08 Mai 2008 Alles Ronnie

Grandios, wie so ein Weltmeistertitel das Interesse an der Person steigert – von den Top 10 Suchbegriffen, die im Mai bislang zu diesem Blog führten, zeigen 7 die unterschiedlichen Arten und Weisen, wie man den Namen des neuen Snookerweltmeisters Ronnie O'Sullivan bei Google eingeben kann. Ich zähle allein 4 verschiedene Zeichen, die als Apostroph herhalten mussten …

(Aber hey, danke für den Traffic.)

12 Mär 2008 Snooker-Tipps IVb

(Fortsetzung von Snooker-Tipps IVa)

Snooker ist ein technisch sehr anspruchsvoller Sport, bei dem jedoch nicht alles rein von der Technik abhängt. Mindestens ebenso wichtig ist es, taktisch klug zu spielen. Auch in diesem Bereich spielen mehrere Faktoren eine Rolle, die sich parallel zueinander entwickeln.

Eine der größten Herausforderungen für Anfänger am Snooker-Tisch ist es, das Bild zu erhalten, sprich: Idealerweise die Farben möglichst lange auf ihren Aufsetzmarken (»Spots«) liegen zu lassen und auch den Pulk der Roten (»Pack«) nicht krachend zu öffnen, wie es beim Pool üblich ist, sondern nach und nach Rote zu lösen. Beides klappt an und für sich bei mir recht gut, aber leider nur für eine begrenzte Zeit (wobei das natürlich nie allein im eigenen Spiel, sondern auch in dem des Gegenspielers liegt). Man sollte sich meines Erachtens dennoch bemühen, das Bild möglichst lange »heil« zu lasssen – wild über den Tisch verteilte Bälle machen das Spiel unübersichtlich und schränken zudem taktisch ein.

Den größten Schaden kann man in dieser Hinsicht bereits beim Anstoß anrichten, speziell dann, wenn man das Pack zu voll trifft. Hier gilt es zum einen, den richtigen Anspielpunkt (üblicherweise eine der Roten aussen am breiten Ende des Packs) zu wählen; des weiteren muss man aufpassen, auf dem Rückweg vom Pack, welcher ggf. über drei Banden läuft, nicht an Blau oder gar an umherrollenden Roten hängen zu bleiben. Auch das klappt mittlerweile in den meisten Fällen ganz passabel. Speziell beim Anstoß kann man übrigens meines Erachtens sehr gut lernen, den effektiv nötigen Kraftaufwand einzuschätzen – es braucht gar nicht viel Kraft, um wieder an die Fußbande zu gelangen …

Wichtig, aber angesichts der Tendenz im modernen Snooker, offensiv und aggressiv zu spielen, oft unterschätzt ist das Safety-Spiel, also das sichere Ablegen des Spielballs beim Ausstieg aus einem Break. Auch das klappt mittlerweile recht gut und hängt in erster Linie vom Gefühl für Geschwindigkeit und Kraftaufwand, aber auch von der Orientierung auf dem Tisch ab. Speziell das Safety-Spiel kann durch ein »kaputtes« Bild massiv erschwert werden – in den meisten Fällen wird eine Safety so aussehen, dass man den Spielball über einen Objektball aus der Kopfhälfte des Tisches zurück hinter die »kleinen« Farben (Gelb, Grün, Braun) schickt, was naturgemäß schwierig ist, wenn diese nicht auf den Spots liegen. Gerade auf Anfängerlevel ist eine Safety oft eine gute Alternative zu einem schwierigen Ball, daher sollte man diese Option nicht abschätzig als defensives Spiel einstufen.

28 Feb 2008 Snooker-Tipps IVa

Schon in den letzten Snooker-Tipps erwähnte ich, dass die Lernkurve beim Snooker äußerst steil ist. In letzter Zeit stelle ich immer wieder fest, dass sie nicht nur steil ist, sondern sich auch aus mehreren Komponenten zusammensetzt, die sich leider nicht immer analog weiterentwickeln. Kommen wir zunächst mal zum technischen Teil des Spiels.

Erfolgreiches Snooker setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen, die selbst von verschiedenen Komponenten abhängen. Da wäre zunächst mal das sichere Lochspiel, also das reine Versenken von Kugeln. Dieses ist eine Kombination aus dem richtigen Winkel bzw. Anspielpunkt des Objektballs – der zu lochenden Kugel – und dem korrekten Krafteinsatz. Den Kraftaufwand kriege ich persönlich nach der Formel »weniger ist oft mehr« mittlerweile immer besser hin. Zudem gilt meist: Je schwieriger der Stoß, umso angebrachter ist es meistens, den Ball so zu spielen, dass er knapp die Tasche erreicht und auf der Kante der Tasche durch den eigenen Schwerpunkt fällt. Manchen knappen Stoß kann man so eher retten. Der korrekte Winkel bzw. Anspielpunkt hingegen ist etwas, das schlicht (Tisch-)Zeit braucht. Hierbei geht es einfach darum, soviele »Musterlösungen« wie möglich abrufbereit parat zu haben und auf die natürliche Fähigkeit, zu zielen, zu vertrauen.

Reines Lochspiel allein bringt im Snooker wenig, es muss um das Positionsspiel ergänzt werden, also die Fähigkeit, den Spielball nach einem Pot so abzulegen, dass auch der folgende Stoß erfolgreich gelocht werden kann und man nicht über eine Safety aus dem Break aussteigen muss. Im Idealfall gelingt dies bereit über den richtigen Krafteinsatz und den sogenannten »natürlichen Winkel«, aber dieser Idealfall ist denkbar selten. Normalerweise wird man gezwungen sein, über die sogenannten Wirkung, also den Einsatz von Stoppball, Rückläufer, Nachläufer oder Effet, den Laufweg des Spielballs nach dem Kontakt mit dem Objektball zu »verbiegen«. Snooker-Coach Terry Griffith hat mal gesagt, so lange Spieler nicht regelmäßig Breaks von 40-50 Punkten spielen, sollten sie auf den Einsatz von Effet (links oder rechts) verzichten. Daran halte ich mich bislang meist, und ich halte diesen Rat auch für sinnvoll. Rück- und Nachläufer ermöglichen es ebenfalls, den Abprallwinkel der Weißen zu beeinflussen, zudem sind diese Wirkungen bereits schwierig genug zu erlernen, da sie stark von der sogenannten Stoßqualität, also der technisch sauberen Ausführung, abhängen.

So weit zu den technischen Faktoren. Der nächste Eintrag zum Thema wird sich mit taktischen Elementen befassen.

13 Feb 2008 Top 16 - Der tiefe Fall

Die Top 16 der offiziellen Weltrangliste im Snooker genießen auf der Main Tour einen besonderen Status – sie sind auf allen Ranglistenturnieren der Saison für die erste Hauptrunde gesetzt, in der sie auf einen Qualifikanten treffen. Eine Position in den Top 16 ist mehr als nur eine Prestigefrage, sie garantiert auch zumindest eine minimale Punktzahl bei jedem Ranglistenturnier.

Diese offizielle Rangliste basiert auf den Wertungen der letzten zwei Spielzeiten. Aktuelle Veränderungen in Wertung und Positionen kann man anhand des sogenannten Provisional Ranking, einer stetig aktualisierten Momentaufnahme der Rangliste verfolgen. Im Moment sieht man dort das große Abstürzen.

Mark Williams, Stephen Lee und Steve Davis (offiziell Platz 12, 13 und 15) sind im Provisional bereits aus den Top 16 gefallen, Ken Doherty – Nummer 4 der offiziellen Rangliste – liegt derzeit denkbar knapp auf Rang 16. Neu bzw. zurück in den Top 16 des Provisional sind Matthew Stevens, Marco Fu und Joe Perry. Williams steht im Provisional derzeit auf Rang 33, Lee auf 25 und die lebende Legende Steve Davis auf 27. Noch heikler ist die Lage der ehemaligen Weltklassespieler Jimmy White (Provisional: derzeit 60), James Wattana (Provisonal: derzeit 62) und Tony Drago (Provisional: derzeit 69).

Williams hat bereits angekündigt, sein Queue an den Nagel hängen zu wollen, sollte er in der neuen Weltrangliste außerhalb der Top 32 landen (was bedeuten würde, dass er bei den unbeliebten Qualifikationsturnieren in Prestatyn antreten müsste). Drago hat ebenso wie Wattana bereits jetzt den Platz auf der Main Tour verloren. Beide sind aus den Top 64 gefallen, können aber in dieser Saison keine Punkte mehr sammeln und müssten somit im kommenden Jahr auf eine Wildcard hoffen.

Zwei ehemalige Weltmeister sind weitere Kandidaten für einen Absturz zumindest aus den Top 16: Stephen Hendry und Graeme Dott. Beide spielen seit geraumer Zeit weit unter ihren Möglichkeiten, haben demzufolge in der laufenden Saison denkbar wenig Punkte holen können. Mit Jamie Cope und Mark Allen lauern junge, hungrige Spieler auf den Plätzen 18 und 19 des Provisional, aber auch »altgediente Recken« wie Ian McCulloch, Dominic Dale und Fergal O'Brien haben zumindest rechnerisch noch Chancen auf einen Platz an der Sonne.

20 Jan 2008 Ein paar Gedanken über den Masters-Sieger 2008

Wer es nicht gesehen hat: Wir sprechen über Mark Selby, der seinem neuesten Spitznamen »Marvellous« (»Wunderbar«) heute abend beim 10-3 über Stephen Lee alle Ehre gemacht hat, indem er alle 5 Frames der Evening Session gewann. Und zwar mit beeindruckendem Snooker, was ihn endgültig zum neuen Publikumsliebling und -magneten neben Ronnie O'Sullivan gemacht haben dürfte – sowohl im Wembley beim Masters als auch im Allgemeinen.

Für meinen Geschmack unterscheidet sich dieser Mark Selby sowohl von dem, der im letzten Jahr erst als dritter ungesetzter Spieler ins Finale der Weltmeisterschaft vordringen konnte (wo er bekanntlich John Higgins unterlag), als auch von dem, der bei der UK Championship denkbar knapp gegen sein Alter Ego O'Sullivan verlor. Bei der WM 2007 war Selby ein Rohdiamant, dem noch sehr viel eher sein anderer Nickname »The Jester from Leicester« gut zu Gesicht stand. Sein Spiel war längst noch nicht ausgearbeitet und abgerundet, er dürfte damals durchaus vom Außenseiterstatus profitiert haben und fiel vor allem durch seine Späße und Grimassen auf.

Bei der UK Championship war deutlich eine seiner Stärken, die er anscheinend seit der letzten Saison noch weiter ausgebaut hat, zu bewundern: Safety-Spiel. Eine Taktik, die zum einen gegen Marco Fu zum längsten jemals im TV übertragenen Frame eines Ranglistenturniers führte, die zum anderen gegen O'Sullivan im Finale lange erfolgversprechend schien und doch letztlich nicht reichte, um das Finale zu gewinnen.

Aber Selby hat es scheinbar nicht dabei bewenden lassen, sein Safety-Spiel bis nahe zur Unlösbarkeit zu perfektionieren – beim Masters war ein sehr kompletter Selby zu sehen, der durchaus nach wie vor schwierige Stöße gründlich durchdachte, aber auch in der Lage war, hohe Breaks nicht nur zu spielen (er beendete das Turnier mit dem höchsten Break des Turniers), sondern sie auch durch wohlüberlegtes Positionsspiel flüssig aufzubauen.

Mark Selby wird keine Eintagsfliege sein, und er ist weit mehr als ein skurriler Showman, dem die Herzen der Damen zufliegen. Er ist offensichtlich auf dem besten Weg, ein kompletter und abgerundeter Spieler zu werden, der alle Facetten des Spiels beherrschen will und gleichzeitig unterhaltsam für das Publikum spielt. Möge die Übung gelingen.