29 Mar 2005 Peter Høeg: "Der Plan von der Abschaffung des Dunkels"

"Uffz" - das denke ich eigentlich immer, wenn ich mich mal wieder durch ein Buch von Peter Høeg gequält habe.

Der Mann schreibt toll, wenn auch sehr anstrengend und in diesem Fall hart an der Grenze zum Kryptischen - möglicherweise aufgrund der stark autobiografischen Züge. Ich nehme an, dass für ihn das Schreiben ähnliche Arbeit ist wie für den Leser das Lesen - derart faktendichte Romane mit annähernd journalistischem Recherche-Aufwand zu schreiben, muss Arbeit sein. Ein gnadenloses Schulsystem, welches man selbst durchlaufen hat, anzuklagen ebenfalls. Dabei noch über die Zeit und die verschiedenen Theorien dazu zu philosophieren, kommt schon einem Kraftakt gleich.

Der Ich-Erzähler Peter, seine heimliche Liebe Katarina und sein Freund August kommen an eine renommierte Privatschule. Welcher große Plan mag dahinter stecken, verhaltensgestörte Kinder wie die Drei in eine solche Schule zu integrieren? Kann es einen Weg aus dem Gefängnis aus Bestrafungen und psychologischen Tests geben? Und welche Rolle spielt die Zeit dabei?

"Peter Høegs neuer Roman geht unter die Haut" schreibt der Klappentext - und hat verdammt Recht. Anstrengend, aber gut.

29 Mar 2005 Selim Özdogan: "Mehr"

Selim Özdogan ist meiner Meinung nach sozusagen der Fatih Akin unter den Autoren. Ein sogenannter "Deutsch-Türke", künstlerisch tätig und enorm talentiert. Kann es da noch Zufall sein, dass die Herren bereits erfolgreich zusammen gearbeitet haben?

Sein "Schicksal" als mehr oder weniger erfolgreicher Autor hat Özdogan in einen Roman gegossen - "Mehr", die Geschichte eines deutsch-türkischen Autoren, gefangen zwischen Schaffens- und Identitätskrise, Freundschaften, die längst keine mehr sind, und natürlich zwei Frauen.

Das allein wäre noch nicht unbedingt etwas Besonderes. Doch Özdogan beherrscht etwas, was die wenigsten "jungen" Autoren können, geradezu meisterhaft: den Spagat zwischen Popkultur und literarischem Anspruch. Ihm fließend geradezu poetisch bildhafte Passagen aus der Feder - und im nächsten Moment wird er dermaßen direkt, dass Bukowski seine wahre Freude gehabt hätte, ohne jedoch um der Direktheit Willen obszön zu werden.

Dieses Buch ist hinreißend schön. Lesebefehl, alle Mann. Hopp.

23 Mar 2005 Bjørn Erik Sass: "Herrenbesuch"

Ein schöner Zufallsfund im (lokalen) Buchladen meines Vertrauens.

Ich-Erzähler Kurt ist ein neurotischer Soziologiestudent mit Hang zu Yoga und Bachblütentherapie. Mit 26 beschließt er zusammen mit seinem Freund Jens, aus dem "Hotel Mama" in einer ostseenahen Kleinstadt in einer wilde WG in der großen Stadt (Kiel - dazu sag ich jetzt mal nix) zu ziehen, damit beide Herren endlich ihrem Dasein als männliche Jungfrauen ein Ende setzen können. Begleitet von Frauke, seiner Homöopathin, und dem Ladykiller Ingo als Ratgeber aus der Praxis, gestaltet sich der Weg ins Frauenparadies aber doch schwerer, als gedacht.

Dieses Buch ist natürlich ein gefundenes Fressen für jemanden wie mich, der alles ansatzweise Esoterische und alternativ Heilkundliche grundsätzlich erstmal für Schnickschnack hält. Aber es ist auch herrlich leicht erzählt, von neurotischen Randnotizen zersetzt und hat damit angenehm sympathische Protagonisten und in einigen Zitaten enormes Prust-Potential. Und obwohl Bjørn Erik Sass der Erfinder des Abschweifens sein muss, liest es sich sehr flüssig.

23 Mar 2005 Trackback in Serendipity: karpott?

Grmpf. Da kriegt man nach Monaten eifrigsten Bloggens einen Trackback vom Pfannenwender auf diesen Eintrag. Bekommt vom Serendipity Spamschutz-Plugin auch eine E-Mail, dass der Trackback eingegangen sei und nun entweder abgelehnt oder angenommen werden müsse (Trackback-Moderation ist nicht ganz verkehrt, wenn ich mir die letzten Monate so angucke), klickt den Links zum Annehmen - und dann kommt da nix.

Bin ich blind oder funktioniert das nicht? Grmpf.

(Nachtrag: Durch die automagische Trackbackerkennung von Serendipity habe ich mir soeben selbst einen Trackback verpasst - bei dem funktionierte die Moderation. Hmhmhm. Googlen, gucken, lesen.)

21 Mar 2005 Spiegelblank

Der SPIEGEL spielt Computer-Bild. Hier. Man weiß nicht recht, ob man lachen oder weinen soll. Ich hab mich für lachen entschieden.

SPIEGEL-Online-Autor Klaus Lüber schwadroniert in feinster Altherren-Manier über Linux, die freie Windows-Alternative (nein, Herr Lüber, es ist nicht das bessere Windows; auch nicht, wenn man SuSE nimmt). "Schlecht recherchiert" hätte man ihm sagen und ihm sein Machwerk um die Ohren hauen sollen.

Wohlgemerkt: Es geht mir nicht darum, dass ein feines Betriebssystem kritisch beäugt wird. Es geht einfach nur darum, dass hier offensichtlich nicht sachkundig auf unterstem Niveau berichtet wird. Von einer angesehenen Publikation wie dem SPIEGEL erwarte ich, dass auch vermeintlich unwichtige Themen in vermeintlich unwichtigen Bereichen wie dem Online-Angebot mit einer gewissen Fundiertheit behandelt werden.

(Aber lustig war's schon.)