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05 Apr 2006 Musikermusik

Wie in den Kommentaren angedroht mal ein paar (Vorsicht, Kalauer!) Takte zum Thema "Musikwahrnehmung bei (Nicht-)Musikern". Ich teile mittlerweile (das Ganze entsprang den Kritiken zu unseren letzten Aufnahmen) Menschen und ihre Musikwahrnehmung in vier Gruppen ein:

  • Laien: Das sind Menschen, die kein Instrument spielen, und auf die Frage, welche Musik sie mögen, sagen, sie hörten "viel Radio". Können eine Gitarre und einen Bass nicht auseinander halten. Kaufen oft Sampler.
  • ambitionierte Laien: Machen nicht aktiv Musik (haben aber evtl. früher mal), sind aber deutlich differenzierter im Musikgeschmack. Lesen regelmäßig eine oder mehrere Musikmagazine, besuchen Konzerte nicht nur bekannter Bands, führen oft eine Liste der geplanten CD-Neuerwerbungen. In dieser Gruppe gibt es aber viele und deutliche Abstufungen.
  • passive Musiker: Leute, die selbst Musik machen, aber nicht diejenige, welche wahrgenommen wird. Fieses Publikum. Ich persönlich kann mir kaum eine Band "neutral" angucken ;-)
  • aktive Musiker: Ganz kurz: Leute, die ihre eigene Musik wahrnehmen. Völlig parteiisch, absolut unfähig, sich auf eine Meinung festzulegen - und vor allem: Es ist niemals "fertig".

Zumindest die beiden Musikergruppen, aber auch viele der ambitionierten Laien sind echte Geschmacksfaschisten. (Mal lese dazu auch den schönen Beitrag von Oliver Ding.)

Tool (Vorsicht, flashlastige Seite.) sind ein exzellentes Beispiel für Musik für Musiker. Tool machen im weitesten Sinne relativ komplizierten Metal/Hardrock, angelehnt an Progressiv-Rock, was nichts Anderes bedeutet als: komplizierte Arrangements, anspruchsvolle Rhythmik (gern sogenannte "krumme" Takte), aber wenig Ohrwurmcharakter. Solche Musik braucht Zeit, um sich in das "normale" Ohr zu fressen. Ist auch nicht leicht, darauf zu tanzen. Mitunter ist es schon eine Herausforderung, den Takt mitzuklopfen.

Musiker hören aber manchmal auch anders. Musiker interessieren sich fast immer für die Frage: "Was zur Hölle machen die da? Und vor allem: Wie?" Das ist der Punkt, an dem Akkorde herausgehört werden wollen, Rhythmen erkannt und Arrangements zerpflückt. Und genau an der Stelle (an der es für den Musiker erst richtig spannend wird) wird's dem Durchschnittsohr zu anstrengend. Das nennt man dann "unzugänglich", "kryptisch" oder halt "suspekt". (Die Geschichte, wie ich ein komplettes Tool-Konzert vergessen habe, obwohl ich stocknüchtern war, hebe ich mir für später auf.)

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