13 Dez 2007 Take The Power Back

Vorhin zufällig im Radio gehört: Rage Against The Machine haben zumindest in Form von sporadischen Konzerten wieder zueinander gefunden und sind als einer der Headliner für Rock am Ring und im Park 2008 bestätigt.

Ich für meinen Teil kann mich da ja entspannt zurücklehnen – ich habe RATM live gesehen: Im Juni 1993 auf dem Großmarktgelände Amsinkstraße in Hamburg.

Damals waren sie allerdings noch kein Headliner – das waren Faith No More mit einer Nasenlänge vor Iggy Pop. RATM spielten, wenn ich mich anhand einer leicht zerschlissenen Eintrittskarte richtig erinnere, als dritte Band nach Monster Magnet, aber noch vor den Levellers, was auch immer die dort zu suchen hatten (dazu kamen noch The Wonder Stuff, Suicidal Tendencies, Living Colour und Anthrax; damals gingen Festivals manchmal nur einen Tag, Kinder).

Wenn die nicht alles verlernt haben, und zu der Annahme besteht angesichts dessen, was drei von ihnen zusammen mit Cornell bei Audioslave abgeliefert haben, eigentlich kein Anlass, dann lohnt sich das auf jeden Fall. Trotzdem der »amtliche« Sound von RATM live nur schwierig 1:1 zu reproduzieren ist, kommen sie ihren eigenen Aufnahmen verdammt nahe und spielen dabei dermaßen auf den Punkt, wie ich es sonst nur bei Tool bestaunen durfte.

Und endlich mal wieder ein guter Grund, mit unserem Gitarristen in eine sinnbefreite Endlosdiskussion einzusteigen, ob RATM sich besser nach ihrem markerschütternden ersten Album aufgelöst hätten (meine bescheidene Meinung) oder ob ihr erstes Album Murks ist, aber die Alben danach gut sind (seine, aber er hat keine Ahnung).

11 Dez 2007 The Song Remains The Same

Sie haben es getan. Led Zeppelin haben nicht nur wieder ein Konzert gespielt – sie haben auch die älteste Regel des Gitarrenantestens ignoriert: »NO STAIRWAY!!«

11 Dez 2007 Vorweihnachtliches aus der CD-Abteilung

Ich hätte es besser wissen sollen, aber so ist das nun mal mit Männern: Nachdem wir gefühlt stundenlang der besseren Hälfte dabei zugesehen haben, wie sie mit der Geduld eines sturmerprobten Seemanns eine Hose nach der anderen anprobiert und nebenbei noch Zeit findet, nach passenden Oberteilen zu spähen (Männer haben übrigens keine Ahnung von Oberteilen. Erschütternd, oder?), zieht es uns zum Männerspielzeug.

Mann hätte besser einen großen, weiten Bogen um die CD-Abteilung des Mädchen-Marktes gemacht, aber was soll's? Natürlich biegen sich die Regale dort um diese Jahreszeit unter Best-of-CDs und Samplern, die die Welt nicht braucht – wie jedes Jahr. (Deutlicher Trend in diesem Jahr: Best-of-CDs, auf denen das Beste fe lt.)

Wahrhaft erschreckend und ein deutliches Zeichen fortschreitenden Alterns aber ist die Erkenntnis, dass etliche Alben, die »zu meiner Zeit« als Muss in jedem guten CD-Regal in Stein gemeißelt waren, mittlerweile verramscht werden. Nirvanas Nevermind, Pearl Jams Ten, mittlerweile werden Tonträger scheinbar schneller günstig als Kinofilme auf DVD erscheinen. Ein deutliches Zeichen, dass es der Musikindustrie schlecht geht.

Wie sonst kann man auf die Idee kommen The Shape Of Punk To Come für einen lumpigen Zehner herzuschenken, aber für die jüngsten Ergüsse merkbefreiter Europop-Deppen den vollen Preis zu verlangen? Fürchtet Euch nicht, das Ende ist nahe!

27 Nov 2007 Das Leben ist eine Baustelle

Nebenan wird immer noch versucht, zu retten, was von der alten Küche übrig blieb. Gegenüber wird Energie gespart, damit mehr Miete rein kommt. Und in all dem Krach soll der Mensch dann arbeiten …

Dagegen hilft nur eins, und zwar die »Top 5 Ruhestörungs-Songs, die man unbedingt LAUT hören muss«:

  1. Refused – New Noise
  2. Therapy? – Stop It You're Killing Me
  3. Anthrax feat. Public Enemy – Bring The Noise
  4. AC/DC – Hard As A Rock
  5. Monster Magnet – Heads Explode

(Korrekterweise hätte Pump Up The Volume von M.A.R.R.S. mit hinein gehört. Leider hier nicht in der Sammlung vorhanden. Schlamperei.)

23 Nov 2007 Originalität? Austauschbar.

Gestern abend zappte zufällig in den Schnelldurchlauf von Stefan Raabs Talentcasting. Jeder dieser Leute, die ich dort sah, mag ein individuelles Gesangstalent sein, keine Frage. Zudem sicherlich begabter als die Kandidaten in vergleichbaren Castingshows, auch keine Frage. Aber: Eines haben sie alle gemein, die Gesangstalente der Republik – sie sind austauschbar, sie sind wenig bis gar nicht originell, sie entsprechen einem Muster.

Das sieht man den Etheridge-Klon, die Morissette-Analogie, den Hetfield-Imitator etc. pp. In einer Welt, die vom Schubladendenken der Menschheit lebt, ist das vermutlich nicht nur nicht verwunderlich, sondern aus Sicht des Talents sogar noch empfehlenswert. »Hey, aus Dir machen wir den deutschen Robbie!«

Die wahre Dramatik dahinter ist doch, dass für dieses Phänomen, welches es in der Musikbranche schon immer gab, zusehends »Ausweitung der Kampfzone« gilt. Man nenne mir bitte eine neue Band, die in den letzten, sagen wir mal, 4 Jahren ihr erstes Album veröffentlich hat, die originell ist, ihren eigenen, individuellen Stil hat. Billy Talent zählen nicht. Wird eng, hm? Ich kann hingegen aus dem Stand ein halbes Dutzend Bands aufzählen, die nahezu beliebig austauschbar sind.

Aber was weiß ich schon. Vielleicht werde ich einfach nur alt und habe zuviele Riffs schon mal irgendwo gehört …