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08 May 2008 Charlotte Roche:»Feuchtgebiete«

Die »Feuchtgebiete« von Frollein Roche, Lesern älteren Semesters eher als fachlich versierte Sabbeltasche im anspruchsvolleren Teil des Musikfernsehens bekannt, sind in aller Munde. Der Grund ist denkbar simpel: Charlotte hebt sich aus dem Reigen der bücherschreibenden Promis durch eine, sagen wir mal, direkte Sprache und Thematik ab, die eine mir unbekannte Dame auf dem Cover »Angenehm unzimperlich« und manch Anderer gegebenenfalls ekelhaft findet.

Grundsätzlich geht es in »Feuchtgebiete« um die relativ alltäglich-belanglose Geschichte der 18jährigen Helen, die einen Krankenhausaufenthalt (bedingt durch eine missglückte Intimrasur) dazu nutzt, sich mit den diversen Abteilungen und Funktionen ihres Körpers zu befassen, über die »man eigentlich nicht spricht«. Nebenbei schleppt sie noch den Krankenpfleger ab und versucht einigermaßen erfolglos, ihre geschiedenen Eltern am Krankenbett zu versöhnen. So weit zur Rahmenhandlung.

Wer Charlotte Roche schon mal beim moderieren zugesehen hat, wundert sich eigentlich kaum über die Direktheit der Geschichte, findet sie schon mal gar nicht »Radikal, drastisch und ebenso zart« wie Roger Willemsen (ebenfalls auf dem Cover vertreten), sondern eher normal. Charlotte halt. Bisweilen an der Grenze des Aushaltbaren, aber daneben – und das entgeht im Sumpf der Direktheit leider – mit herrlich trockenem Humor versetzt. Schade drum. Das Bohei um »Feuchtgebiete« ist meines Erachtens nachvollziehbar, aber unverständlich.

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1 Comment

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  1. * DrNI (08.05.08, 18:00):

    Nun, in ihrer niemals gesendeten “Talkshow” (die es aber auf YouTube zu sehen gibt) ist Roger Willemsen ein gern geduzter Gast, es liegt also nahe dass hier eine Hand die andere wäscht.
    Ich wollte schon lange über das Buch bloggen, aber irgendwie konnte ich mich nie dazu aufraffen. Ich fand weite Passagen des Romans einfach nur eklig. Mit provokant oder skandalös hat das wenig zu tun, dazu müssten gängige moralische Wertvorstellungen attackiert werden. Wenn Protagonistin Helen ihre Mitesser aufisst und sich verfaulte Obstkerne in die Vagina einführt, dann gehen davon zumindest im Jahr 2008 weder Welt noch Gesellschaft unter.
    Besonders tiefsinnig geht es dabei nicht zur Sache und alles in allem ist das Buch nur so erfolgreich, weil einige verhirnte Feuilletonisten von Feminismus und Revolution fantasiert hatten.
    Fazit: Unterhaltsam, nicht besonders tiefschürfend, überwiegend eklig. Ansonsten unspektacoolär.

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