04 May 2005 Sister Souljah: "Der kälteste Winter aller Zeiten"

Klassische Übersetzungshürden der Literaturgeschichte, Teil 47. Im Original heißt das Buch "The Coldest Winter Ever", was geschlechtlich neutral und damit im Deutschen unmöglich ist. Denn Winter ist in diesem Fall die Protagonistin. Was will man machen?

Winter ist die Tochter des mächtigsten Drogenbarons in Brooklyn, Ricky Santiaga. Sie wächst auf als verwöhntes Luxusgeschöpf, sexy, gerissen, mit Sinn für das (illegale) Geschäft und einem Gespür für den Beat der Straße. Diese Eigenschaften wirft Winter mit voller Kraft in die Waagschale, als Daddys "Geschäft" hochgenommen wird und sie auf sich allein gestellt ist.

Sister Souljah, Bürgerrechtlerin und HipHop-Stimme in einem, zeichnet ein spannendes Portait eines gerissenen Ghetto-Kids, unterlegt mit dem Beat der Hood, gesprochen mit der Sprache der Community, erzählt in rasantem Tempo und doch durchdacht. Dass sie dabei noch sich selbst als handelnde Figur einflicht, macht die Geschichte nur interessanter.

24 Apr 2005 Track & Back

And now for something completely different.

Der Pfannenwender möchte ein Trackback, um zu gucken, ob seins geht. Da passt auch dieser Artikel ganz prima. Allein, eine spezielle Trackback-URL habe ich dort nicht finden können - das sollte Serendipity aber egal sein.

Ab damit. Möge der Ping mit uns sein.

24 Apr 2005 Selim Özdogan: "Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist"

Alex droht, mitten im Kölner Hochsommer in einer depressiven Phase zu versumpfen, aus der ihn auch seine Kumpels nicht rausholen können. Das schafft erst Esther, in die er sich Hals über Kopf verliebt, als er sie als Tramperin mitnimmt. Es beginnt eine Leidenschaft, die letzen Endes auch Leiden schafft.

Eine wunderschöne Beziehungsgeschichte, die so ziemlich alle Facetten einer Beziehung mitnimmt, auch wenn es zum Ende hin ein wenig sehr chaotisch wird.

(Ja, ich hab Herrn Özdogans Gesamtwerk jetzt bald durch. Fehlt nicht mehr viel.)

24 Apr 2005 Selim Özdogan: "Ein gutes Leben ist die beste Rache"

Und nochmal - wie hier - Kurzgeschichten aus Özdogan'scher Feder, 33 an der Zahl (plus Bonustrack). Von der Art, vom "Prinzip" her ähnlich wie in "Trinkgeld vom Schicksal" - und auch hier beschleicht den Leser, der mit Özdogans Romanen vertraut ist, das Gefühl, viele von ihnen seien Fingerübungen für Motive, die sich später in den Romanen wiederfinden -, aber meinem Empfinden nach zugänglicher, leichter. Tipps zum Reinlesen: "Remix" und "Spiele".

29 Mar 2005 Peter Høeg: "Der Plan von der Abschaffung des Dunkels"

"Uffz" - das denke ich eigentlich immer, wenn ich mich mal wieder durch ein Buch von Peter Høeg gequält habe.

Der Mann schreibt toll, wenn auch sehr anstrengend und in diesem Fall hart an der Grenze zum Kryptischen - möglicherweise aufgrund der stark autobiografischen Züge. Ich nehme an, dass für ihn das Schreiben ähnliche Arbeit ist wie für den Leser das Lesen - derart faktendichte Romane mit annähernd journalistischem Recherche-Aufwand zu schreiben, muss Arbeit sein. Ein gnadenloses Schulsystem, welches man selbst durchlaufen hat, anzuklagen ebenfalls. Dabei noch über die Zeit und die verschiedenen Theorien dazu zu philosophieren, kommt schon einem Kraftakt gleich.

Der Ich-Erzähler Peter, seine heimliche Liebe Katarina und sein Freund August kommen an eine renommierte Privatschule. Welcher große Plan mag dahinter stecken, verhaltensgestörte Kinder wie die Drei in eine solche Schule zu integrieren? Kann es einen Weg aus dem Gefängnis aus Bestrafungen und psychologischen Tests geben? Und welche Rolle spielt die Zeit dabei?

"Peter Høegs neuer Roman geht unter die Haut" schreibt der Klappentext - und hat verdammt Recht. Anstrengend, aber gut.