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09 Jan 2007 Grunge oder: Wie ich die Gitarre lieben lernte (Teil 2)

Wo war ich denn stehengeblieben (in Teil 1)? Ach ja: Meinen Eltern lag Roger Whitaker näher am musikalischen Herzen als Jim Morrison. Schwamm drüber.

Ich entdeckte also Verschiedenes, was vor meiner Zeit komponiert und aufgenommen wurde, über Freunde: Led Zeppelin, die Rolling Beatles, den Herren, der angeblich Gott, letztlich aber doch »nur« Bluesgitarrist ist, und auch den wahren Gitarrengott, Friede seiner Asche und der seiner abgefackelten Klampfen. Kurzem, aber intensivem Gitarrenunterricht verdanke ich nicht nur eine mittelschwere Sehnenscheidenentzündung mittels Police (auf einer Konzertgitarre, wohlgemerkt; Gitarristen werden jetzt schmerzverzerrt zusammenzucken, Nicht-Gitarristen keine Ahnung haben, wovon ich fasele), sondern auch, dass ich schon wußte, was »Art Rock« ist, ehe ich im ICE von Frankfurt nach Hamburg neben dem Tourmanager von Sarah »Die Nase« Connor saß (nachträglich habe ich immer noch leichtes Bauchgrimmen, weil ich damals keine Demo-CD dabei hatte, aber wer weiß, wofür es gut war), der mir freudig mitteilte, die Platte, die man »unbedingt gehört haben sollte«, sei seines Erachtens »Tales From Topographic Oceans« von Yes – dieser Meinung kann ich mich bis heute nur sehr bedingt anschließen. Art Rock ist und bleibt Musikermusik, für den »normalen« Musikhörer kaum zugängliche Egowichserei auf Instrumenten, die noch dazu zumeist Überlänge hat. Man soll halt nicht alles glauben, was einem Männer in der Midlife-Crisis erzählen …

So läuft das mit der »musikalischen Sozialisation« also – es ist ein wenig wie erwachsen werden im Allgemeinen. Man nimmt zunächst mal wahr, was um einen herum geschieht, bis man irgendwann anfängt, selbständig zu denken und eine eigene Meinung zu entwickeln. Das war bei mir spätestens der Fall, als der erweiterte Bekanntenkreis sich von Punk ab und dem Metal zuwandte. I'm sorry, aber was an Slayer toll sein soll, kann ich bis heute nicht nachvollziehen. Metal ist mir auch viel zu anstrengend – die ganzen Schubladen, die man da auseinanderhalten können muss (Speed, Death, Black, True … usw. usf.), sind mir einfach akustisch zu ähnlich. Ähnlich schlecht. Ungefähr auf dieselbe Art und Weise ist Techno komlett an mir vorbeigelaufen, das Einzige, was ich zu dem Thema beisteuern kann, ist die treffendste Definition von Techno, die ich je gehört habe (übernommen von einem ehemaligen Bandkollegen): »strukturierter Lärm«.

Und dann kam irgendwann das denkwürdige Jahr 1992, in dem die meisten der Alben erschienen sind, die ich auf die berühmte einsame Insel mitnehmen würde, und in dem schwere Stiefel und Holzfällerhemden plötzlich selbst im Hochsommer salonfähig wurden. (Auch schon wieder 15 Jahre her, jessas.) Aber die Frage, wie es sein kann, dass ich meine allerliebste Leib- und Magen-Band beim ersten Hören total öde fand, klären wir im nächsten Teil.

(Wird fortgesetzt.)

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  1. YellowLeds Weblog: Grunge oder: Wie ich die Gitarre lieben lernte (Teil 3) (15.01.07, 14:05)
  2. YellowLeds Weblog: Grunge oder: Wie ich die Gitarre lieben lernte (Nachklapp) (16.01.07, 12:10)

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