Die kleine Stadt, in der ich lebe, hat einen noch kleineren Bahnhof, an dem ich berufsbedingt gelegentlich abends im Auto stehe, warte und versonnen in die Gegend blicke. Da sieht man so Einiges, was zum Kopfschütteln einlädt.
Besagter Bahnhof konnte bis vor kurzem nicht ganz, aber doch fast mit seinem berüchtigten Namensvetter Zoo mithalten, zumindest in den Augen manch spießbürgerlichen Besuchers. Und was tut der Spießbürger, wenn es ihm irgendwo zu dreckig ist? Richtig, er sammelt Unterschriften.
Unsere geliebte Reichsbahn nahm das zum Anlass, Maßnahmen gegen die fortschreitende Verwahrlosung ihrer heiligen Halle anzugehen. Und was bietet sich da an? Richtig, man verrammelt die Bude kurzerhand zu nachtschlafender Zeit, damit sie niemand mehr verwahlosen kann. Also um ab viertel vor sieben abends. Sehr sinnvoll.
Für die Zeitgenossen, denen eine verrammelte Tür nicht eindeutig genug ist, hat man dann noch einen Schrieb an die Tür gepappt, der mitteilt, dass und von wann bis wann die Bahnhofshalle verriegelt bleibt. Auch das ist durchaus sinnvoll, zumal drinnen weiter munter das Licht brennt und zum Betreten einlädt. Speziell bei feuchtkalter Witterung ein durchaus verständliches Ansinnen in den Abendstunden.
Nimmt man nun die Anzahl derer, welche trotz Schild an beiden Flügeltüren rütteln, bis sie dann doch entnervt einsehen, dass der Bahnhof wohl abgeschlossen sein muss, als Bewertungsgrundlage, so muss man ernsthaft befürchten, dass knapp neunzig Prozent der Ostholsteiner des Lesens nicht mächtig sind.
Falls also jemand eine zündende Idee hat, wie man „Der Bahnhof ist von 18:45 bis 5:45 abgeschlossen“ in Bildform darstellen kann – ich denke, er täte ein gutes Werk …