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06 Mär 2009 s9y: Was es nicht ist

s9y ist kein Content Management System. Punkt. Es ist eine Blogengine, welche man mit ein wenig Bereitschaft zu Kompromissen und Handarbeit durchaus als CMS zweckentfremden kann, das ja. Aber – das lehrt zumindest der Alltag als freier Einzelkämpfer an der Netzgestaltungsfront immer wieder – es ist eben kein „echtes“ CMS. Wie komme ich (ganz subjektiv übrigens) zu dieser Erkenntnis?

Rein optisch ist es überhaupt kein Problem, s9y wie ein CMS aussehen zu lassen. Spätestens mit dem großartigen neuen Magazin-Template Kinetic hat Bulletproof-Mitentwickler Don Chambers eine hervorragende (allerdings kostenpflichtige!) Basis für den Betrieb einer solchen Seite geschaffen. Auch andere s9y-Templates (wie etwa Mimbo) lassen sich durchaus für Seiten im Magazinstil mit „corporate look“ anpassen.

Da wäre zum einen das Plugin für statische Seiten. Es funktioniert hervorragend, bietet viele Möglichkeiten und leistet unter dem Strich genau das, was es soll – in der Umgebung, für welche es gedacht ist: In einem Blog. Wer ein paar wenige statische Seiten wie etwa ein Impressum, eine „Über mich/uns“-Seite, Datenschutzhinweise etc. anlegen will, wird damit bestens bedient. Dabei reden wir aber von einer überschaubaren Anzahl von statischen Seiten! Ab einer gewissen Anzahl, sagen wir mal: ab 10 bis 15 statischen Seiten, wird die Verwaltung und Pflege aber eben doch, nun ja … zäh, speziell, wenn diese Seiten auch noch über eine relativ komplexe Hierarchie sortiert werden sollen. Sowohl die Anzahl als auch die komplexe Hierarchie aber sind typisch für CMS-artige Seiten.

Ein weiterer Punkt ist die Seitennavigation. Auch in diesem Bereich ist s9y auf Blogs ausgelegt – es gibt verschiedene Seitenleistenplugins, welche unterschiedliche Navigationsformen (Kategorien, Tags, letzte Einträge, letzte Kommentare usw.) möglich machen. So ziemlich jedes Template, das in jüngster Zeit erschienen ist, bietet eine konfigurierbare Navigationsleiste, über welche man gezielt bestimmte Bereiche des Blogs verlinken kann; die Einrichung dieser Leiste erfolgt normalerweise über die sogenannten „theme options“ in der Verwaltungsoberfläche und ist „idiotensicher“, sprich: Man muss keinerlei Änderungen am Templatecode vornehmen.

Was die Navigation aber – bislang – nicht bietet, ist eine Automatisierung in diesem Bereich, welche meiner Meinung nach für ein „echtes“ CMS unabdingbar ist. Darunter stelle ich mir eine automatisch erzeugte Sekundärnavigation vor, welche die über die konfigurierbare Navigationsleiste angelegte Primärnavigation ergänzt. Beispielsweise so: Ich wähle in der Primärnavigation einen „Bereich“ der Seite an, etwa eine Kategorie von Einträgen zu einem bestimmten Thema. Dazu wird dann (z.B. in der Seitenleiste) eine speziell auf diesen Bereich abgestimmte Sekundärnavigation (Subkategorien des Bereiches, zugeordnete statische Seiten etc.) ausgegeben.

Wohlgemerkt: Ich habe derzeit selbst keine Lösung für diese „Probleme“, bestenfalls Workarounds, welche meistens so aussehen, dass man entsprechende Lösungen hart ins Template kodiert. Das ist zeitaufwändig, fehleranfällig und schränkt den Endbenutzer durchaus ein, weil praktisch jede Erweiterung der Seite, die eine Ergänzung der Navigation erfordert, auch eine Anpassung des Templates notwendig macht. Zudem gibt es durchaus Fallbeispiele, in denen diese notwendigen Kompromisse akzeptabel sind; z.T. wiegt auch die Tatsache, dass man sich nicht in ein unbekanntes CMS einarbeiten muss, sondern die vertraute (und bewährte!) Blogengine zweckentfremden kann, die Einschränkungen durch diese Kompromisse auf.

Nochmal ganz deutlich: Ich rate nicht generell davon ab, s9y als CMS einzusetzen, speziell nicht für eher überschaubare Seiten. Aber man sollte sich vorher bewußt machen, mit welchen Kompromissen man – meiner (praktischen) Erfahrung nach – rechnen muss.

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  1. Nur ein Blog: Magazin-Template Kinetic für Serendipity (08.03.09, 00:49)

6 Kommentare

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  1. * Robert Lender (07.03.09, 13:34):

    Danke für diesen Artikel. S9y ist ein tolles Stück Software und wer sich damit auskennt, kann die interessantesten Dinge damit tun.

    Aber – wie bei jeder Software – sollte man dessen Grenzen kennen und auch vermitteln. Sonst enttäuscht man andere, wenn sie ein CMS suchen, S9y installieren und dann den Eindruck haben, dass S9y einfach gar nichts taugt.

    Und wie du selbst schreibst: S9y als CMS, als Bildverwaltung, als … ist auch dann gut, wenn man sich mit der Programmierung, dem Templating etc. von S9y gut auskennt. Dann ist es oft einfacher hier noch etwas zu erweitern, als sich in ein anderes Programm einzuarbeiten.

  2. * YellowLed (07.03.09, 18:39):

    Über die Erweiterbarkeit fernab der verfügbaren Plugins kann ich nichts sagen — ich bin selbst nach wie vor kein Programmierer.

    Aber ich kann es nachvollziehen, wenn etwa kleine bis mittlere Unternehmen davor zurückschrecken, sich einem Funktionsmonstrum wie etwa Typo3 auszusetzen, und statt dessen nach einer “kleinen” Lösung suchen. Und die sollten die Möglichkeit haben, sich zu informieren, worauf sie sich dabei eventuell einlassen :-)

  3. * Robert Lender (07.03.09, 18:48):

    Genau.

    Danke für den Hinweis auf Kinetic. Dieses Template kannte ich noch nicht und bin jetzt hin und weg, was Don da geschaffen hat.

    Was ich auf der Website nicht finden konnte, war eine Möglichkeit (Screenshots, etc.) in die Verwaltungsoberfläche zu blicken. Ich würde gerne mal sehen, was ich als einfacher User daran verändern kann ohne mich mit Templating auszukennen.

  4. * YellowLed (07.03.09, 18:59):

    Ich habe mich selbst noch viel zu wenig mit Kinetic befasst — die Zeit ist halt leider immer zu knapp für solche Dinge.

    Du kannst Dich — meine ich zumindest — auch als Nichtinhaber einer Kineticlizenz im Kinetic-Forum registrieren. Dort gibt es bereits jetzt etliche ausführliche Tutorials — natürlich in Englisch, und nein, ich werde sie nicht übersetzen —, auch zum Backend und mit Screenshots.

    Da Kinetic auf Bulletproof aufsetzt, kannst Du (soviel kann ich dann doch schon sagen) mindestens das verändern, was in BP geht — und mehr :-)

  5. * -stm (17.03.09, 02:29):

    Ist es wirklich nicht als CMS zu gebrauchen? Ich würde da eigentlich aus eigener Erfahrung widersprechen wollen:

    http://www.sankt-joseph-siemensstadt.de/

    das sind definitiv mehr als 10-15 statische Seiten. Sicher, der Schwerpunkt der kontinuierlichen Nutzung liegt auf den aktuellen Einträgen, also klassischem Blog-Content, aber grundsätzlich ist das auch eine vollständige Site, die ich früher mit einem CMS versucht hätte zu gestalten.

    und “Beispielsweise so: Ich wähle in der Primärnavigation einen &#8222;Bereich&#8220; der Seite an, etwa eine Kategorie von Einträgen zu einem bestimmten Thema. Dazu wird dann (z.B. in der Seitenleiste) eine speziell auf diesen Bereich abgestimmte Sekundärnavigation (Subkategorien des Bereiches, zugeordnete statische Seiten etc.)” dafür gibt es doch zB in der dann geöffneten statischen Seite einen Bereich, wo “Kinderseiten” angezeigt werden können (so verstehe ich jedenfalls Deinen Wunsch).

  6. * YellowLed (17.03.09, 09:36):

    Ich scheine mich wahnsinnig mißverständlich ausgedrückt zu haben, deshalb nochmal ganz deutlich: Natürlich ist es als CMS zu gebrauchen — wenn man die Bereitschaft zu Kompromissen und Handarbeit mitbringt.

    Die von Dir genannte Seite ist doch ein schönes Beispiel: Die Navigation ist nur bedingt typisch für eine solche Seite. “Normalerweise” gäbe es da oben eine Primärnavigation, welche die wichtigsten “Bereiche” oder Sektionen annavigiert — und genau diese Funktionalität meine ich letztlich: Statische Seiten, Blogkategorien und auch die Ausgaben von Plugins thematisch zusammenfassen zu können und in eine bequeme Navigation zu packen.

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