< Noch eine Gretchenfrage | Grunge oder: Wie ich die Gitarre lieben lernte (Nachklapp) >

15 Jan 2007 Grunge oder: Wie ich die Gitarre lieben lernte (Teil 3)

Wir erinnern uns: Teil 1 erzählte von NDW und der restlichen grauen Vorzeit, Teil 2 von ArtRock und Metal, und außerdem wollte ich ja erzählen, wieso ich meine Leib- und Magenband am Anfang total Scheiße fand.

Damals, als ich noch jung und hübsch war, ging man ja noch auf schmutzige Partys ohne Einladungen, dafür mit billigstem Bier und Lagerfeuer. Die Kombination aus beidem sowie die Anwesenheit junger und leicht zu beeindruckender Damen sorgte für Diskussionen wie die um das »beste Gitarrensolo aller Zeiten«. Nachdem die üblichen Verdächtigen (»Stairway To Heaven«, »Hey Joe« usw. usf.) gefallen waren, holte Hoffi einmal tief Luft und nannte: »Alive von Pearl Jam«. Und ich musste zugeben, das noch nie gehört zu haben, was aus heutiger Sicht erschreckend ist, denn Pearl Jam zählt seitdem zu meinen ausgesprochenen Leib- und Magenbands. »Damals« muss wohl 1991 oder eher 1992 gewesen sein – die Phase, in der etwas aufkam, was man Grunge nannte. Ich wurde also in ein Auto gezerrt, bekam (noch auf einem Tapedeck) »Alive« vorgespielt … und fand es sterbenslangweilig.

Erklären kann ich das bis heute nur so, dass Pearl Jam anfangs ein wenig untergingen in den ganzen großartigen Platten, die damals rauskamen, und die erheblich mehr »in the face« waren als Pearl Jam, die schon immer ein paar Umdrehungen auf dem Plattenteller des inneren Ohres brauchten als beispielsweise Nirvanas »Smells Like Teen Spirit«, Rage Against The Machine oder Soundgarden. Sie waren eine Spur filligraner, etwas »musikalischer«, schon immer nicht nur Grunge, sondern auch einfach Rock.

Generell ist es bis heute so, dass mir aus dieser Zeit die Alben am besten gefallen, die eine Weile brauchten, um sich in mein Ohr zu fressen – lustigerweise sind die meisten davon das jeweils erste Album einer Band: Pearl Jams »Ten« finde ich nach wie vor fast perfekt, kurz danach kommen auf meiner persönlichen Playliste das jeweils erste Album von Rage Against The Machine und Blind Melon.

Wie auch immer, Grunge war da, die Gitarre war zurück. Das ist bis heute das, was wir dem seligen Mr. Cobain und seinen holzfällerbehemdeten Kumpels mit den schweren Armyboots verdanken – sie haben uns in einer Phase, die ansonsten musikalisch zum Schweineeinweichen war, die Gitarre zurückgebracht. Ob es nun die groß gewordenen Acts wie Nirvana, Pearl Jam, Soundgarden, Alice In Chains oder Smashing Pumpkins (ich persönlich würde da ohne zu zucken Rage Against The Machine einreihen, obwohl es natürlich streng genommen kein Grunge war) waren oder die unbekannteren, die nicht weniger das Phänomen mitbegründet haben, wie Mudhoney, Mother Love Bone, Green River, Dinosaur jr. und die Melvins – 1991/92 war ein gutes Jahr, um die Gitarre wiederzuentdecken. Und wie jeder anständige Hype war auch dieser relativ schnell vorbei. Was davon übrig blieb klären wir im nächsten und letzten Teil.

(Wird fortgesetzt.)

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