29 Mar 2005 Selim Özdogan: "Mehr"

Selim Özdogan ist meiner Meinung nach sozusagen der Fatih Akin unter den Autoren. Ein sogenannter "Deutsch-Türke", künstlerisch tätig und enorm talentiert. Kann es da noch Zufall sein, dass die Herren bereits erfolgreich zusammen gearbeitet haben?

Sein "Schicksal" als mehr oder weniger erfolgreicher Autor hat Özdogan in einen Roman gegossen - "Mehr", die Geschichte eines deutsch-türkischen Autoren, gefangen zwischen Schaffens- und Identitätskrise, Freundschaften, die längst keine mehr sind, und natürlich zwei Frauen.

Das allein wäre noch nicht unbedingt etwas Besonderes. Doch Özdogan beherrscht etwas, was die wenigsten "jungen" Autoren können, geradezu meisterhaft: den Spagat zwischen Popkultur und literarischem Anspruch. Ihm fließend geradezu poetisch bildhafte Passagen aus der Feder - und im nächsten Moment wird er dermaßen direkt, dass Bukowski seine wahre Freude gehabt hätte, ohne jedoch um der Direktheit Willen obszön zu werden.

Dieses Buch ist hinreißend schön. Lesebefehl, alle Mann. Hopp.

23 Mar 2005 Bjørn Erik Sass: "Herrenbesuch"

Ein schöner Zufallsfund im (lokalen) Buchladen meines Vertrauens.

Ich-Erzähler Kurt ist ein neurotischer Soziologiestudent mit Hang zu Yoga und Bachblütentherapie. Mit 26 beschließt er zusammen mit seinem Freund Jens, aus dem "Hotel Mama" in einer ostseenahen Kleinstadt in einer wilde WG in der großen Stadt (Kiel - dazu sag ich jetzt mal nix) zu ziehen, damit beide Herren endlich ihrem Dasein als männliche Jungfrauen ein Ende setzen können. Begleitet von Frauke, seiner Homöopathin, und dem Ladykiller Ingo als Ratgeber aus der Praxis, gestaltet sich der Weg ins Frauenparadies aber doch schwerer, als gedacht.

Dieses Buch ist natürlich ein gefundenes Fressen für jemanden wie mich, der alles ansatzweise Esoterische und alternativ Heilkundliche grundsätzlich erstmal für Schnickschnack hält. Aber es ist auch herrlich leicht erzählt, von neurotischen Randnotizen zersetzt und hat damit angenehm sympathische Protagonisten und in einigen Zitaten enormes Prust-Potential. Und obwohl Bjørn Erik Sass der Erfinder des Abschweifens sein muss, liest es sich sehr flüssig.

23 Mar 2005 Trackback in Serendipity: karpott?

Grmpf. Da kriegt man nach Monaten eifrigsten Bloggens einen Trackback vom Pfannenwender auf diesen Eintrag. Bekommt vom Serendipity Spamschutz-Plugin auch eine E-Mail, dass der Trackback eingegangen sei und nun entweder abgelehnt oder angenommen werden müsse (Trackback-Moderation ist nicht ganz verkehrt, wenn ich mir die letzten Monate so angucke), klickt den Links zum Annehmen - und dann kommt da nix.

Bin ich blind oder funktioniert das nicht? Grmpf.

(Nachtrag: Durch die automagische Trackbackerkennung von Serendipity habe ich mir soeben selbst einen Trackback verpasst - bei dem funktionierte die Moderation. Hmhmhm. Googlen, gucken, lesen.)

21 Mar 2005 Spiegelblank

Der SPIEGEL spielt Computer-Bild. Hier. Man weiß nicht recht, ob man lachen oder weinen soll. Ich hab mich für lachen entschieden.

SPIEGEL-Online-Autor Klaus Lüber schwadroniert in feinster Altherren-Manier über Linux, die freie Windows-Alternative (nein, Herr Lüber, es ist nicht das bessere Windows; auch nicht, wenn man SuSE nimmt). "Schlecht recherchiert" hätte man ihm sagen und ihm sein Machwerk um die Ohren hauen sollen.

Wohlgemerkt: Es geht mir nicht darum, dass ein feines Betriebssystem kritisch beäugt wird. Es geht einfach nur darum, dass hier offensichtlich nicht sachkundig auf unterstem Niveau berichtet wird. Von einer angesehenen Publikation wie dem SPIEGEL erwarte ich, dass auch vermeintlich unwichtige Themen in vermeintlich unwichtigen Bereichen wie dem Online-Angebot mit einer gewissen Fundiertheit behandelt werden.

(Aber lustig war's schon.)

14 Mar 2005 Alle Pinguine rennen nach Rom?

Die Nero AG, Hersteller eines unbestritten sehr guten Brennprogramms gleichen Namens, hat beschlossen, eben jenes in einer Linux-Version namens NeroLINUX (huah, Großbuchstaben am frühen Morgen) "freizugeben".

Im Grunde wäre das sicherlich interessant, denn eine der Nero-Suite vergleichbare eierlegende Wollmilchsau zum Brennen von CDs und DVDs gibt es unter Linux in dem Sinne (noch) nicht, wenn man von k3b mal absieht.

So.

Dann kommen wir mal zu den Haken:

  • "Registrieren Sie Ihre Nero 6 Reloaded Version noch heute, und erhalten sie eine Gratis-Version von NeroLINUX !" (nebenbei, Nero - eure Webseite plenkt). Man schwenkt dann später um auf: "Eine Vollversion von Nero Software Version 6 oder höher, eine Retail-Version oder eine Download-Version". Die OEM-Benutzer erhalten "ein spezielles Upgrade-Angebot" - spätestens hier wissen wir dann auch, warum Nero die Linux-Version anbietet ...
  • NeroLINUX unterstützt (nun gut, offiziell, hrhr, man hat ja so seine Tricks) so ziemlich alle bekannteren Distributionen bis zur neuesten Version - welche bei Debian immer noch (sic!) Woody ist - aua, aua. Zumindest eine mögliche Sarge-Unterstützung wäre nett gewesen, man muss es ja nicht empfehlen.
  • Nero leistet keinen technischen Support (wen wundert's?)

Man kann wohl getrost davon ausgehen, dass es sich um eine closed-source-Geschichte handelt - was natürlich Neros gutes Recht ist. Benutzer exotischer Linux-Versionen will man aber nicht als Kunden, Besitzer älterer Nero-Versionen sollen schlenigst upgraden.

Danke, Nero. Danke, nein.