wonderland" ist nett. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Der durchaus vorhandene Humor ist mir zu versteckt. Dass die SAT1-Comedy-Tonne Markus Maria Profitlich sich im Klappentext berufen fühlt, ein "Superwitzig! Unbedingt lesen!" abzusondern, sollte zum einen eine Warnung sein und zum anderen darauf zurückzuführen sein, dass die Autoren des Romans ihre Brötchen sonst als Comedy-Autoren verdienen.

Kurz: Ein Buch wie ein Cheeseburger von McDoof - nicht schlecht, aber man ist nicht satt.

30 Jun 2005 Williams Sutcliffe: "Sexeck"

"Sex sells", das wissen auch die Verleger. Anders ist es nicht zu erklären, wie "The Love Hexagon" ins Deutsche verschlimmbessert wurde.

Sortieren wir mal das Soziogramm, das dieses Buch darstellt. Da hätten wir Guy und Lisa, das Vorzeigepaar. Keri, männermordende Freundin Lisas. Graham, Ladykiller-Wannabe und Kumpel von Guy. Helen, in Guy verknallt, trotzdem dessen beste Freundin und leicht depressiv. Und Josh, Arbeitskollege von Lisa und - natürlich - heimlich in sie verliebt.

Das ganze fällt im Verlauf dieses leichten, lakonisch bis witzig erzählen Romans einmal vom Tisch und wird neu zusammengesetzt - Happy End inklusive. Weltliteratur geht irgendwie anders. Aber für eine mittelprächtige Sommerkomödie, an deren Titel sich in zwei Jahren niemand mehr erinnert, würde es reichen.

28 Jun 2005 Gernot Gricksch: "Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe"

Wäre Gernot Gricksch Filmemacher anstatt Autor, würde er wohl Episodenfilme machen. Was vielleicht gar nicht mal das Schlechteste wäre.

Robert Zimmermann, im Computerspiele-Marketing tätiger Peter Pan mit Hang zum Kleckern, verliebt sich. In Monika, die in der Schnellreinigung mit charmant-bösem Humor sein besudeltes Jackett entgegennimmt. Das wäre an sich noch nicht spektakulär genug für einen Roman, wäre Monika nicht 15 Jahre älter als unser jugendlicher Held, seit Jahren alleinerziehende Mutter eines farbigen 17jährigen und ernsthaften zwischenmenschlichen Beziehungen mit Spätpubertierenden gegenüber höchst wehrhaft veranlagt.

Doch selbst das allein reicht noch nicht, um den Mann, der so heißt, wie Bob Dylan nur in seinem Ausweis heißt, zum Wundern zu bringen.

Es kommt hinzu, dass seine gutsituierten Eltern sich - natürlich, weil der brave Vater ein Verhältnis mit einer jungschen Trulla Mitte 20 hat - trennen, seine lesbische Schwester sich von ihrem Assistenten schwängern lässt, woraufhin sich ihre kampflesbische Freundin verdrückt, und sein Mitbewohner sich kopfüber in die Datinghölle der Kontaktanzeigenaufgebenden stürzt. Aber schließlich (was fast ein bißchen kitschig ist) wird doch alles gut.

Es ist nicht die Geschichte, die dieses Buch besonders fesselnd macht - es ist Gernot Gricksch, der so ziemlich alles hat, was jemand braucht, damit man von ihm sagen kann: "Der Mann kann einfach schreiben."

25 Jun 2005 Oliver Uschmann: "Hartmut und ich"

Noch so ein Alltags-Skurrilitäten-Roman mit leichtem "Das kenn ich"-Einschlag Marke Ilies oder Jochimsen.

Hartmut und der Ich-Erzähler teilen eine leicht baufällige Wohnung in einer leicht skurillen Nachbarschaft, haben seltsame Slacker-Hobbies, komische Freunde und machen dürftig entlohnte, mitunter abstruse Jobs oder philosophieren einfach so vor sich hin. Dass dabei ein Geflecht aus Absurditäten ensteht, dürfte klar sein.

Und so versammelt Uschmann einige witzige und weniger witzige Geschichten aus dem Alltag dieser WG. Durchaus lesbar, mitunter sogar unterhaltsam, leider nur selten originell. (Oder ich hab ganz einfach zu viele ähnliche Bücher gelesen. Mag auch sein.)