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19 Dec 2006 Top 5: Coverversionen

Coverversionen sind, das beweist aktuell eine bandinterne Diskussion darum, irgendwie eine Glaubensfrage. Ich persönlich glaube ja, 1:1-Cover sollten Top40- und Revival-Combos vorbehalten bleiben und der musizierende Rest der Welt möge sich auf das Interpretieren konzentrieren, was bedeutet: Man nehme einen Song, verliere jegliche Ehrfurcht vor ihm, aber nie die Wertschätzung für ihn und mache etwas daraus.

Folgenden Herrschaften ist das – meiner bescheidenen Meinung am heutigen Tage nach zumindest – formidabel gelungen:

  1. Tori Amos: »Smells Like Teen Spirit« – Alle paar Monde muss ich mal wieder irgendwen testen, indem ich ihm dieses Stück vorspiele. Wer vor dem ersten Refrain weiß, was das Original ist, ist gut. Man nehme Nirvanas scheppernd laute Grungehymne und verwandele sie in eine zerbrechliche Klavierballade. Das kann halt auch nicht jeder, was man schon daran sieht, dass Nirvana das Stück bei ihrem Unplugged-Konzert für EmmTeeVau ausließen, was zugegebenermaßen auch noch andere Gründe gehabt haben mag.
  2. Johnny Cash: »Hurt« – Auf den »American Recordings« hat Cash so einige Kleinode versammelt, bei denen der geneigte Musikbesessene »Er covert was??« denkt, aber »Hurt« ist und bleibt mein persönliches Highlight. Eine unter die Haut gehende Intensität, die für meinen Geschmack sogar das Original weit in den Schatten stellt.
  3. Attaboy Skip: »Ghostbusters« – Ich bin ja kein Freund von Ska (a.k.a. »Schluckaufmucke«), aber mit dieser hochgradig zappeligen Version kriegt man selbst mich hinter dem Ofen vom Stuhl geschmissen. Und das trotz gruppiert tutenden Blechbläsern, was bei mir normalerweise schweren Brechreiz auslöst.
  4. Tuck & Patti: »Time After Time« – Man nehme Cyndi Laupers Original, reduziere die ganzen windelweichen Synthiflächen auf eine zarte Jazzgitarre, schraube das halbgar treibende 80er-Tempo auf eine entspannt zurückgelehnte Ballade zurück und ersetze Miss Laupers Gequieke durch eine sehr schwarze Soul-/Jazz-Stimme, die sich zu benehmen weiss. Sehr reduziert, sehr gut.
  5. New Found Glory: »My Heart Will Go On« – Stellvertretend für all die anderen grandiosen Punk-Versionen, die aus schmierigem Billigpop grandiose Mucke machen. Ja, das ist der Schmachtsong aus Titanic. Ja, es ist ein toller Song, wenn man ihn so spielt. In dieser Rubrik hätte ich so viele Favoriten, das reicht für eine eigene Top5-Liste. Nächstes Mal vielleicht.

So. Und nun erzählt mir, was ich alles vergessen habe …

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2 Comments

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  1. * DrNI (19.12.06, 10:45):

    Jimi Hendrix – All along the watchtower. Komisch. Ich merke gerade, daß ich Musik von Leuten mag, die schon vor meiner Geburt oder kurz danach ins Nirvana gegangen sind. Jetzt fühle ich mich jung. So zwischendurch mal.

  2. * YellowLed (19.12.06, 10:50):

    Ich bin mir gar nicht mal sicher, ob ich die sooo gut finde. Andererseits ist es für meine Philosophie des Coverns immer sehr dankbar, Dylan zu covern, weil er eben die Kunst beherrscht, Songs so zu schreiben, dass es gehupft wie gesprungen ist, ob man sie nun mit einer verstimmten Wanderklampfe spielt oder für ein Symphonieorchester arrangiert. Zudem stimmlich sehr dankbar, es kann ja eigentlich nur besser werden ;-)

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