15 Dez 2007 147

Soeben habe ich zum ersten Mal ein Maximum Break live am TV miterleben dürfen. Gespielt hat es – natürlich, möchte man sagen – Ronnie O'Sullivan. Entscheidend aber ist in diesem Fall das wie und wann: Im entscheidenden 17. Frame des Halbfinales des Turnieres, für das es die zweitmeisten Ranglistenpunkte der Main Tour gibt, der UK Championship, beim Stande von 8-8 eines Spiels, in dem Ronnie die meiste Zeit (bis zum 8-7) gegen Mark Selby zurückgelegen hat. In diesem Frame ein großes Break zu spielen, erfordert schon Chuzpe. An der Stelle ein Maximum abzuliefern, das ist nicht so richtig von dieser Welt. Unglaublich.

07 Nov 2007 Noch so einer Brillenschlange

Schande über mich, ich habe im Blog gelogen. Ein Glück, dass ich es schlicht nicht besser wußte. Liu Song ist mitnichten der einzige Brillenträger auf der Main Tour. Auf Platz 83 des aktuellen Rankings tummelt sich Martin Gould, der ebenfalls mit Kiekscherben unterwegs ist, und das gar nicht mal übel, wie man am Montag (oder war's Sonntag?) sehen konnte, als er Matthew Stevens nach 0-3 Rückstand noch 5-4 aus der Northern Ireland Trophy warf.

19 Okt 2007 Mit Brille voll auf Angriff

Im Moment bzw. eigentlich im Moment nicht, denn im Moment ist Midsession Interval, aber grundsätzlich schon im Moment steht in Aberdeen beim Grand Prix ein junger Chinese namens Liu Song am Snookertisch, den ich spontan zu einem meiner Lieblingsspieler erklärt habe, als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe. Der Grund ist denkbar simpel: Liu Song ist ein Leidensgenosse, ein Bruder im Geiste – Liu Song spielt mit Brille.

Er ist der einzige Profi auf der Main Tour, der das tut – alle anderen spielen statt dessen mit Kontaktlinsen, was sicherlich völlig neutral betrachtet auch das einzig Wahre wäre, wenn man denn – und eben das ist bei mir nicht der Fall – ein Freund des Tragens von Kontaktlinsen ist.

Das Warum und Wieso spare ich mir – ich mag Kontaktlinsen nicht, Punkt. Warum aber behindert eine Brille beim Snooker? Weil man dabei mitunter so »flach« über dem Tisch liegt, dass man beim Anpeilen weit entfernter Bälle durchaus schon mal über den sehtechnisch nicht abgedeckten Brillenrand linst. Da hilft dann nur noch, den Kopf ein wenig höher zu nehmen und sich daran zu gewöhnen. So wie Liu Song, der allerdings zusätzlich auch noch lernen muss, dass man nicht jeden Ball lochen wollen kann.

17 Okt 2007 Snooker-Tipps III

Vor fast einem Jahr habe ich zum ersten Mal selbst an einem Snooker-Tisch gestanden. Abgesehen von termin- und urlaubsbedingten Pausen (wie im Moment) haben mein Spielpartner und ich dabei relativ regelmäßig einmal pro Woche etwa zwei Stunden am Tisch verbracht, und mittlerweile sieht das Monstrum gar nicht mehr so groß aus. Zwar stellt ein Break – also eine Reihe regelkonform gelochter Bälle – von 20 Punkten immer noch eine Herausforderung dar, die erst noch gemeistert werden will, aber immerhin bin ich selbst schon mehrfach nur hauchdünn daran gescheitert.

Die Lernkurve ist also steil beim Snooker, weshalb ich meinen bereits geposteten Snooker-Tipps einige weitere hinzufügen möchte:

  1. Vorsicht, Wirkung!
    Es ist verlockend, dem Spielball die sogenannte »Wirkung« mitzugeben und ihn damit wahlweise als Nach- oder Rückläufer (in sehr gewagten Fällen auch noch mit Seiteneffet) zu spielen. Es gibt Situationen, in denen es gar nicht anders geht, und irgendwann wird man auch an den Punkt kommen, an dem man Wirkung benötigt, um ein anständiges Positionsspiel aufzuziehen, den Spielball also so abzulegen, dass eine Fortsetzung des Breaks möglich wird.
    Man sollte allerdings – gerade am Anfang – bedenken, dass speziell Stöße mit extremer Wirkung stets besonders sauber ausgeführt werden müssen, ansonsten kommt es leicht zu unerwünschten Effekten (Stichwort: Abrutschen). Besonders wichtig für eine saubere Ausführung ist dabei das sogenannte »follow through«, also das »durch die Weiße gehen« des Queues.
  2. Stabile Brücke bauen!
    Die sogenannte »Brücke«, also die (bei Rechtshändern) linke Hand, die das Queue führt, ist eigentlich leicht zu bauen: Hand flach auf den Tisch, Finger gespreizt, Daumen angelegt, Handrücken ein Stück hochziehen, fertig. Das Dumme ist nur: Man ist nicht immer in einer Position, in der man die Hand komplett ablegen kann. Manchmal liegt der Spielball so nah an einer Bande, dass man gerade so eben die Fingerspitzen auf der Bande ablegen kann.
    Im Zweifelsfall sollte man in so einer Situation überlegen, ob nicht ein anderer Stoß möglich ist. Oft ist tatsächlich eine wackelige Brückenhand für einen mißlungenen Stoß verantwortlich. Ist kein anderer Stoß möglich, sollte man versuchen, die Brückenhand möglichst stark anzuspannen, um ihr so mehr Stabilität zu verleihen. Es empfiehl sich zudem, solche »haarigen« Brücken nur so kurz wie unbedingt nötig zu halten.
  3. Mythos grüne Kreide
    In einschlägigen Snooker-Foren kann man verschiedene Theorien und Vermutungen über die sogenannte »Snookerkreide« lesen – gemeint ist Tweeten Triangle Chalk green. Die einen vermuten, sie werde nur deshalb beim Snooker bevorzugt, weil grüne Kreidespuren auf dem grünen Tuch des Tisches weniger auffallen, die anderen schwören Stein und Bein, die Kreide sei aufgrund eines niedrigeren Gehaltes an Fett und/oder Wasser staubiger und daher leichter zu entfernen …
    Ich benutze mittlerweile auch Triangle green. Über die Zusammensetzung (ich habe mal gelesen, der Hersteller habe bestätigt, dass die Kreide sich in der Zusammensetzung nicht von der unterscheide) kann ich natürlich auch nur spekulieren, aber Fakt ist: Sie haftet weniger. Bälle und Tuch verschmutzen weniger stark und vor allem weniger nachhaltig. Man muss definitiv öfter nachkreiden, aber ich bilde mir ein, sie ließe sich auch leichter auftragen und nutze somit langsamer und gleichmäßiger ab, da man das Kreidestück nicht »in das Leder bohren«, sondern damit lediglich leicht über die Spitze streichen muss.

14 Okt 2007 Die neue Snooker-Ordnung?

Die Top 16 der offiziellen Snooker-Weltrangliste zeigen erste Anzeichen einer »neuen Ordnung« im Snooker – fünf der ehemaligen »jungen Wilden« haben sich in dieser Saison unter den bei Main Tour-Turnieren gesetzten Spielern etabliert. Shaun Murphy als Nummer 3 und Neil Robertson als Nummer 7 stehen dabei sogar unter den ersten Acht der Weltrangliste. Der chinesische Wunderspieler Ding Junhui als Nummer 9, Shooting-Star Mark Selby als Nummer 11 und der nach Krankheit wieder erstarkte Ryan Day als Nummer 16 runden den Ansturm auf die Weltspitze ab.

Unter besonderer Beobachtung dürfte dabei der junge Australier Robertson stehen, der nach zwei Siegen bei Ranglistenturnieren in der Vorsaison nun nicht nur viel gewonnen, sondern auch viel zu verlieren hat. Ähnlich unter der Lupe spielt der letztjährige WM-Finalist Selby, bei dem vor allem die Frage sein wird, ob er sein spektakulär-unterhaltsames Spiel in der Weltspitze fortführen wird. Ebenso ist die Frage, ob Selby weiterhin seine Emotionen am Tisch offen zur Schau stellen wird – beide Faktoren begünstigen seine Stellung als neuer Publikumsliebling.

Ebenfalls jung, aber noch nicht ganz in der Weltspitze angekommen sind Jamie Cope (derzeit Nummer 22 der Weltrangliste) und Mark Allen (Nummer 29), zwei hochgelobte Talente, die in dieser Saison sicherlich versuchen werden, es den bereits in die Top 16 vorgestoßenen jungen Kollegen nachzumachen. Speziell von Cope, der mit zwei Finalteilnahmen bei Ranglistenturnieren in der letzten Saison auf sich aufmerksam machte, wird nun erwartet, die Lobeshymnen mit Zählbarem zu belegen – eine ähnliche Aufgabe liegt auch vor Ding Junhui, der bei aller Faszination, die von seiner brutal abgeklärten Spielweise ausgeht, noch nicht die ganz großen Erfolge eingefahren hat.