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10 Okt 2010 OS-Extremismus

Etwas, das mich schon unglaublich lange stört, ist Betriebssystem-Extremismus bzw. das Bedürfnis, sich für sein OS zu entschuldigen – insbesondere, aber nicht nur von Neulingen in Linux-Foren und auf Mailinglisten. Da ist dann die Rede von „Windoofs“, das man ja noch benutzen müsse, weil man auf Anwendung XY angewiesen sei, für die leider, leider kein passender Ersatz verfügbar sei.

Liebe Leute, es gibt – grob gesagt – drei verbreitete Betriebssysteme auf dem Markt: Windows, Unix/Linux-artige und Mac OSX (was letztlich auch Unix-basiert ist, aber lassen wir das). Alle haben Vor- und Nachteile, Tücken und Macken und Einsatzgebiete, für die sie besser und schlechter geeignet sind. Zumindest auf Anwenderebene ist keines von ihnen „besser oder schlechter“ per se. (Aus Sicht der Systemarchitektur oder Implementation mag man darüber eher streiten können, aber diese Sicht interessiert mich als Anwender herzlich wenig.)

Benutzt das, womit Ihr arbeiten könnt, für das, was Ihr damit machen wollt, und hört vor allem auf, Euch dafür zu entschuldigen.

Ich für meinen Teil benutze (Ubuntu) Linux und Windows (7), und ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass sich eines Tages Mac OS hinzu gesellen wird. Warum auch nicht? Vielfalt ist toll.

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34 Kommentare

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  1. * Arne (10.10.10, 17:15):

    Ich denke mal, das Thema wird generell überbewertet – aber von allen Seiten, nicht nur von sogenannten “Fanboys”.

    Fakt ist doch, dass

    a) alles persönliche Präferenz oder persönliche Notwendigkeit ist und
    b) viele von denen die schimpfen oder gar hetzen gar nicht mal alle Seiten selbst erlebt haben.

    Ich erwische mich selbst sehr oft dabei, wie ich oben von Dir genannte Kommentare abgebe. Das liegt daran, dass ich für mich meine Lösung gefunden habe und, ganz subjektiv gesehen, die anderen Lösungen schlechter finde. Nichtsdestotrotz merke ich jedoch auch oft genug, dass, sofern mein Gegenüber seinen Standpunkt genauso darlegen kann, man am Ende mit einem Unentschieden rausgehen muss, weil es eben kein Richtig oder Falsch gibt ;-) Wie gesagt: am Ende bleibt dann nur die persönliche Präferenz. Und darauf kann und muss man sich dann eben einigen.

    Und was die “Qualität” der Betriebssysteme angeht: da hast Du Recht, große qualitative Unterschiede gibt’s da nicht. Und das UI ist eben schlicht Geschmackssache. Wo die Qualität aber sehr wohl eine Rolle spielt, das ist die Drittherstellersoftware. Und genau da liegt eben in vielen Fällen schlicht der Hund begraben. Ein OS-Hersteller kann sich noch so sehr bemühen, ein tolles System zu bauen – wenn die damit eingesetzte Drittherstellersoftware rumzickt, wird’s dennoch auf dem Betriebssystem abgewälzt.

  2. * YellowLed (10.10.10, 17:43):

    Für mich kam der „Aha-Effekt“ tatsächlich mit Windows 7 und der Erkenntnis, die ich in einem älteren Beitrag schon mal verbloggt habe: Wenn ich wollte, könnte ich von jetzt auf gleich nur noch unter Windows arbeiten. Fast alle (für mich) wichtigen Anwendungen sind Open Source und auf allen „großen“ Betriebssystemen verfügbar. Zum Teil (Feedreader etwa) könnte man sogar auf Webapplikationen ausweichen.

    Mit OSX bin ich nicht sooo vertraut, aber bei den wenigen Gelegenheiten bin ich auch damit recht flott zurechtgekommen. Da „hakt“ es bei mir dann eher an hardwarebedingten Ecken, z.B. sind das Trackpad am MacBook und die Magic Mouse für mich recht gewöhnungsbedürftig — aber umstellen wird man sich immer müssen, sei es in der Handhabung oder den verwendeten Anwendungen.

    Das gängigste „Argument“ dürfte übrigens meines Erachtens die Sicherheit sein — und genau da wird oft milchmädchenartig gerechnet. Weder ein Mac noch ein Linux-System sind von Hause aus „sicher“, sie können durch unsachgemäße Benutzung oder Administration durchaus auch Sicherheitsrisiken offenbaren. Ehe ich jemandem, der davon wenig Ahnung hat, an einem unixoiden OS (womöglich mit root-Zugriff) alleine lasse, setze ich ihn doch lieber an eine halbwegs vernünftig eingerichtete Windows-Kiste …

  3. * Arne (10.10.10, 17:55):

    Ja, das mit der Sicherheit ist wirklich ein Scheinargument. Wie schon viel zu oft an allen Ecken genannt wurde: das liegt an der derzeitigen Situation, nicht aber am System. Ich mache mir keine Illusionen, auch mein Mac wird irgendwann Ziel von Angriffen werden. Man hat derzeit eben nur schlicht diese Probleme nicht. Aber das liegt am Markt und nicht am System.

    Was Windows 7 angeht: ich bin auch erstaunt, wie gut es geworden ist. Nur trifft es eben auf meine Usability-Anforderungen nicht zu. Bzw. meine UI-Anforderungen. Und das ist mein ganz persönlicher Standpunkt und kein Fakt, den der Rest der Welt zu akzeptieren hat.

    Was ich andersherum aber auch mal definitiv kritisieren muss an der “Gegenseite”: Ich kann das “brauch ich nicht”-Argument einfach nicht mehr hören. Es ist eine Sache, nach einer Weile der Benutzung eine Entscheidung zu fällen. Aber ohne ein bestimmtes Produkt benutzt zu haben dennoch eine “braucht keine Sau”-Meinung haben zu wollen ist eben irgendwo arm. Das iPhone brauchte am Anfang angeblich auch niemand, trotzdem hat es den Markt für etwas ganz neues geöffnet. Das iPad ebenso, derzeit wird es wohl mit dem Apple TV so gehen… um mal bei den beliebten Haupt-Zielen zu bleiben. Genauso die Argumentation, dass das “was man hat ja reichen würde”: Es geht immer besser. Und neuer oder anders ist nicht zwangsläufig schlechter. Ich kenne eine Menge Windows-User, die für sich entscheiden, dass sie auf dem Level bleiben wollen, auf dem sie gerade sind. Und das find ich sehr merkwürdig. Technologische Entwicklungen MUSS man nicht mitmachen, aber sie zu verteufeln ist totaler Unsinn. “Ich hab XP und bin damit glücklich, Windows 7 ([Mac OS X/Linux/whatever])braucht kein Mensch” ;-) Diese Schiene meine ich.

    Oder dieses “ich will mit meinem Handy telefonieren, alles andere ist Schwachsinn”. Warum sollte man auf Features verzichten, nur weil der Ursprung der Geräteklasse mal anders anfing? Würd ich mit einem Telefon nur telefonieren wollen, mit einem Computer nur Office bewältigen wollen, mit einem Fernseher nur fernsehen, mit einem DVD-Player nur DVDs abspielen und mit einem PDA nur Daten organisieren – wieviele Geräte soll ich bitte besitzen, nur um dieses Scheinargument aufrechterhalten zu können? Features sind gut. Wenn sie gut implementiert sind. Und wer sie nicht nutzt, der soll es eben lassen – aber deshalb ist noch lange nichts “schwachsinnig”.

    narf Sorry, dass den Aufreger nun Dein Blog abbekommen hat ;-)

  4. * YellowLed (10.10.10, 18:20):

    Och, passt schon :-)

    Ich glaube, es gibt zwei Gruppen von „Braucht kein Mensch“ bzw. „Brauch ich nicht“ — kategorische Verweigerer und die, die es wirklich nicht brauchen. Mein Vater z.B. „braucht“ kein Smartphone — er hat noch nicht einmal ein Handy.

    Allerdings sagt er auch nicht, das brauche kein Mensch, und dann finde ich es okay. Ich kann auch durchaus dem (übrigens sehr unixoiden) Gedanken, jede Aufgabe mit einem (dem richtigen) Werkzeug anzugehen, etwas anfangen, und sei es nur aus dem Grund, dass bei Schäden nur ein Gerät und damit eine Funktion ausfällt.

    Des weiteren kommt es natürlich sehr darauf an, wie man „brauchen“ definiert. Im Sinne von „lebensnotwendig“ braucht man sicherlich kein Smartphone, streng genommen könnte man vermutlich sogar nach wie vor vollständig ohne Telefon leben. Die Frage, wie sehr es den Alltag oder das Arbeiten erleichtert, ist sehr individuell und sollte auch individuell und nicht pauschal beantwortet werden. Generell ist es Unfug, technischen Fortschritt pauschal als sinnlos abzutun, denke ich.

    Nun wird gerade in Bezug auf Apple-Produkte ja auch „Braucht kein Mensch“ oder „Schwachsinn“ oft als Synonym für „überteuert“ oder „kaufen die alle nur, weil der Apfel drauf ist“ benutzt. „Brauche“ ich also meinen iPod? Sicherlich nicht. Es ist generell ein Luxusprodukt, bei dem ich individuell entscheide, dass ich es haben möchte. Der Apfel ist mir herzlich egal, sonst hätte ich längst mein ThinkPad durch ein MacBook und mein Nokia-Handy durch ein iPhone ersetzt. ;-) (Und wer argumentiert, Apple-Produkte seien überteuert, der hat noch nie einen wirklich fundierten Preisvergleich gemacht.)

  5. * Arne (10.10.10, 18:34):

    Eben. Im Grunde ist es immer eine sehr individuelle Sache, bei der nur einfach viel zu oft viel zu polemisch argumentiert wird, einfach nur um eine Meinung zu haben.

    Ich denke mal, dass vor Allem Apple auch derzeit einfach nur das typische Bekanntheitsproblem hat. So wie es früher (mei, das war im Grunde vor Windows 2000, also echt überholt) Windows ein Synonym für Bluescreens war und Windows deshalb gebasht wurde ohne Ende, so darf man heute in mancher Gesellschaft kaum ein Apple-Produkt besitzen, ohne mindestens fünf Stempel auf der Stirn kleben zu haben. Mit der Bekanntheit und dem Erfolg kommt nunmal Kritik, berechtigterweise. Und wenn sich diese Kritik dann im Internet ausbreitet und die Trolle es erstmal riechen… dann wird’s eklig ;-) Und da ist’s ja nu leider stehen geblieben: Die “Fanboys” auf der einen Seite – zu denen jeder gehört, der keine Kritik übt und auch noch Produkte besitzt, und die Trolle auf der anderen Seite, die die positive Aufnahme der Produkte zu einem großen Teil als Kriegserklärung auffassen.

    Ich war neulich zu Besuch bei jemandem, dessen gesamtes Umfeld sich scheinbar mit Android-Telefonen eingedeckt hat. Ist ja vollkommen in Ordnung soweit, hätte ich kein iPhone hätte ich wohl auch irgendein Android-Teil. Aber als iPhone-Benutzer habe ich in jedem zweiten Satz ein herablassendes “Die iPhone-Fanboys” oder “Naja, Applenutzer sind alle so arrogant” und so weiter hören müssen. Das war schon sehr, sehr einseitig und alles von Apple war böse, bis man es widerlegt hat lach

  6. * YellowLed (10.10.10, 18:53):

    Es gibt scheinbar viele Leute, die meinen, als Nutzer einer bestimmten Technologie oder Produkten eines bestimmten Herstellers automatisch mit der Konkurrenz „verfeindet“ sein zu müssen. Das ist ja gerade im IT-Umfeld auch einfach mal sowas wie Tradition, schon lange vor Microsoft vs Apple: Commodore vs Atari oder vi vs emacs sind da nur zwei Beispiele. Man müsste einen Antropologen fragen, aber vermutlich liegt es doch in der menschlichen Natur, sich zu bekriegen. ;-)

    Ich finde auch manchmal, dass einige Apple-Verfechter zu einer fanatischen Art des Argumentierens neigen, die man leicht als Arroganz missverstehen kann. Ähnliches kann man auch von manchen Linux-Nutzern behaupten, wahrscheinlich gibt es auch Leute, die Windows so mit Klauen und Zähnen verteidigen.

    Interessanterweise sind das nur selten bis nie Leute, die mehrere Systeme benutzen oder zumindest kennen …

  7. * Arne (10.10.10, 19:15):

    Ja, das mit den Kriegen stimmt auf jeden Fall. Ich find’s auch erstaunlich, dass mittlerweile auch vermehrt die Windows-Nutzer auf diesen Zug aufspringen. Die letzten Jahre war’s ja eigentlich eher so, dass diese sich verdammt zurückgehalten haben, bzw. in der Diskussion gar nicht so doll drin steckten. Das ändert sich irgendwie in letzter Zeit sehr stark. Ist aber denke ich auch mal vor Allem Apples Einzug in deren Systeme geschuldet, weil die Kritik meistens mit iTunes anfängt… hehe.

    Ich weiss nicht, wahrscheinlich sehe ich das als Apple-Nutzer wohl auch zu kritiklos, aber viele Vorwürfe stossen bei mir deshalb auf Verständnislosigkeit, weil dieses “typische Applenutzer-Verhalten” sich vielmehr um’s Zelebrieren der positiven Aspekte des eigenen Lieblingsproducts dreht denn ums Bashen der Gegenseite. Und das finde ich halt etwas schade, weil am Feiern eines Produkts ja nu bis auf die vielleicht übertriebene Überschwenglichkeit nichts schlechtes ist. Und wer Probleme mit einem Produkt hat, wird schon noch die Kritik üben, sobald es ihn betrifft bzw. er es bemerkt.

    Aber wie Du schon sagtest: diese “Kriege” liegen in der Natur der Sache. Es ist eben nur schade, dass mangelndes Verständnis für die Gegenseite nur allzu oft in Häme umschlägt.

  8. * YellowLed (10.10.10, 19:48):

    Du hast sicherlich Recht, wenn Du anmerkst, dass Apple-Nutzer eher über die Vorzüge des eigenen als über die Schächen anderer Systeme sprechen oder schreiben. Möglicherweise ist die Beurteilung dieses „Abfeierns der eigenen Arbeitsumgebung“ das, was schlecht ankommt.

    Das tun Linux-Nutzer zwar auch gern, aber die haben dazu eben eher dieses Hippie-Geek-Image. „Die Armen mit ihrem kostenlosen Betriebssystem, das von Informatikstudenten in Ihrer Freizeit programmiert wird“ halt, da wird man anders wahrgenommen als Apple-Nutzer, die „mal eben“ für zugegebenermaßen nicht wenig Geld ein weiteres Gadget anschaffen.

    Ich überlege gerade, ob Windows-Nutzer vielleicht deshalb nicht so viel austeilen, weil die viele von ihnen auf einem raubkopierten Betriebssystem arbeiten. ;-)

  9. * Arne (10.10.10, 19:57):

    Auch auf die Gefahr hin, dass das nun vielleicht als Angriff rüber kommt, aber ich denke eher, dass in der Windows-Welt viel eher das unbedarfte Klientel rumhängt. Und diejenigen, die denken, dass es nur Windows gäbe, bzw. Windows = Computer sei, die steigen eben mangels Kenntnis auch gar nicht in die Diskussion ein. Was auf der anderen Seite gut, aber auf der anderen Seite auch schlecht sein kann. Unbedarfte Windows-Nutzer rufen mich an, um mir ihre “Nichts geht mehr”Situationen näher zu bringen. Mac und Linux-Nutzer eher nicht. ;-) Andererseits ist’s aber natürlich sehr gut, dass diejenigen die eh keine Ahnung haben nicht auch noch zusätzlich reinbuttern. Das passiert schon weitaus genug mit den Halbwissenden.

    Bzgl. des Abfeierns: Da frag ich mich aber ganz ehrlich warum das so ein Stein des Anstosses ist. Nur weil man sagt, dass man liebt, wie einfach und gut etwas funktioniert, ist das ja kein “und bei Dir ist alles scheiße”. Ich finde, dass man dem Menschen auch einfach mal seine Freude darüber lassen sollte, anstatt es als böse oder dumm hinzustellen.

    Viele Linux-Nutzer sind meiner Erfahrung nach übrigens im Schnitt die übelsten Basher, hehe. Ich glaube da liegt der Hund aber am Allermeisten in dem angeblichen “Allheilmittel Open Source” begraben. Die Open Source-Community versammelt sich selbstverständlich vor Allem im Linuxbereich und dort sind die Angriffe auf alles, was an Software bezahlt werden soll, natürlich sehr groß vertreten. Dementsprechend ist es denke ich nur natürlich, dass Linuxnutzer wegen des ihres Empfindens nach “besseren” Betriebssystems auf Windows rumhacken und wegen der Geldsache auf der Thematik Apple.

    Es ist schon faszinierend, wie weitläufig das Thema ist, ohne jedoch mehr Handhabe zu haben als das Bauchgefühl des einzelnen, hihi.

  10. * YellowLed (10.10.10, 20:18):

    Ich könnte mir vorstellen, weiss es aber nicht, dass der Anstoß, der am Abfeiern genommen wird, ein sehr deutsches Phänomen ist. Ähnlich wie viele hier Schwierigkeiten damit haben, Menschen Erfolg, Statussymbole oder ein gutes Einkommen zu gönnen. Dazu passt, dass ein Mac oder iPhone (mein Eindruck) in Deutschland als Luxus wahrgenommen wird — Apples Preis- und Produktphilosophie wirkt dem ja auch nicht unbedingt entgegen.

    Letzten Endes landet man, denke ich, wenn man versucht, objektiv an die Thematik ranzugehen, immer bei demselben Punkt: Es ist sehr individuell, und genau deswegen ist es gut, in dem Bereich eine Vielfalt zu haben. :-)

  11. * Arne (10.10.10, 20:27):

    Eben. Ich muss auch zugeben, dass ich, als voll und ganz durch Apple ausgestatteter Mensch, super gerne mal wieder Ubuntu im Live-Betrieb ausprobieren würde. Aber davon hält mich irgendwie die derzeitige Zufriedenheitsquote ab ;-)

    Dementsprechend: Vielfalt ist toll, ja. Und ich würde mir einfach nur wünschen, dass die Debatten meinetwegen genauso hitzig, aber bitte weniger feindselig ablaufen. Diskutieren ist gesund, solange man bei der Sache bleibt und auch realisiert, wann es albern oder zu aggressiv wird. Schlussendlich können doch alle nur voneinander lernen. Und dass Konkurrenz das Geschäft belebt spüren wir spätestens jetzt, wo Apple in kleinen Schritten Zugeständnisse macht, weil sie Gegenwind spüren.

    Es kann alles nur besser werden, wenn man zulässt, dass positives positiv bleibt und negatives verbessert werden kann.

    Amen? Amen!

  12. * Ulf (10.10.10, 21:39):

    Ich habe mir im Frühjahr 2005, pünktlich zu Beginn meines Informatik-Studiums ein PowerBook für nicht gerade wenig Geld gekauft. Das sage ich deshalb, weil es hervorragend zu dem passt, was der Arne gerade in seinem letzten Beitrag äußerte: es wird einem einfach nicht gegönnt. Ob ich zu viel Geld hätte, wieso ich so viel Geld mehr als bei bspw. Medion ausgeben würde, was das denn bringen würde, etc.. Das Gleiche ist mir passiert, als ich mir kein Jahr später einen 23”-Bildschirm von Apple kaufte. Schwanzverlängerung durfte ich mir da anhören. Hauptsächlich eine deutsche Angewohnheit, denke ich auch.

    Ich für meinen Teil weiß aber, wieso ich seitdem nix anderes mehr gekauft habe. Auch ich bin Ubuntu-Fan, hätte ich keinen Mac, wäre Ubuntu mein Produktivsystem. Aber ich bleibe bei meinem Mac OS, denn damit bin ich wirklich zufrieden, schaue trotzdem jede Ubuntu-Version begeistert an.

    Ich habe mir vor wenigen Tagen einen 27”-iMac gekauft. Meinen alten 24”-iMac habe ich an meinen derzeitigen Zweitarbeitsplatz geschafft. Die Kommilitonen, die dort sitzen, staunten nicht schlecht. Was das denn für ein toller Bildschirm sei, so groß. Aber als sie dann den Apfel gesehen haben, mussten natürlich gleich wieder dumme Sprüche folgen. Überteuert, Designspielzeug, taugt nix, außer, man spielt ein vernünftiges Betriebssystem auf. Als ich dann fragte, ob sie denn schon mal mit Mac OS gearbeitet hätten, kam natürlich eine Verneinung.

    Tja, gleiches gilt auch häufig für iOS-Geräte-Gegner. Ich habe schon mal ein Android-Telefon für immerhin zwei Tage getestet. Es war ok, eine Alternative zu iOS, aber aus meiner Sicht eine schlechtere. Als ich das Gerät nach zwei Tagen wieder ablegte war ich froh, dass ich mein iPhone hatte. Subjektiv, sicherlich, aber trotzdem, iOS ist einfach hübscher und besser bedienbar als Android.

    Ich mag Windows 7 relativ gerne, tue mich nur wirklich schwer, mit diesem System zu arbeiten. Nur um auf deinen Beitrag zurückzukommen. Windows 7 ist das beste Windows, das ich kenne. Ulkig ist, dass gerade bei den Windows-Fanboys Windows 7 (nach Vista) als Klicki-Bunti-OS verschrien ist, XP sei das einzig wahre. Und natürlich müsse man die klassische Optik aktivieren, wer das nicht nutzt, ist ein N00b. Ich erinnere mich an ähnliche Aussagen, als XP auf den Markt kam und alle Windows 2000 für das einzig wahre Windows hielten. Ich glaube, das ist nur bei Windows-Nutzern so (sorry, no offense), Linux- und Mac-Nutzer freuen sich immer abgöttisch über neue Versionen und die neuen, netten Kleinig- (oder Großig)keiten, die ihnen die neue Version bringt. Windows-Nutzer bleiben gern beim Alten, Gewohnten, nur keine Neuerungen… Und ja, das gilt auch für die „Profis“, meine Kommilitonen beispielsweise, die ja nun auch Informatik studieren.

  13. * Dirk Deimeke (11.10.10, 10:38):

    Es hat nicht immer mit objektiven Gründen zu tun, sich für oder gegen ein System zu entscheiden.

    In diesem Fall muss ich aber sagen, dass mir die Geschäftspolitik von Microsoft zuwider ist und dass ich die Usability unter Linux deutlich besser finde als unter Windows. Zur Usability nur ein Stichwort, bei Linux gibt es ein Programm, dass mein System und die installierten Programme (Sicherheits-)aktualisiert, das bieten mir kommerzielle Systeme derzeit nicht.

    Für Ubuntu habe ich mich zu dem entschieden, weil mir die Ubuntu-Philosophie gefällt und damit meine ich nicht, dass das System kostenlos ist.

    Vor vier Jahren habe ich einmal den “Brief an einen Windowsnutzer” verfasst, in dem ich mein Gründe dargelegt habe.

  14. * YellowLed (11.10.10, 17:11):

    @Ulf: Ich kenne diese Vista/Win7-Gegner aus meinem (privaten) Umfeld auch. Es mögen einige wenige darunter sein, die mit einem steinalten Rechner arbeiten, der keine neuere Windows-Version bewältigen würde; es sind sicherlich auch technisch wenig versierte Menschen dabei, die sich ein Upgrade nicht zutrauen. Dem Rest muss man mit beliebigen Argumenten (auslaufende Updates etc.) eigentlich gar nicht kommen — die wollen nichts anderes.

    @Dirk: Grundsätzlich ist es sicherlich richtig, dass sich (nicht zuletzt in Ubuntu durch viele Ubuntu-spezifische Erweiterungen) vieles in puncto Usability bei Linux verbessert hat. Ich erinnere mich an Zeiten, in denen die Installation einer Linux-Distribution nicht 30 Minuten, sondern ein volles Wochenende gedauert hat.

    Nichtsdestotrotz kann man bei technisch wenig versierten Benutzern meines Erachtens noch lange nicht davon sprechen, dass das System eine steile Lernkurve habe. Wenn man mehr will als die vorinstallierten Programme zu benutzen, muss man meines Erachtens nach wie vor relativ viel Zeit und Willen, dazuzulernen, investieren. (Was aber bei einem Wechsel zu Windows oder Mac OSX nicht anders sein dürfte.)

  15. * Dirk Deimeke (11.10.10, 17:52):

    Meine Frau hat sich Ubuntu selber installiert und das bei Windows nicht geschafft. Windows hat in diesem Fall nur den Vorteil, dass es auf den meisten Rechnern bereits installiert ist.

    Auch bei Windows ist die Lernkurve steil, wenn das Programm ausführbar in einer ZIP-Datei liegt und keine setup.exe mitbringt. Oder gib einem normalen User mal die Aufgabe einen Treiber zu installieren, ohne, dass Du sagst, woher er ihn bekommt. Versuche einmal ein Windows ohne Personal Firewall abzusichern. Das ist möglich, aber nicht ganz unaufwendig. Oder, oder, oder …

    Vieles nehmen wir bei Windows als gegeben hin und wollen gar nicht einsehen, dass das auch erlerntes Verhalten ist. Mac OS X ist wesentlich intuitiver als Windows, dafür bekommt man auch einen (goldenen) Käfig. Es hat eben alles seinen Preis.

    Vermutlich ist meine Definition von Benutzerfreundlichkeit nicht deckungsgleich mit dem was andere sagen.

  16. * Ulf (11.10.10, 18:09):

    Ubuntu ist in vielen Belangen deutlich einfacher und intuitiver als dies bei Windows der Fall ist. Setz jemanden nicht-vorbelasteten vor einen Rechner mit Ubuntu, er wird mehr oder minder sofort klar kommen, sofern er verstanden hat, wie Tastatur und Maus funktionieren, unter Windows wird das nicht so einfach. Dieses erlernte Verhalten, das Dirk hier ansprach, sollte man nicht vernachlässigen. Ich spreche bei diesem Thema immer gern über den Start-Button. Welcher vernunftbegabte Mensch kommt schon auf die Idee, den Computer auszuschalten, indem er auf Start klickt?

    Wieso man aber bei Mac OS in einem goldenen Käfig sitzen soll, ist mir nicht ganz klar. Ich bin mit Mac OS deutlich flexibler als mit Windows, habe ich doch einen vollständigen UNIX-Unterbau, der mir bei Windows vollständig fehlt. Mir steht hier die komplette Open-Source-Welt offen, was ich nicht gerade als Käfig bezeichnen würde. Oder meinst du vielleicht die iOS-Geräte? Dann hast du sicherlich recht, hier sitzt man wirklich in einem goldenen Käfig.

    Ich habe mich im Verlauf meines Studiums unter anderem mit der Thematik Usability auseinandergesetzt und ich war überrascht, wie viele Fehler Microsoft beim Design von deren UI gemacht hat und immer noch macht. Es gibt hunderte Studien zu diesem Thema, deren Kernaussagen sich häufig decken, Microsoft scheint das egal zu sein. Gucke ich mir daneben Mac OS oder Ubuntu an, bin ich im Paradies.

  17. * Dirk Deimeke (11.10.10, 18:14):

    Du hast Recht, ich bezog mich auf iOS-Geräte. Das passte nicht zu Mac OS X.

  18. * Arne (11.10.10, 18:18):

    Ich habe dieses Experiment der intuitiven Bedienung nun schon wirklich oft durchführen “dürfen”. Und das allergrößte Problem ist dabei einfach das Voreingenommensein.

    Ein Benutzer, der Windows seit Jahren gewöhnt ist, piepegal ob er es überhaupt bedienen kann oder nicht, wird den Windows-Weg natürlich präferieren. Er weiß, wo er seine Programme findet, er hat sich seine Wege zurechtgelegt. Aber würde er da auch hin finden, wenn er das nicht vorher gezeigt bekommen hat?

    Ulf und auch ich haben da ziemlich direkte Erfahrungen mit diesen “Experimenten”. Meine Schwester bspw. hatte drei oder vier Jahre lang einen Windowsrechner. Sie fragte mich auch nach dieser langen Zeit noch, was der “Arbeitsplatz” überhaupt sei und wo sie denn bitteschön ihre Fotos findet, wenn nicht der Autostart-Dialog beim Einstecken einer SD-Karte kommt. Das Thema “Laufwerke auf dem Arbeitsplatz” z.B. war selbst nach Jahren noch ein No-Go. Man ruft an, weil man ja seinen PC-Fuzzi dafür hat, selber lernen ist nicht und intuitiv einfach drauf stoßen ist auch ziemlich unrealistisch.

    Dann hat sie irgendwann den Wunsch geäußert, ein billiges Notebook haben zu wollen. Billig heißt derweil wohl auch “ohne Betriebssystem”, und da ich ihr keine Raubkopie von ihrem heißgeliebten Windows aufspielen wollte, wurde es ein Ubuntu. Klar, natürlich hat’s mich auch einfach gereizt, ihr das aufzuschwatzen, weil es die Wartung schlicht vereinfacht.

    Guess what? Seitdem hat mich meine Schwester außer zum Erstellen eines Zusatzaccounts für ihre Tochter kein einziges Mal mehr angerufen und etwas erklärt haben wollen.

    Selbes Spiel mit meinem Onkel: Er ist Mitte 50, hat sein Leben lang noch nie einen Rechner bedient und fragte mich, ob ich ihn nicht beraten könne. Ich erklärte ihm kurz und vollkommen pragmatisch, was einem Sparerei am Rechner bringt. Am Ende hat er die Problemlosigkeit der geschlossenen Applewelt und das schöne Design eines iMacs dem Sparen vorgezogen.

    Ich habe ihm dann in zwei kurzen Sitzungen die Grundsätze erklärt: was Kontextmenüs sind, was die Maus wo macht, was Ordner sind, was sein Home-Ordner ist und welche Programme für was zuständig sind. Ohne “Naja, Du musst auf Start klicken, dann kannst Du den PC ausschalten” ;-) seitenhieb

    Mein Onkel meldet sich ein Mal im Vierteljahr, um mal zu fragen, ob er Updates einfach so machen soll… das war es aber auch. Stattdessen regt er sich drüber auf, dass seine Tochter, meine Cousine, ständig Probleme mit ihrem “komischen Windows-PC” hat und dass er “so eine Sch***e nicht nachvollziehen” kann. “Warum gibt man sich sowas? Wegen ein paar Euro?”. Und er ist keineswegs technisch irgendwie versiert oder so. Er ging nur unvoreingenommen dran und hat logische Wege vorgefunden. Erklärbare Wege. Nicht “Klick da hin, das ist halt so, merk’s Dir einfach.”

    Bei der Benutzerfreundlichkeit ist glaub ich einfach zu unterscheiden zwischen “Kenn ich” und “Ist nachvollziehbar”. Aber einfach mal unvoreingenommen rangehen und versuchen, Objektiv anzuschauen, welche Wege wo stecken und wer was wo wieso machen muss in einem System. Das ist denke ich wichtig, um darüber überhaupt sprechen zu können.

    Ich habe auch einen Bekannten, der fragt mich an der Stelle immer “Ja was denn? Ich find die Usability von Windows toll!” Das mag sein, aber ich wage einfach ganz frech zu behaupten, dass das nicht so wär, wenn er nicht seit 20 Jahren jeden Klick auswendig gelernt hätte. Denn ohne diesen Erfahrungsschatz ist Windows eindeutig extrem schwer zu bedienen – verglichen mit fortschrittlicheren UIs.

    Ich für meinen Teil fühle mich unter Windows mittlerweile total beschnitten. Hilflos nicht wirklich, auch wenn ich es gern so ausdrücken würde, aber definitiv beschnitten. Da helfen auch ca. 16 Jahre Windowskenntnisse nichts, wenn man einfach mal ein durchdachteres UI benutzt hat. Und damit meine ich nicht nur Mac OS X, sehr gerne eben auch Ubuntu zum Beispiel.

    Und ich glaube ich sollte nun aufhören, denn genau das geht nun in die Richtung, die eigentlich mit dem Blogbeitrag gemildert werden sollte ;-) Sorry!

  19. * YellowLed (11.10.10, 18:32):

    @Dirk: Diese Beispiele kann ich aber doch ebenso auf Linux/Ubuntu anwenden. Die Mailinglisten und Foren sind voll von Windows-Migranten, die sich fragen, wie sie z.B. ein Programm installieren, dass nicht als fertiges Paket für die jeweilige Distribution vorliegt. Oder nimm eine exotische oder auch nur halbwegs neue Hardware, für die man einen Kernel selbst kompilieren muss. Beides ist für einen Einsteiger keineswegs trivial, wenn auch durch Verwendung von fertigen Paketen und zertifizierter Hardware vermeidbar. (Was genauso für Windows gilt.)

    Allgemein: Natürlich ist die Anwendung von Windows erlernt — es ist das verbreiteteste OS, auch und gerade im beruflichen Alltag. Es hat ein Quasi-Monopol bei Rechnern mit vorinstalliertem Betriebssystem, und das setzt sich in den Bereich Anwendungen fort: Wer hat nicht mindestens einen Bekannten, der „Ausgabedatei einer Textverarbeitung“ gleichsetzt mit „Word-Dokument“? Diese Leute haben von Open Office oder LaTeX noch nie gehört. Bilder aus der Digitalkamera bearbeiten? Da braucht man Photoshop. Usw. usf.

    Und eben aufgrund dieser Verankerung im Alltag der meisten Menschen muss Microsoft über Usability-Verbesserungen gar nicht nachdenken — für die Anwender funktioniert es ja anscheinend. Und selbst wenn nicht (aus Sicht von Microsoft gesehen), was sollen sie machen? Linux benutzen? Das ist zumindest in bestimmten, meist professionellen Umfeldern schlicht nicht möglich. Ich fände eine Werbeagentur, die mit Gimp und Inkscape arbeitet, spannend — aber ich bezweifele massiv, dass es eine gibt.

  20. * Ulf (11.10.10, 18:43):

    Gewagte Aussage. Ich wage auszusagen, dass Microsoft sich früher oder später doch mal Gedanken machen muss, die mussten in den vergangenen Jahren gut Federn lassen, in beinahe jedem Bereich. Microsoft muss umdenken, ewig werden sie sich nicht auf ihrem Monopol ausruhen können, die Konkurrenz schläft nicht.

    Microsoft hat gute Sachen auf dem Markt, aber gerade deren Cashcows, Windows und Office, sind stark ins Hintertreffen geraten und technisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Vom Preis mal abgesehen…

  21. * Dirk Deimeke (11.10.10, 18:47):

    Ich wollte damit nur sagen, dass auch das Windows-Wissen nicht mit der Muttermilch aufgesogen wurde, sondern, dass es auch dort Aufgaben gibt, die den durchschnittlichen Anwender überfordern.

    Werbeagentur mit Linux: http://www.systeme.familie-redlich.de/ – Eckhard hat auf der vorletzten Ubucon sehr viele interessante Dinge erzählt.

    P.S.: Kannst Du bitte einstellen, dass die Kommentarbenachrichtigungen den Text des Kommentars enthalten? (Konfiguration, Generelle Einstellungen, Abonnieren von Einträgen erlauben?, Ja, mit vollständigen Kommentartexten). Danke!

  22. * Arne (11.10.10, 18:57):

    Du hast natürlich Recht, kein System kann ein Allheilmittel für alle Anwenderfälle sein. Ein Mac bringt Dir nichts, wenn Du beruflich alles in einer Windows-VM machen musst. Und super aktuelle Hardware riecht nach einer Maschine für einen dedizierten Einsatzzweck, und sei es nur “ich brauche Power für die Bildbearbeitung”. Schlechtes Beispiel, aber egal. Aber ich denke um diese Fälle geht es auch gar nicht, denn meine Beispiele oben bezogen sich vor Allem auf Anwender, die weder Ahnung haben noch spezielle Einsatzzwecke bedienen müssen. In vor Allem diesen Fällen ist die Kritik eben finde ich angebracht.

    Und was Usability-Verbesserungen bei MS angeht, das ist wirklich ein sehr, sehr brisantes Thema, finde ich. Sie haben es doch schon versucht! Die Umstrukturierung des Startmenüs oder der Orte-Seitenleiste, das angebliche “Aufräumen” der Systemsteuerung und Neuverteilen von allen möglichen Dialogen. Damit haben sie doch schon mit dem alten, was ja so vertraut war, gebrochen und eben diese unbedarften Anwender vor den Kopf gestossen, da diese nun nochmal neu lernen müssen, wobei sie selbst das alte nur leidlich verstanden haben.

    Das Problem ist nicht, dass ihnen die Hände gebunden oder sie nicht willens wären – das Problem ist, dass sie es falsch machen! Ein Windows 7 auf Tablets? Oder, was ich immer besonders schön finde: das blinde Icon in der linken oberen Fensterecke? :D Es ist einfach zum Weinen, sobald man sich Gedanken darüber macht. Und dass ein verbessertes UI ankommt merkt man doch schon an den Siegeszügen aller Konkurrenten. Schade find ich nur, dass sowas wie Usability im Business scheinbar einen Dreck wert ist, denn anders kann ich mir die Marktanteile so mancher dort eingesetzter Software nicht erklären.

    Es gibt so einige Benutzergruppen was PCs und Gadgets angeht, aber mir fallen immer vor Allem diese auf:

    a) Geeks. Wollen volle Kontrolle über alles und verschreien alles, was diese Kontrolle zugunsten der Usability einschränkt. Relativ geringer Marktanteil.

    b) Otto Normal. Der Herr Normal profitiert eindeutig am Meisten von Usability – und das merkt man unter Anderem daran, dass entsprechende Gadgets in Sachen Telefon und MP3-Player etc. alles nicht gut zu bedienende stark ins Abseits rücken lassen. Nur leider gibt sich Otto immer mit dem zufrieden, was er in Sachen PC kennt. Einerseits aus Angst etwas nicht mehr bedienen zu können, andererseits weil er es nicht besser kennt. Und oftmals ist dann noch der Geldfaktor dabei. Denn lieber 500 Euro und 50 Arbeitsstunden reinstecken als 1000 Euro ohne Komplikationen. Der Marktanteil dieser Gruppe ist riesig.

    c) Das Business. Im Business ist alles scheissegal, scheint es mir. Und vor Allem wird diese Festgefahrenheit auch kommuniziert. Man bleibt 10 Jahre auf dem selben Stand stehen, teils aus der Not heraus, zu viele Nutzer migrieren zu müssen, zu viele Prozesse anpassen zu müssen, teils aber auch einfach aus Borniertheit. Diese Gruppe ist eindeutig zu mächtig, finde ich, vor Allem weil sie die Leute für “zuhause” auch vorprägt. Nur allzu viele kommen das erste Mal am Arbeitsplatz mit dem PC in Berührung und denken, das wäre alles was sie kriegen könnten.

    d) “Liebhaber”. Diejenigen, die sich mit dem Computer oder ihren Gadgets derart viel beschäftigen, dass sie manchmal bereit sind, alles Geld auszugeben das sie haben, manchmal aber auch einfach nur die Vorteile sehen und nutzen wollen. Meines Empfindens nach steigt der Anteil dieser Gruppe gerade deutlich, immerhin sieht man ja, dass Firmen wie MS gerade ziemlich in Zugzwang kommen.

  23. * YellowLed (11.10.10, 19:24):

    Also, der Reihe nach:

    @Ulf: Ja, die Aussage ist gewagt — sie ist ja auch aus Sicht eines Hersteller, der mit bummelig 90% Marktanteil operiert. Über kurz oder lang wird der sich verändende Markt (Tablets, Smartphones usw.) dort sicherlich Änderungen notwendig machen — aber vermutlich wird MS dem eher mit einem speziellen System für diese Geräte begegnen, anstatt das Problem an der Wurzel des Übels anzupacken, denke ich.

    @Arne: Sehr interessante „Aufteilung“, bei der ich denke, dass a) und d) komplett zu vernachlässigen sind. Die interessanten Gruppen sind b) und c), wobei ich Dir bei den Business-Usern voll zustimme: Nicht zuletzt ist die überlange Marktpräsenz des Lieblingsbrowsers aller Netzgestalter primär dieser Gruppe zu verdanken. Natürlich gibt es IT-branchennahe Unternehmen, die moderne, fortschrittliche Hard- und Software einsetzen und das auch sehr bewusst entscheiden. Aber die breite Masse?

    Was den Normalnutzer angeht: Der nimmt, was man ihm gibt. Und zwar das, was man ihm billig gibt — und das ist in den meisten Fällen das vorinstallierte OEM-Windows, welches zudem auch in der „Fachpresse“, die diese Nutzer lesen, omnipräsent ist.

    Erst neulich habe ich einen Kunden sehr erstaunt, der mich bat, ein PDF im Acrobat Reader zu öffnen. Als ich ihm sagte, dass ich den gar nicht verwende, war er äußerst erstaunt. Diese Gruppe weiss gar nicht, dass alternative Anwendungen oder Betriebssysteme überhaupt existieren, insofern fehlt ihnen zur Frage, ob sie mit ihnen evtl. sogar besser arbeiten könnten, ganz einfach der Bezugsrahmen.

    Das ist eine technisch meist wenig versierte Gruppe, die sich aus Quellen informiert, die ebenfalls bestenfalls „gefährliches Halbwissen“ haben — halbseidene Webforen, explizit auf Einsteiger gemünzte (aber wenig kompetente) Literatur und der berühmte „Bekannte, der sich auskennt“.

  24. * alp (11.10.10, 21:22):

    Hey, bin deinem einladenden Tweet gefolgt und hab eine abgehobene OS-Diskussion vorgefunden. Wurde auch mal wieder Zeit :-)

    Um mal etwas mehr objektive Sachlichkeit hier rein zu bringen, sag ich folgendes:

    Windows => Kaka
    Mac OSX => Ganz ok
    Linux/Ubuntu => 1A

    ;-)

    Aber mal ernst … für mich entscheidet sich die Frage nach dem besseren OS mittlerweile nur noch durch einen Faktor: Stabilität.

    Windows (auch 7) stürzt von den dreien nunmal am häufigsten ab und wenn das passiert, sehen Normal-Anwender sowie Experte ziemlich alt aus. Nicht mal der bezahlte MS-Support kann etwas mit Schutzverletzungen anfangen (schon mit Kunden und der MS-Hotline passiert). Wenn Windows7 dann sekundenlang rödelnd nach der Ursache sucht und nur Mist präsentiert oder der Dialog dabei auch abstürzt, dann kann ich dieses OS nicht mehr ernst nehmen.

    Macs stürzen weniger ab, aber immernoch öfter als Ubuntus. Jedenfalls fühlen Mac-User eine Verbesserung in ihrem Nutzerserlebnis, wenn sie von Windows umsteigen. Dass Ubuntu-Normal-User am wenigsten wegen Support anrufen, kann ich auch bestätigen. Die meisten scheinen echt glücklich damit zu sein.

    Ich als Frontend-Dev lege mehr wert auf den Editor, als auf das OS. Da ist TextMate (+ Zen Coding) unter OSX ungeschlagen. Den Rails- oder PHP-Server möchte ich aber trotzdem am liebsten unter Ubuntu am laufen haben.

  25. * Arne (11.10.10, 21:36):

    Das mit der Stabilität find ich nun ein wenig kurzsichtig argumentiert.

    Das Thema Stabilität ist finde ich bei Windows heute nicht mehr viel mehr als ein Mythos. Windows selbst ist, muss ich zugeben, verdammt stabil geworden. Und wenn es mit Bluescreens krachen geht, dann ist meiner Erfahrung nach meist mittlerweile wirklich die Hardware schuld – und da kann MS nichts für. Allerhöchstens könnten sie mehr Fehlertoleranz einbauen, aber ob das Sinn der Sache ist… vielmehr sollten solche Probleme dazu verleiten, die Hardware nicht mehr außer Acht zu lassen und dort endlich auch mal ein wenig mehr in Qualität zu investieren. Und wenn es eben nicht die Hardware direkt ist, dann sind es deren Treiber und auch da ist MS nur periphär in der Pflicht. Man sollte denke ich beim Thema Windows-Stabilität endlich mal anfangen auf die “Vendors” einzuprügeln, die solch einen Schund abliefern und des Windows-Users Leben erschweren.

    Und was darüber hinaus geht: Applikationen, die wohl viel öfter abstürzen als jedwedes dieser Betriebssysteme, sind immer und überall Fehlerteufel Nummer Eins. Da ist es wirklich absolut egal ob Windows, Mac oder Linux. Auch wenn ich auf dem Mac phasenweise mal die Tendenz bemerke, dass Dritthersteller sich gerne einen Namen mit coolen Erstreleases machen, dann aber das Bugfixing Ewigkeiten braucht. Im Falle der reinen Applikationen ist da Linux sicherlich im Vorteil, wohlweislich aber dadurch, dass die Zyklen härter abgesteckt sind und weniger Minor-Releases in den Repositories auftauchen. Nur ist man dann eben auch entweder selten mal auf der Höhe der Zeit oder man muss selber kompilieren, basteln. Dazu muss man “geschaffen sein”, das ist kein Argument für den Normalverbraucher.

    Letztendlich ist es doch ein rein statistisches Problem: Viele Zutaten verderben den Brei. Das mit den Köchen würde ja so bei Linux nicht stimmen, bei der Anzahl der Köche :D

    Linux hat die wenigsten GUI-Applikationen, diese werden dadurch aber im Schnitt besser gepflegt. Mac OS X hat eine breiter gefächerte Entwicklerschicht, dadurch sind aber eben auch viele Hobbyentwickler dabei, die ein weitaus weniger hohes technisches Know How haben als der durchschnittliche Linux-Dev. Und Windows – ja mei, für Windows “programmiert” eben jede Sau und Guidelines von Microsoft sind entweder kaum vorhanden oder werden ignoriert, was die User Experience gleich mal ins Minus haut.

  26. * YellowLed (11.10.10, 21:36):

    Ich arbeite zugegebenermaßen wenig unter Windows 7, kann aber Deine Beobachtungen nicht teilen. Mein Win7-System ist meiner Erinnerung nach überhaupt noch nie abgestürzt.

    Nicht, dass ich das nicht selbst verwunderlich fände, und es wird sicherlich auch dadurch begünstigt, dass ich nur die notwendigsten Programme und auch kaum externe Treiber installiert habe. Aber ansonsten schnurrt es wie ein Kätzchen.

    Was den Editor, den ich grundsätzlich auch superwichtig finde, angeht — ja, TextMate ist beeindruckend gut. Es ist sehr schade, dass es keine Linuxversion davon gibt oder geben soll. Aber als jemand, der gerade von emacs zu GEdit gewechselt ist, muss ich sagen: Man kann sich an unterschiedliche Editoren gewöhnen. :-)

  27. * alp (11.10.10, 21:46):

    Also ich habe im letzten Halbjahr schon unter dreien mehrere Tage und ganze Tage am Stück gearbeitet. Auch frisch installiert und spärlich mit dem Nötigsten an Software ausgestattet. Die Gründe warum/wieso ein OS abstürzt stimmen sicherlich. Aber ich zähle ganz platt einfach mal alle Abstürze durch (und kümmere mich nicht mehr um die Ursachen). Und so ergibt sich dann meine OS-Charts ;-)

  28. * Ulf (11.10.10, 22:18):

    Was bitte meinst du mit „stürzen ab“? Das komplette System oder nur Anwendungen? Ich habe unter keinem der drei Systeme unheimlich viele Abstürze zu verzeichnen gehabt. Ubuntu ist mir schon diverse Male eingefroren, Windows wollte einfach keine Farbe mehr bekennen und Mac OS zeigte mir eine hässliche Textmeldung, die mich dazu aufforderte, den Rechner hart neu zu starten. Meine Charts würden hier aber keine Priorisierung erlauben, alle Systeme schmieren im Mittel gleichhäufig ab.

    Oder redest du von der Anwendungsstabilität? Dann führt Windows die Charts an, was aber häufig an mangelnd umgesetzten Guidelines liegt. Wenn ein Softwareprodukt für 13.000 € am laufenden Bande abschmiert, kann ja etwas nicht stimmen. Aber auch der allseits beliebte Apache 2 ist mir auf meinem Server mit Ubuntu 10.04.1 LTS schon einige Male abgeschmiert, startet aber glücklicherweise von allein neu. Und heute ist mir ein Windows 2008 Server in einer virtuellen Maschine abgeschmiert, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das OS selbst oder der Hypervisor, der wiederum unter einem Debian läuft, daran Schuld ist. Wie dem auch sei, deine Charts kann ich nicht ganz nachvollziehen.

    Wenn Mac OS zu häufig abschmieren würde, hätte ich es schon durch Ubuntu ausgetauscht. Mac OS läuft aber so was von stabil, keine Abstürze hier. Außer dem Flash-Plugin stürzt bei mir nichts ab.

  29. * Dirk Deimeke (12.10.10, 06:44):

    Die meisten Abstürze kommen von nicht sauber konfigurierten Programmen oder Betriebssystemen und ich denke, dass man – genügend Aufwand vorausgesetzt – jedes System stabil zum Laufen bekommt.

    Nach einer Statistik der Gartner Group ist der Grund für 20% aller Ausfälle die Hardware, 40% gehen auf Kosten der Programme (Betriebssysteme) und Programmkonfigurationen und 40% sind das Resultat von Bedienfehlern. Ich meine mich aber erinnern zu können, dass sich diese Statistik ausschliesslich auf Server beschränkte.

    Ich wollte aber noch einen anderen Grund in die Diskussion werfen, warum viele Windows-Leute Linux ablehnen. Das rührt zum Teil auch daher, dass das Computer-Wissen dieser Leute unter Linux nichts mehr wert ist, weil sie sich Klickfolgen gemerkt haben und keine Grundlagen. Der Fall vom Poweruser zum Newbie ist sehr hart.

  30. * Ulf (12.10.10, 09:15):

    Dirk, sehr guter Punkt, der letzte Absatz. Damit triffst du ins Schwarze.

  31. * YellowLed (12.10.10, 11:15):

    Tja. Und während wir hier noch vermuten, dass MS auf modernen, mobilen Geräten quasi gezwungen sei, die Usability zu verbessern … kommt Windows Phone 7 mit der Rendering Engine von IE6

    Kopf -> Tisch

  32. * Dirk Deimeke (12.10.10, 11:19):

    Ohne jetzt Microsoft bashen zu wollen, denke ich dass die mehrere Entwicklungen verschlafen haben, sich zu sehr auf ihrem Portfolio ausgeruht haben und jetzt deutlich im Hintertreffen sind.

    Die Menge an “Alleinstellungsmerkmalen” ist immer weniger geworden.

  33. * alp (12.10.10, 11:26):

    @Ulf

    > “Was bitte meinst du mit „stürzen ab“? Das komplette System oder nur Anwendungen?”

    Das System, so dass es einen Neustart erfordert. Manchmal als Folge eines Anwendungsabsturzes, manchmal unbekannt (vielleicht von sich selber aus, keine Ahnung).

    Und ich spreche hier auch von MS-Anwendungen wie Office und Visual Studio. Und MS müsste es ja wohl draufhaben, die eigenen Systemstandards zu beachten.

    Um weiteren Detailfragen zuvorzukommen: Es sind neue Win7-Installationen + aktuelle Updates. Mit MS-Produkten und einigen wenigen Tools (einige Browser, 7-Zip, Pidgin etc). Mal auf echten PCs, mal auf VMs installiert. Es macht im Ergebnis keinen Unterschied: MS-Systeme stürzen nunmal öfter ab.

  34. * YellowLed (12.10.10, 12:02):

    Muss mich korrigieren: Es handelt sich anscheinend doch nicht um IE6, sondern um eine Art um Funktionen des IE8 erweiterten IE7

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