25 Sep 2008 Kennt auch keiner: Hammerbox

Wenn ich es richtig erinnere, hat Hammerbox mal ein längst verschollener Kumpel in einer Grabbelkiste in einem CD-Laden gefunden. Ein Blindkauf für kleines Geld entpuppte sich als das großartige Album Numb, welches ich – pre-Filesharing – jahrelang als abgenudeltes Tape hortete, ehe ich es digital auftreiben konnte.

Numb ist großartiger, punkiger Grunge, angetrieben von einer der schönsten Frauenstimmen überhaupt: Carrie Akre. Eine Frau, die genau die Schaufel Rotz und Dreck in der Stimme hat, die man für Rockmusik braucht. Sie kratzt, sie beißt, sie tritt um sich. Und sie macht mittlerweile Soloplatten. Wo ist meine amazon-Wunschliste?

22 Sep 2008 Horses

Beim grandiosen Album Horses von Patti Smith bin ich mir ja immer nicht sicher, ob es so viele Menschen kennen, wie es kennen sollte. Was für eine großartige Platte!

Ein perfekt ausgeklügelter Spannungsbogen: Sie eröffnet mit einer der besten Zeilen, mit der ein Album je begonnen hat (»Jesus died for somebody's sins, but not mine«) in den jammigen, zurückgelehnten Rotz von Gloria. Kurze Abkühlung im entspannten Reggae Redondo Beach, es folgt Birdland, ein Neun-Minuten-Monster, das sich aus scheinbar belanglosem Klaviergeklimper in einen Rausch steigert. Keine Schonung, es folgt der heimliche Anfix-Song des Albums: Free Money, ein Ritt auf einem wilden Pferd, der Drummern den Schweiß auf die Stirn treibt. Kimberly ist Blondie pur, nur früher. Break It Up, theatralisches Drama in einen Song gegossen, ehe wir zu dem Song des Albums kommen: Land (Horses – Land Of A Thousand Dances – La Mer (De)). The essence of Patti. Treibender Einstieg in noch so ein Neun-Minuten-Monster. Packend. Elegie schließlich beweint das Ende des Album, möchte man meinen.

Acht Songs (die CD-Neuauflage hat zusätzlich ein My Generation-Cover an Bord), lausige 43 Minuten insgesamt; länger war ein Album 1975 nicht. Muss(te) es auch nicht sein. Wer diese Platte nicht hat, dem fehlt etwas.

09 Jun 2008 myspace-Tipp: Blickfeld

Eine wohltuende Erfrischung im sonst oft massenkompatiblen Programm des Eutiner Kleinkunstfestes: Blickfeld aus Braunschweig machen irgendwas relativ Punkiges (was leider sehr artig abgemischt wurde) zwischen Extrabreit und Revolverheld, haben eine ausgewachsene Rampensau als Sänger (der auch Mario-Barth-Imitator werden könnte, wenn es mit dem Singen nix wird) und sind offensichtlich bereits mehrfach durch das Stahlbad »zurückhaltendes Publikum« gegangen (»Ist Eutin eine Studentenstadt? Ihr seid so leise.«) – wirklich schade, dass wegen des hier oben nach wie vor traumhaften Wetters und der einsetzenden EM die Besucherdichte auf dem Marktplatz am Samstag doch eher dünn war.

Nachholen kann man auf der Blickfeld'schen myspace-Seite.

27 Mai 2008 Reinhören

Heute morgen trudelten die Ergebnisse der jüngsten Aufnahmen per Post ein. Drei neue, ein alter Song. Die Euphorie der gelungenen Aufnahme-Session ist längst verflogen, die Ohren hören wieder kritisch. Zu kritisch?

Knurrt der Bass nicht stellenweise zu sehr? Fehlen ihm dafür, nun ja, die tiefen Töne, die ihn ausmachen? Ist der Gesang nicht zu brav? Fehlt da nicht das Kratzen, Beißen, um sich Treten, was ihn »live« oft ausmacht, die kleine Schaufel Dreck, ohne die man zu Rockmusik besser nicht singen sollte? Warum kommen die Schlagzeugeinsätze so ruckartig, schneiden die Becken im Ohr? Ist die Gitarre genau richtig viel daneben oder schon beißend schräg? War es eine gute Idee, aus zwei Takes ein und derselben Vocalspur eine Art Backgroundgesang zu basteln? Usw. usf. ad infinitum.

Musiker sind wohl einfach so. Eine perfekte Aufnahme gibt es nicht – irgendwas gibt es immer zu mäkeln, weil man als Kreativer weiß, wie es wäre, wenn es perfekt wäre. Dem Betrachter oder vielmehr Zuhörer fehlt diese Einsicht, was ihm Nachsicht verleiht. MP3s zur Selbsteinordnung folgen die Tage, ich muss das noch ein paar mal durch Boxen und Kopfhörer jagen, ehe ich es herausgeben mag.

19 Mai 2008 Akustisch skurril

Eine äußerst skurrile akustische Erfahrung ist es, in einem Aufnahmeraum zu sitzen, in dem gerade Gesang aufgenommen wird, und als einziger keinen Kopfhörer aufzuhaben, auf dem man auch den Backing Track (also die Musik) hört.

Man hört dann die Gitarren so, als kämen sie aus einem extrem höhenlastigen Kofferradio aus den Siebzigern; das Schlagzeug, als spiele der Drummer auf Pappkartons; und den Bass gar nicht. Und dazu dann Gesang – a capella.