18 Apr 2007 Eine Befürchtung zur Snooker-WM

Am Samstag startet in Sheffield die Weltmeisterschaft im Snooker, und es steht zu befürchten, dass der – mir höchst unsympathische – Schotte Graeme Dott seinen Titel verteidigen wird. Allerdings begründet sich diese Befürchtung nicht damit, dass Dott rechtzeitig zur WM die Umstellung auf ein attraktiveres, offensiveres Spiel abgeschlossen zu haben scheint und sich mit dem Sieg bei den China Open das nötige Quentchen Selbstvertrauen geholt hat. Ebensowenig war Dott der dominante Spieler der Saison 2006/07 – er holte seine Ranglistenpunkte exakt so, wie er früher Punkte in einem Match machte: häppchenweise.

Dott hat schlicht eine sehr günstige Auslosung erwischt. 32 Spieler treffen in den 16 Spielen der Auftaktrunde aufeinander. Den Turnierbaum der WM kann man in vier Viertel unterteilen, aus denen je ein Halbfinalist ermittelt wird. Dotts härteste Gegner in seinem Viertel sind auf dem Papier Marco Fu, Stephen Maguire und Mark Williams, der jedoch in dieser Saison komplett ausser Form agiert. Ich würde in diesem Viertel auf ein rein schottisches Viertelfinale Dott gegen Maguire tippen, welches Dott vermutlich für sich entscheiden könnte.

Das zweite Viertel ist die »Todesgruppe« dieser WM – hier tummeln sich John Higgins, Barry Hawkins, Neil Robertson, Ryan Day, Ronnie O'Sullivan und Ding Junhui. O'Sullivan hat mit seinem Erstrundenmatch gegen Ding, nach dem er auf Robertson oder Day treffen würde, die absolut brutalste Auslosung erwischt und sich darüber auch bereits verstimmt geäußert. Der Sieger dieser »Todesgruppe« träfe im Halbfinale auf den amtierenden Weltmeister, so Dott sein Viertel übersteht. Einen Tipp wage ich hier nicht, dafür sind in diesem Viertel zu viele »Wackelkandidaten« – kommen die jungen Leute wie Robertson, Day und Ding mit den langen Framedistanzen bei der WM klar? Kann Ronnie O'Sullivan sich ein letztes Mal in dieser Saison psychisch zusammenreißen? Findet John Higgins seine Turnierform?

Die untere Hälfte ist weit »klarer« sortiert, obwohl es natürlich bei einer WM keine leichten Gegner gibt. Dennoch gehe ich ziemlich fest davon aus, dass im dritten Viertel die favorisierten Ken Doherty, Matthew Stevens, Steve Davis und Shaun Murphy ihre Auftaktmatches gewinnen werden. Mein Kandidat für das Halbfinale wäre hier Shaun Murphy, obwohl ich Steve Davis die Daumen drücke. Im vierten Viertel schließlich sollten Peter Ebdon, Allister Carter und Stephen Hendry ebenfalls klare Auftaktsiege erzielen können, einzig Stephen Lee könnte gegen Mark Selby Schwierigkeiten bekommen. Mein Halbfinalkandidat in diesem Viertel wäre Peter Ebdon – obschon Stephen Hendry bei der WM immer ein besonderer Kandidat ist, auch wenn seine Saison bislang eher durchwachsen verlaufen ist. Kriegt er seine Konzentrationsprobleme in den Griff, könnte er ein harter Gegner sein.

02 Apr 2007 Vor der WM ist vor der WM

Noch etwas weniger als drei Wochen, dann beginnt im ehrwürdigen Crucible Theatre zu Sheffield der Höhepunkt – und gleichzeitig das Ende – der Snookersaison: Die Weltmeisterschaft. Titelverteidiger ist der mir trotz seiner Umstellung auf ein attraktiveres Spiel immer noch unsympathische Schotte Graeme Dott, der im letzten Jahr Peter Ebdon in einem Marathonfinale in die Knie zwang. Dott ist zudem frisch gebackener Champion der China Open.

Zeit für einen Saisonrückblick – wer gewann welches Main Tour-Turnier der laufenden Saison?

Bei den größeren Einladungsturnieren, die aber keine Ranglistenturnieren sind, sah es wir folgt aus:

Das provisional ranking ist leider noch auf dem Stand vor den China Open, nach dem Ken Doherty vor Graeme Dott und John Higgins führt – das dürfte sich nun zu Gunsten von Dott verschoben haben. Graeme Dott kommt also als Nr. 1 des provisional und mit dem frischen Titel der China Open zur WM, wo er Titelverteidiger ist … das erzeugt zum einen Druck, zum anderen ist es eine beeindruckende Vorlage. Subjektiv hatte ich eher das Gefühl, es sei keine allzu gute Saison für Dott gewesen.

Geht man nach Finalteilnamen bei Ranglistenturnieren, ist die »junge Garde« gut dabei, namentlich Neil Robertson mit zwei Turniersiegen, Jamie Cope mit zwei Finalniederlagen und Ding Junhui mit einem Sieg und der Niederlage im Masters. Allerdings haben junge Spieler bei der WM traditionell eher Schwierigkeiten mit den langen Matches, was speziell Cope auch zum Ende der China Open hin bereits zu schaffen machte. Am ehesten wäre aus dieser Gruppe dem Australier Robertson etwas zuzutrauen, der seine bislang beste Saison krönen könnte.

Die »alten Hasen« hatten ein eher schwieriges Jahr in puncto Turniersiege, dennoch könnte bei Ebdon, Hendry und O'Sullivan wie auch bei Higgins und Doherty die Erfahrung mit den langen Framedistanzen bei der WM ein entscheidender Faktor sein. O'Sullivan hat allerdings eine extrem schwere Auslosung – er trifft in der Autaktrunde bereits auf Ding und dann eventuell bereits auf Robertson. Ebdon könnte in der zweiten Runde bereits auf Stephen Lee treffen, der stets für eine Überraschung gut ist.

30 Mar 2007 China Open 2007: Die Viertelfinals

Die Viertelfinalbegegnungen bei den China Open stehen – meine Tipps lagen gerade mal zu 50% richtig, und nun möchte Eric im Snookerblog weiter tippen. Okay, ich bin dabei:

  • Jamie Cope – Shaun Murphy
    Schwierig. Cope ist in wirklich guter Form, aber noch jünger und unerfahrener. Murphy hat sein Spiel seit seinem WM-Titel vor zwei Jahren sehr zielgerichtet verbessert und in dieser Saison bereits einige starke Leistungen gezeigt.
    Mein Tipp: Shaun Murphy.
  • Barry Hawkins – Ken Doherty
    Auch nicht ohne. Beide Spieler haben sich bisher kaum Blöße gegeben, auch wenn Hawkins beim Sieg über Lokalmatador Ding Junhui über die volle Framedistanz gehen mußte. Da anscheinend auch sein 5-0 über Joe Swail keine ganz klare Sache war, lautet
    Mein Tipp: Ken Doherty
  • Marco Fu – Ronnie O'Sullivan
    Sehr interessant. Fu ist in Hochform, hat bereits Stephen Hendry und Matthew Stevens ausgeschaltet. Ronnie hingegen fühlt sich in Peking sichtlich nicht wohl und mußte gegen Ali Carter überraschend über die volle Distanz. Es würde mich nicht wundern, wenn Fu ihn packen würde, trotzdem
    Mein Tipp: Ronnie O'Sullivan
  • John Higgins – Graeme Dott
    Schwer zu tippen, ich habe beide Spieler in China noch nicht am Tisch gesehen (ich schalte auch heute erst ein, wenn ich diesen Post beendet habe), aber Dott scheint in Hochform zu sein. Speziell sein deutlicher Sieg gegen Neil Robertson belegt das. Da Higgins bisher null Probleme hatte (und ich Dott nicht mag):
    Mein Tipp: John Higgins

28 Mar 2007 Chinese Marketing

Bei einigen Turnieren der Main Tour, die außerhalb der üblichen Snooker-»Mutterländer« stattfinden, ist es üblich, Wildcards an lokale Amateure zu vergeben, um diesen die Chance zu geben, sich in internationalem Wettbewerb zu präsentieren – und natürlich auch, um die lokalen Zuschauer anzulocken. Das ist z.B. bei den China Open oder beim Malta Cup üblich, und natürlich ist es durchaus legitim, bringt es doch – im Erfolgsfall – frischen Wind in die Snookerwelt.

Es hat natürlich den Haken, dass z.B. auch auf den sogenannten »TV tables«, also den Tischen, deren Partien im Fernsehen übertragen werden, vornehmlich die Spiele mit Lokalkolorit zu sehen sind, was bei den China Open bedeutet, dass so ziemlich jede Begegnung des chinesischen Snookerhelden Ding Junhui übertragen wird. Nichts gegen Ding, aber das erinnert mich doch sehr an die 90er, als alles, was man an NBA-Basketball im TV sah, Spiele der Chicago Bulls um Michael Jordan waren. Heute hätte ich persönlich z.B. die Partie Anthony Hamilton gegen Mark Selby weit interessanter gefunden.

So kann der TV-Zuschauer also nur als Aufzeichnung verfolgen, wie Jamie Cope überraschend deutlich (5-1) China Open-Titelverteidiger Mark Williams aus dem Turnier warf und dabei knapp ein Maximum Break verfehlte. Dass es Stuart Bingham gelang, Altmeister Steve Davis auszuschalten (5-4), erfährt man lediglich über den Eurosport-Liveticker.

27 Mar 2007 Glückskekse oder asiatische Snookerarmee?

Die China Open 2007 werden zusehends zu einem asiatischen Großangriff auf die Snookerwelt. Nachdem überraschend bereits 5 von 8 Wildcardspielen an die Asiaten gingen und Ding Junhui (das allerdings erwartungsgemäß) sein letztes Qualifikationsmatch gegen Adrien Gunnell gewann, ist heute morgen MEZ der amtierende Weltranglistenerste Stephen Hendry gegen Marco Fu mit 4-5 ausgeschieden. Ergänzend hat soeben der erst 16jährige Chinese Liu Chuang seinem Idol Ronnie O'Sullivan den ersten Frame relativ deutlich abgenommen.

Natürlich haben zumindest die chinesischen Amateure (Fu stammt aus Hongkong, er und Ding verbringen die Saison aufgrund der dort stattfindenden Turniere in Europa) einen gewissen Heimvorteil – sie sind nicht dem Jetlag ausgesetzt und genießen die Unterstützung des heimischen Publikums. Dennoch waren diese Ergebnisse so nicht zu erwarten. Can you say »schlafender Riese«?