06 Jun 2009 Anleitung zum Taxifahren, Teil 101
Aus jugendlicher Voreiligkeit habe ich diese Woche mal wieder das kurze Streichholz beim Dienstplanbingo gezogen und kam somit in den zweifelhaften Genuss einer Rundum-Sorglos-Woche in der Mietkraftdroschke – Mittwoch Nachtschicht, Freitag Frühschicht und weil's so schön war heute am Samstag noch eine Wochenendschicht oben drauf. Da war aber von „Kopp runter und arbeiten, beschweren könnt Ihr Euch später“ bis „Wir stehen uns die Reifen eckig und saufen Kaffee um die Wette“ wirklich alles dabei.
Nun sollte sich ja mittlerweile rumgesprochen haben, dass Taxifahren eigentlich ganz leicht ist: „Hinsetzen, anschnallen, Kippe aus, Klappe halten!“ steht auf einem Schildchen, welches mein Kollege N., der alte Spaßvogel, in seinem Dienstfahrzeug kleben hat – „Klappe halten“ ist dabei total optional und normalerweise unerwünscht.
Trotzdem gibt es immer noch Zeitgenossen, denen diese Form der Personenbeförderung scheinbar fremd ist oder die dringlichst einen Auffrischungskurs benötigen. Also:
- Wenn man morgens um viertel nach neun bei einem beliebigen Taxiunternehmen anruft und anfragt, ob man wohl eine Portion Pommes gebracht bekommen könnte, sollte man sich nicht über schallendes Gelächter wundern. Speziell dann nicht, wenn man im 5 Kilometer entfernten Nachbarstädtchen anruft. Ja, wir machen Lieferfahrten – aber wir machen nicht alles, was man uns sagt.
- Wenn man einen Jungesellenabschied Hamburger Vorortler (Beruf: Sohn) schon auf's Land verlegt und dabei eine Strecke Richtung Strand mit Taxen zurücklegen möchte, sollte man, ehe man für eine Fahrt im Wert von 20 Euro schlanke 105 Euro ausgibt, durchaus mal die angetüddelten Reihen durchzählen. Einfaches Rechenbeispiel: 1 Fünfsitzer + 2 Siebensitzer - 3 Fahrer ergibt 16 Fahrgastplätze. Nicht 17. Unnötig zu erwähnen, dass 3 Siebensitzer genauso teuer gekommen wären – nacktes Glück, dass einer der Siebensitzer auf 8 Personen zugelassen war.
Bonuspunkte immerhin für die schöne Aufgabenstellung an den kuhzünftigen Prinzgemahl: „Der muss auffe Strandpromenade die leeren Buddeln verhökern, damit wir den Kram nich zurückschleppn müssn!“ - Bestellt man „einen Wagen für 5 Personen“, so kann Missverständnissen vorgebeugt werden, indem man wahrheitsgemäß den Zusatz „mit Gepäck für eine Woche und einem kleinen Hund“ hinzufügt. Noch toller wäre die ungefähre Volumenangabe des mitgeführten Gepäcks, etwa in Form von „drei Trolleykoffer, zwei kleinen Taschen, einen Korb für den Hund und jede Menge lose in Tüten verpackte Spirituosen“ – dann kann der Fahrer bereits eine Stunde vorher damit beginnen, den spärlichen Stauraum, welcher in einem Minivan nach Ausklappen eines der beiden Sitze im ohnehin zu kleinen Kofferraum verbleibt, sinnvoll zu verplanen.
Ja, das sind reale Begebenheiten. Aber ich hätte ja auch auf meine Mutter hören und etwas Anständiges lernen können …





Ich muß ja ehrlich zugegeben, dass ich bei den meisten Taxifahrten nix gegen “Klappe halten” habe. Immerhin bin ich da meist ausreichend Müde um meine Ruhe haben zu wollen.
Dafür kann ich glaube ich inkl. relevanter Informationen ein Taxi bestellen, scheint ja auch nicht jeder zu schaffen :-D
Liegen gute Gründe vor, so ist “Klappe halten” natürlich auch total okay — nach 11 Stunden einer 12-Stunden-Schicht bin ich z.B. normalerweise auch nicht mehr sonderlich gesprächig :)
Und ja, das mit den relevanten Informationen lässt zusehends nach. Gern genommen ist z.B. mit fünf Leute da stehen, aber kein Großraum/Minivan angefordert haben. Das hatte ich Mittwoch nacht erst. Naja, Wehrdienstleistende … ;)
Hehe, ich hab ja sogar mal gelernt bei Bestellungen zu sagen, WANN ich WO sein will und nicht einfach selbst ne Zeit anzunehmen (*hust*) und dann gestresst zu sein. Klappt erstaunlich gut ;-)
Sehr hilfreich ist z.B. auch, dazu zu sagen, von wo nach wo man will, und zwar ausdrücklich. Also etwa “von zu Hause zum Bahnhof”. Verhindert diverse Verwechselungen.
Hauptsache, du passt auf dich auf!