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07 Aug 2007 Abenteuerurlaub Bassverstärkerkauf, die erste

Ich brauche, das erwähnte ich bereits, einen neuen Bassverstärker. Mein treuer Marshall Bass 60 bekommt mehr und mehr Zipperlein und Zickigkeiten, hat außerdem lange genug gelitten und sich seinen Ruhestand, ggf. als Übungsamp zu Hause, mehr als verdient. Ich will, das erwähnte ich noch nicht, keinen Gebrauchtschrott bei ePay ersteigern, der irgendwo in der Wallachei seit Monden vor sich hinmodert. Diesmal muss was Neues her – zudem ist Geld im Haus, und da kann es nicht bleiben. Man ist ja schließlich Musiker.

Gestern also der erste Versuch in einem Musikalienhandel in Lübeck – ich muss keine Abmahnung befürchten, denn ich brauche den Namen gar nicht zu nennen: Meines Wissen ist es der letzte Überlebende seiner Art in der Hansestadt, was vermutlich das gestrige Desaster erklärt. Die angestammten Musikalienhändler (Preisklasse: »Seit 50 Jahren am Platz.«) sind allesamt eingegangen, nur diese kleine Trutzburg des Rocker-Equipments hält sich. Naja – mehr oder weniger.

»Erzähl! Du kommst rein …« – Ich komm als rein. Und werde gleich mal »nach oben« geschickt. »Da is' der X, der spielt auch Bass.« Super. X ist also abgehalfterter Möchtegernprofi, der sogleich mal ausholt, dass man ja unter 1000 Watt eigentlich gar nicht erst anfangen brauche, und das am besten mit Minimum vier Boxen, sonst geht man baden. Ist ihm auch schon passiert, in einer Halle in Köln, deren Beschreibung denen der großen Hechte ähnelt, die Angler so an Land gezogen haben wollen. Während X'ens Halle also minütlich wächst, streunt mein Blick über die spärlichen Reihen an Equiment, welches ausgestellt und antestbereit vor mir steht. Hm. Das Webangebot des besagten Musikalienhandels sah irgendwie … umfangreicher aus.

Die ausgestellte Angebotspalette unterteilt sich, das bestätigt auch X mehr oder weniger indirekt, in »taugt nix« und »unbezahlbar«. Zudem hat er von dem, was da so rumsteht, keine Ahnung. Preis schon mal gar nicht, die stehen auch nur bei Teilen dran, die ab 800 Euro aufwärts kosten. Alles andere, z.B. Eckdaten wie die Impedanz von Boxen, muss der X auch erstmal nachgucken, und zwar, wie schön, im Internet. Das ist ungefähr so, als müsse eine Bäckereifachverkäuferin erst in der Backstube nachgucken, ob Mehl in den Brötchen ist. Mehrfach tue ich mein durch mein Portemonnaie gesetztes Preislimit kund, aber X wird nicht müde, mir Equipment für ungefähr das Doppelte mit dem alten Spruch der Gitarrenhändler anpreisen zu wollen: »Hier. Ist gut. Hab ich neulich einem Schüler von mir verkauft.« Erstes, unterdrücktes Stöhnen. Der nervt.

Schließlich raffe ich mich doch auf, packe meinen Bass aus und stöpsele mich an einen Ashdown-Combo. Hm. Dürftig, trotz ausreichend Watt. X guckt sichtbar sparsam und sondert eine weitere Weisheit ab: »Mit Combo wirste nich glücklich.« Nee, mit dem bestimmt nicht. Null Druck, Banjosound. Er macht auch keinerlei Anstalten, mir einen anderen ans Herz zu legen, er möchte mir lieber eine 8x10"-Box verkaufen. Lass mal, X. Wer soll das transportieren? Immerhin, das sieht er ein. Ansonsten … nö. Okay, wenn er nix verkaufen will …

To cut it short: Ich bin dann gegangen. Hat ja keinen Sinn so. Die Frage, warum sie all das Zeug da stehen haben, wenn es doch nichts taugt, habe ich mir verkniffen. Wer nix verkaufen will, dem kauf ich nicht mal Saiten ab, und dabei bräucht ich dringend welche. Und heute nachmittag fahre ich nach Kiel.

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  1. YellowLeds Weblog: Eden Nemesis N12S - Features (09.08.07, 14:36)

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  1. * DrNI (07.08.07, 17:14):

    Ich kenne tatsächlich mehr Läden, die anscheinend nichts verkaufen wollen als solche, die das wollen. Meistens ist ein Instrument total überrepräsentiert (gerne Gitarre) und die anderen sollen gefälligst fortbleiben. Sollen sie doch, denk ich mittlerweile. Der Online-Handel ist auch eine Lösung. Schade nur, wenn man tatsächlich mal was vergleichen möchte…

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