11 Jun 2007 Neues für die Ohren

Ein Bekannter von mir kauft nach eigenem Bekunden seit Jahren keine CDs von bereits bekannten Bands mehr – wohl aber von noch unbekanntem, unterstützenswertem Musiknachwuchs. Der lokale Radiosender delta betreibt zu ähnlichem Zwecke eine Musikplattform namens Indiecator, durch die ich mich gestern mal gewühlt habe. Und in der Tat findet man dort nicht nur alte Bekannte, mit denen man schon selbst zusammen Gigs gespielt hat, sondern auch schlicht und einfach begabte Musiker. Kleine Auswahl?

  • Mission To Mars aus Münster, die dank einer Abstimmung auf delta nun auf der Kieler Woche spielen dürfen. Melodische, punkige, abwechslungsreiche Mucke mit mehrstimmigem Gesang – Emo wüde ich nicht sagen, aber in der Nähe. Erinnert entfernt (nicht nur wegen der klassischen Triobesetzung) an Police.
  • Tequila & The Sunrise Gang aus Kiel (das sind die alten Bekannten), die es fertigbringen, dass selbst ich, der ich Reggae/Ska ansonsten meide wie der Teufel das Weihwasser, begeistert mit dem Fuss wippe
  • Chinese Whisper aus Lübeck, die mich in Musik und Werdegang arg an Dashboard Confessional erinnern – leicht melancholisch und doch treibend

Die indicator-Platform bietet noch weit mehr frische Musik und hat auch ansonsten eigentlich nur den einen Nachteil, dass für einen Upload eigener Songs eine »Bearbeitungsgebühr« von meines Erachtens unverschämten jeweils zehn Euro erhoben wird.

03 Jun 2007 Eines schönen Tages

Überhaupt, One Fine Day. Sind die eigentlich mittlerweile überregional bekannt? delta spielt die ja rauf und runter, seitdem sie im Finale vom John Lennon-Talentaward standen …

Ich hatte ja mal das Vergnügen, die Herren vor Jahren auf einer Geburtstagsparty sehen zu dürfen – da war es noch spaßiger Griffbrettschrubber-Punk mit No-Angels-Cover, von Emo keine Spur und die Bandwebseite sah noch arg selbstgezimmert aus. Mittlerweile laufen sie im Radio, vermutlich sogar auf EmmTehVau und spielen bei Rock am Ring, aber ich find's irgendwie fade.

Sind die jetzt alt geworden oder ich?

22 May 2007 Keep On Rockin' In A Free World

Mache Leute geben ja irgendwann einfach auf. Für die jüngeren Leser dieses Blogs wird es eine erschreckende Vorstellung sein, die etwa so weit weg erscheint wie erschwingliche Reisen zum Mars, aber es ist wahr – irgendwann werden diese ganzen langhaarigen Bandshirt-Träger alt. Sehr alt. Dreißig. Und dann geben sie auf. Sie räumen ihre Platten mit bösartiger Rockmusik nach hinten ins Regal, stellen die gesetzteren Blues- oder Jazz-CDs nach vorne, kaufen Möbel bei IKEA und hören RSH.

Ich habe, wohlgemerkt, weder etwas gegen Blues noch gegen Jazz, noch nicht einmal gegen RSH an sich. Gegen IKEA schon, aber das ist bekannt und irgendwie eine andere Geschichte. Aber liebe Leute, man kann doch nicht einfach aufhören! Wo soll das hinführen? Nur weil Ihr dreißig seid und den Bausparvertrag, den noch Eure Eltern abgeschlossen haben, in ein kleines Häuschen im Grünen umgesetzt habt, weil der Hund mehr Auslauf braucht und Mutti mal wieder schwanger ist, müsst Ihr nicht aufhören, anständige Musik zu hören! Und schon gar nicht müsst Ihr, wenn man Euch stolz das eigene Demo vorspielt, irritiert dreinblicken und einen Kommentar wie »Schon ganz gut, aber … eigentlich hör' ich ja nicht mehr so laute Musik.« rausstottern, während Ihr am Küchenradio RSH sucht. Das geht so nicht.

Ich bin weiß Gott kein glühender Stones-Fan, aber selbst Mick Jagger rockt mit schätzungsweise 100 Jahren immer noch, auch wenn er dabei zusehends lächerlicher wirkt und mittlerweile nach einem Konzert am Bühnenrand vom vorgewärmten Strickjäckchen in Empfang genommen wird. Angus Young spielt immer noch in kurzen Hosen Gitarre, ZZ Top sind immer noch die Band, die am längsten in Originalbesetzung zusammenspielt. Undsoweiter undsofort. Die können das auch, und nicht wenige von ihnen haben diverse Blagen quer über den Erdball verteilt und gleich mehrere Häuschen im Grünen, von Hunden ganz zu schweigen.

Man kann sich die Haare abschneiden, man kann die ollen Bandshirts gegen was Sauberes eintauschen, man kann Kinder bekommen, sich Hunde zulegen und zur Not sogar ein Häuschen im Grünen bauen. Nichts, aber auch gar nichts davon bringt mit sich, dass man ab sofort angerockte Volksmusik oder aufgepoppten Schlager hören muss. Ich erinnere nur an eine ehemalige Mitschülerin von mir, die ihrem hochschwangeren Bauch die Walkmankopfhörer überstülpte und mit dem Kommentar »Besser, es gewöhnt sich schon mal dran.« Megadeth auf volle Möhre aufdrehte. That's the spirit!

11 Apr 2007 River, Stone, Valleys, Eat

Das sind die Titel der vier Songs, die wir Karfreitag aufgenommen haben. Heute morgen sind diese per Post fertig abgemischt auf CD eingetrudelt – scheinbar war Benno über Ostern fleißig :-)

Jetzt aber bitte nicht drängeln, es wird noch ein paar Tage dauern, bis die Songs im Netz stehen. Vorher muss ich die Bandwebseite nochmal überarbeiten und das Ergebnis der Aufnahmen mit meinen Bandkollegen zerpflücken – so sind wir Musiker halt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir nicht 100%ig zufrieden sein werden, aber so ist das nun mal einfach … ;-)

08 Apr 2007 Roh

Im Moment betreibe ich aktiven Masochismus für Musiker – ich höre einen Rohmix eines der vier Songs, die wir Karfreitag aufgenommen haben.

Wat is en Rohmix? Da stellen wir uns erstmal janz dumm. Was macht man beim Mischen? Man regelt, sehr vereinfacht gesagt, die einzelnen Instrumente individuell nach, stimmt sie aufeinander ab und legt ggf. verschiedenste Formen von Effekten darüber, damit alles hübsch klingt. Und was ist nun ein Rohmix? Das ist, wenn man das Ganze mal eben schnell-schnell macht, damit die ungeduldigen Musiker schon mal was zu hören und zum dran rumnörgeln haben.

Und wieso ist das nun Masochismus? Tja.

Zunächst mal ist es für Musiker allgemein Quälerei, das eigene Zeug aufgenommen zu hören, weil man weiß, wie es perfekt klänge, was es aber nie ist, was letztlich gut ist. So ungern ich Grönemeyer zitiere, aber »Stillstand ist der Tod«. Trotzdem hört man – speziell bei sauberen Studioaufnahmen – wirklich jeden noch so kleinen Furz von Fehler, und das nervt, weil man am eigenen Können zweifelt und sich nicht wirklich daran freuen kann. Da hilft es auch nicht wirklich, wenn jemand, der nicht daran mitgewirkt hat, es hört und »Wieso? Ist doch super!« sagt – weshalb man das mit Rohmixen auch nicht macht.

Zum anderen kribbelt und hibbelt es in einem, weil man den »fertigen« Mix hören will, und zwar von allen Songs, und nicht immer nur den einen immer und immer wieder …