30 Jun 2006 Nach dem vorweggenommenen Finale

Die Nachbarn tröten die letzte Puste aus ihren Fanfaren. Selbst hier, 100 km vom nächsten WM-Spielort entfernt, bilden sich kleine, hupende Autocorsos. Diverse Bekannte schicken "Wir werden Weltmeister!"-SMS.

Tja. Scheint zu stimmen.

Es war ein rätselhaftes Spiel. Argentinien hat es mittels brutalem Pressing geschafft, Deutschland von dem abzuhalten, was die Mannschaft stark gemacht hat: Agieren statt reagieren. Deutschland ungewohnt nervös, mit vielen kleinen Fehlerchen und lahmen Flügeln. Komischerweise waren auch die sonst starken Säulen (Ballack, Klose, Lahm) nahezu abgemeldet, teils durch Gegenspieler, teils durch die eigenen Nerven. Andere (Friedrich, unfassbar; später der rotzfreche Odonkor, auch Borowski) sprangen in die Bresche, aber es blieb bei einer Rasenschach-Schlacht ohne echte Torchance, die bis in die Verlängerung alleine von der Spannung lebte.

Alles egal. Her mit den Italienern oder Ukrainern. Nerven schonen bis Dienstag ist angesagt.

30 Jun 2006 Vor dem vorweggenommenen Finale

So, Herrschaften. Nun mal Tacheles.

Heute um 17 Uhr wird in Berlin das Viertelfinale ausgetragen. Das, in dem sich die zwei Mannschaften gegenüberstehen, welche sich den Einzug in diese Runde wirklich verdient haben, weil sie zuvor schönen, leidenschaftlichen und größtenteils mitreißenden Fussball geboten haben. Meinem bescheidenen Urteil nach werden bestenfalls die Brasilianer den Sieger dieses Viertelfinalspiels davon abhalten können, Weltmeister zu werden - egal, wer letztlich heute am frühen Abend in Berlin als Sieger vom Platz geht.

Argentinien ist ein Brocken, keine Frage. Sie sind defensiv bärenstark, langen auch mal einfach nur hin, können trotzdem spielen und tun das auch. Sieht man leider selten dieser Tage. Vermutlich werden sie ihre Geheimwaffen Messi und Tevez wieder von der Bank nachrücken lassen, ergo ist 90 bis 120 Minuten volle Wachsamkeit geboten. Die Brüder sind brandgefährlich, und sie werden uns nicht einlullen, um irgendwann hinterhältig zuzuschlagen, sondern von Anfang an Vollgas geben. Der Schlüssel zum Sieg dürfte letztlich darin liegen, Riquelme aus dem Spiel zu nehmen, was kein Kindergeburtstag ist - schade, dass Wolfgang Dremmler schon im reiferen Alter ist.

Deutschland muss sich nicht verstecken. Die Mannschaft dürfte so ziemlich jeden, den Verfasser dieser Zeilen eingeschlossen, überrascht haben, indem sie attraktiven Volldampffussball inklusive einer (zumindest ab dem 2. Vorrundenspiel) vergleichsweise sicheren Defensive zeigte. Was auch immer nachher in Berlin passiert, sie kann erhobenen Hauptes vom Feld gehen.

29 Jun 2006 Geh' ma' halt nicht zur GEMA ...

Anständige Bands haben heutzutage - wenn sie sich nicht gerade massiv umbesetzen wie wir - eine Webseite, auf der sie üblicherweise ihre Songs als MP3s anbieten. Spätestens, seit das bei den Arctic Monkeys so prima funktioniert hat.

Die GEMA jedoch muss mal wieder in die Suppe spucken - ist man Mitglied bei der GEMA, wird man für MP3-Download-Angebote weiterhin zur Kasse gebeten, Streaming ist dafür ab sofort (allerdings vorerst nur bis Ende 2007) erlaubt.

Wohl dem, der nicht in der GEMA ist. Ich bezweifele massiv, dass Streaming sich erfolgsmässig ggf. mit Downloads messen könnte.

29 Jun 2006 NBA College Draft 2006

Huch, schon wieder ein Jahr rum? Ich muss gestehen, dass ich in diesem Jahr weit weniger auf die NBA-Draft vorbereitet bin/war, als im letzten Jahr. Eine "zweite Meinung" gibt es drüben bei Kai.

Eine Übersicht der Picks mit kurzen Kommentaren findet sich bei ESPN (Runde 1 und Runde 2), nbadraft.net hat relativ komplexe Portraits der Kandidaten.

Ich bin mir nicht so sicher, ob es in diesem Jahr überhaupt einen "big prize" gab - möglicherweise war es der Italiener Andrea Bargnani, den Toronto zum Top Pick machte, eine Art italienischer Nowitzki. Vielleicht war es auch LaMarcus Aldridge, definitiv der aussichtsreichste Center-Kandidat im Topf, der zwar an #2 von den Bulls gewählt, dann aber sofort gegen die #4, Tyrus Thomas, getauscht wurde (plus einer Zugabe der Blazers, die nun Aldridge in ihren Reihen haben). Allgemein scheint es in diesem Jahr relativ viele Deals im Unfeld der Draft zu geben. Ein weiterer Kandidat für den "big prize" wäre der vermutlich ausgereifteste Kandidat - Adam Morrison, ein absoluter Old-School-Spieler, an #3 von den Charlotte Bobcats gewählt.

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28 Jun 2006 Ausblick auf die Viertelfinalspiele

Die Viertelfinalbegegnungen der WM 2006 stehen fest. Fassen wir mal zusammen:

  • Freitag, 30.6.:
    • 17 Uhr: GER - ARG
    • 21 Uhr: ITA - UKR
  • Samstag, 1.7.:
    • 17 Uhr: ENG - POR
    • 21 Uhr: BRA - FRA

6 von diesen 8 Teams hätten normalerweise (lies: würde man ihr Auftreten in diesem Turnier nach Attraktivität, "schönem Fussball" beurteilen) nicht verdient. Die zwei, die mit z.T. begeisterndem Spiel glänzten, treffen im sogenannten "vorgezogenen Endspiel" aufeinander - Deutschland und Argentinien. Dazu (heute) nichts, schauen wir uns mal den Rest an ...

Das skandalgeschüttelte Italien spielt, wie Italien halt spielt. Den mitunter öde Ergebnisfussball, den wir bei dieser WM leider oft sehen, haben die Italiener erfunden und perfektioniert. Nennt sich dort Catenaccio. Möge es reichen, um die Ukraine aus dem Turnier zu werfen, die für meine Begriffe bereits die letzten beiden Spiele durch blankes Glück heil überstanden haben.

Den gesichtslos spielenden Briten wünsche ich einen schönen Einlauf durch Portugal, wobei ich auch hier bezweifele, dass das ein ansehnliches Spiel gibt. Immerhin bemüht sich Portugal, einen letzten Rest technischen Spiels zu zeigen. Die Engländer hingegen beweisen, dass die stärkste Liga selten eine starke Landesauswahl bedeutet.

Brasilien, nun ja, wurschtelt sich so durch. Zwischendurch blitzt dabei gelegentlich das können dieser hochbegabten Ballkünstler verschämt durch Parreiras taktisches Korsett, aber insgesamt ist das sehr mager. Die Franzosen hingegen scheinen eine Hasenpfote in der Tasche zu haben oder aber langsam in Fahrt zu kommen. Gut waren sie gestern wirklich nicht, aber taktisch sortiert und sehr effizient. Leider ist das das Motto vieler Teams in diesem Turnier. Ich schätze mal, das könnte das zweitinteressanteste Viertelfinale werden, obwohl Brasilien unter normalen Umständen durchkommen sollte.