< Fußball-Stöckchen | Lückenhaft >

22 May 2007 Keep On Rockin' In A Free World

Mache Leute geben ja irgendwann einfach auf. Für die jüngeren Leser dieses Blogs wird es eine erschreckende Vorstellung sein, die etwa so weit weg erscheint wie erschwingliche Reisen zum Mars, aber es ist wahr – irgendwann werden diese ganzen langhaarigen Bandshirt-Träger alt. Sehr alt. Dreißig. Und dann geben sie auf. Sie räumen ihre Platten mit bösartiger Rockmusik nach hinten ins Regal, stellen die gesetzteren Blues- oder Jazz-CDs nach vorne, kaufen Möbel bei IKEA und hören RSH.

Ich habe, wohlgemerkt, weder etwas gegen Blues noch gegen Jazz, noch nicht einmal gegen RSH an sich. Gegen IKEA schon, aber das ist bekannt und irgendwie eine andere Geschichte. Aber liebe Leute, man kann doch nicht einfach aufhören! Wo soll das hinführen? Nur weil Ihr dreißig seid und den Bausparvertrag, den noch Eure Eltern abgeschlossen haben, in ein kleines Häuschen im Grünen umgesetzt habt, weil der Hund mehr Auslauf braucht und Mutti mal wieder schwanger ist, müsst Ihr nicht aufhören, anständige Musik zu hören! Und schon gar nicht müsst Ihr, wenn man Euch stolz das eigene Demo vorspielt, irritiert dreinblicken und einen Kommentar wie »Schon ganz gut, aber … eigentlich hör' ich ja nicht mehr so laute Musik.« rausstottern, während Ihr am Küchenradio RSH sucht. Das geht so nicht.

Ich bin weiß Gott kein glühender Stones-Fan, aber selbst Mick Jagger rockt mit schätzungsweise 100 Jahren immer noch, auch wenn er dabei zusehends lächerlicher wirkt und mittlerweile nach einem Konzert am Bühnenrand vom vorgewärmten Strickjäckchen in Empfang genommen wird. Angus Young spielt immer noch in kurzen Hosen Gitarre, ZZ Top sind immer noch die Band, die am längsten in Originalbesetzung zusammenspielt. Undsoweiter undsofort. Die können das auch, und nicht wenige von ihnen haben diverse Blagen quer über den Erdball verteilt und gleich mehrere Häuschen im Grünen, von Hunden ganz zu schweigen.

Man kann sich die Haare abschneiden, man kann die ollen Bandshirts gegen was Sauberes eintauschen, man kann Kinder bekommen, sich Hunde zulegen und zur Not sogar ein Häuschen im Grünen bauen. Nichts, aber auch gar nichts davon bringt mit sich, dass man ab sofort angerockte Volksmusik oder aufgepoppten Schlager hören muss. Ich erinnere nur an eine ehemalige Mitschülerin von mir, die ihrem hochschwangeren Bauch die Walkmankopfhörer überstülpte und mit dem Kommentar »Besser, es gewöhnt sich schon mal dran.« Megadeth auf volle Möhre aufdrehte. That's the spirit!

0 Trackbacks

Trackback-URL

  1. No Trackbacks

3 Comments

RSS Feed (Comments) for this entry

  1. * Birgit (23.05.07, 09:51):

    zugegeben – ich trag sie nur beim Putzen, aber ich trag sie…meine Queen- und Bon Jovi T-Shirts, obwohl ich inzwischen schon das stattliche Alter von 43 erreicht habe g.

    Ich gehe noch immer leidenschaftlich gerne auf Konzerte, kaufe Arena-Karten solange ich noch alleine stehen kann. Das einzige, das sich geändert hat, ist, daß mein zwanzigjähriger Sohn gelegentlich mitgeht. Mein Musikgeschmack hat abgefärbt (hurra!)

    LG
    Birgit

  2. * DrNI (25.05.07, 19:06):

    Eigentlich bin ich in den meisten Dingen ein Spätzünder. Sollte es hier anders sein? Blues mache ich schon. Hören tu ich den auch. Haben auch. Band-T-Shirts hatte ich eigentlich nie. Bis auf eines von Memo Gonzales & The Bluescasters. Aber mal ehrlich, gibt es etwas lächerliches als eine Metal™-Band, die in Metallica-Shirts auftritt?

    Ein Bekannter eines Vaters eines damals bei uns als Bassist tätigen prophezeite mir, mit 40 werde ich auch die Schürzenjäger hören. Tatsache ist, daß sich mein Musikgeschmack ändert, bzw. erweitert, oder spezifisch erweitert in Richtungen, in denen es vielen Leuten nicht mehr so wohl ist. Aber die Gefahr der Volkstümlichvermusikung sehe ich nicht im geringsten.

    Aber Drum’n‘Bass wird es vermutlich auch nicht werden.

  3. * komani (08.07.08, 03:16):

    Nichts, aber auch gar nichts hält mich davon ab, mit 46 nicht A) immer noch Rockmusik zu hören (und mit Freunden selber zu machen), aber vor allem B) auch noch soviel Wunsch nach Fortschritt und Veränderung mitzubringen, mich auch heute noch mit der musikalischen Entwicklung der Jetztzeit zu beschäftigen. So dass ich nicht mehr unbedingt die ausgeblichenen Zeppelin-Shirts, die meiner 80er-Guitar-Heroes oder meiner Grunge-Ikonen der 90er tragen muss, um mir zu beweisen, dass mir auch schon mal (oder bereits) zu “besseren” Zeiten der Rock durch die Adern flammte …

    und – abgesehen davon, dass ich keine angerockte volksdümmelei hören mag (aber: es gibt gute, echte Volksmusik, auch mit Rockelementen!) – sollte man allen DJs von diesen unsäglichen “über-30-Parties” mal klarmachen, dass “wir, die älteren Semester” nicht alle unbedingt darauf erpicht sind, die handelsüblichen trostlosen Standard-Sampler jener Epochen rauf und runter zu hören (frustrierenderweise meist schon bei den 80ern endend, und außerdem haben wir das lange genug gehört!!!) – da fängt man dann wirklich an, sich alt zu fühlen!

    Es ist überdies irritierend, wenn jovial lächelnde Mittzwanziger ihrer Elterngeneration auf derart organisierten “Altentreffs” verzückte Bewegungsattacken entlocken müssen, weil sich “My Generation” in einem Anfall nostalgischen Bewegungsdrangs kaum in eine jungzeitliche Disco verirren mag, weil sie da total blöd angekuckt wird ...

    Da fragt man sich immer, wer hier wirklich jung geblieben ist, und wer noch vor seiner ersten grauen Strähne Vorurteile und Klischees ansetzt.

Add Comment

Please notice the comment directions.

Directions

Textile-formatting allowed
E-Mail addresses will not be displayed and will only be used for E-Mail notifications.
Gravatar, Twitter, Identica, Favatar author images supported.

Mandatory fields are marked with a *.

Comments including at least one link will be moderated. Comments including at least three links will be blocked. Sorry – spam protection.

Using noses in emoticons might lead to unexpected results in conjunction with Textile, especially in the middle of a sentence – please use :) or ;) etc. instead.